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Diese Zeiten sind bis auf Weiteres vorbei: Der vollbesetzte Oberbräusaal bei einem Konzert der Holzkirchner Symphoniker 2018. 

Kultur im Oberbräu in Holzkirchen

Bald grünes Licht für Kulturveranstaltungen - und jetzt? 

Ab 15. Juni dürfen in Bayern wieder Kulturveranstaltungen stattfinden. Die Auflagen freilich bergen Tücken. Holzkirchens Kulturhaus-Chefin gibt einen Einblick.

Holzkirchen – Die Nachricht vom Dienstag klingt erst einmal erlösend für die Kulturszene: Ab 15. Juni dürfen nach der Corona-Zwangspause in Bayern wieder Konzerte, Theater, Kabarett & Co. über die Bühne gehen – mit maximal 50 Besuchern, Mindestabstand, Mundschutz und strengen Hygieneauflagen. Für die Praxis ist aber noch vieles zu klären für Bühnen und Künstler. „Aus dem Regierungskonzept erfahre ich nicht: Was darf ich hinter der Bühne?“, sagt Ingrid Huber, die Chefin des Holzkirchner Kulturzentrums Kultur im Oberbräu. „Und erst dann kann ich sagen: Was spielt man überhaupt?“

Seit Anfang März war das Kulturhaus geschlossen. Eine schwierige Zeit, ebenso wie für das zweite große Kulturzentrum im Landkreis, der Waitzinger Keller in Miesbach. Die Nachricht, dass es nun doch bald wieder losgehen kann, und das schon in zweieinhalb Wochen, hat Huber relativ kalt erwischt. „Wenn es nach mir persönlich gegangen wäre, wäre die Saison bis Sommer zu Ende gewesen, und wir hätten im Herbst in Ruhe wieder angefangen.“ In den großen Ferien hat das Programm im Haus ohnehin Pause. Freilich will sie sich der unverhofften Öffnung jetzt aber nicht verschließen. Für heutigen Donnerstag hat die Geschäftsführerin der Kulturhaus GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Marktgemeinde, kurzfristig eine Teamsitzung einberufen. Sie gehen nicht unvorbereitet rein, doch die aktuellen Voraussetzungen müssen durchgeackert werden. „Wir werden prüfen, prüfen, prüfen, im Team besprechen, was möglich ist, und das dann mit der Gemeinde abklären.“

Das geht schon los bei der Frage, wie die Plätze angeboten werden. Einzeln? In Pärchenkombination? Und was ist, wenn eine Familie zu dritt kommt? „Man muss da ein fast autoritäres System schaffen“, meint Huber. „Wenn wir uns auf die Wünsche jedes einzelnen einlassen, werden wir wahnsinnig.“ Es dürften Schleusen nötig werden, um die Besucher zu lenken, vielleicht sogar Einlassgruppen. Hygienefragen sind auch noch offen – etwa, ob in den Toiletten nach jedem Gast desinfiziert werden muss. Mit jeder zusätzlichen Anforderung an den Betrieb steht die Frage im Raum, ob Aufwand und Nutzen noch im Verhältnis stehen. „Das sind lauter so Kleinigkeiten, bei denen wir noch weit davon entfernt sind, was auf der Bühne stattfinden kann.“

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Auch das birgt Herausforderungen. Ensembles etwa hatten monatelang keine Chance, gemeinsam zu proben. Selbst wo dies unerheblich ist, stellen sich schnell andere Probleme: Huber hatte ein Theaterstück fertig vorbereitet, als Corona dazwischenkam. „Wir brauchen ein bis zwei Proben, dann sitzt das wieder. Aber es sind zwölf Spieler, darunter ein Kind. Die können auf der Bühne keine 1,50 Meter Abstand halten. Die Inszenierung kann ich so also in die Tonne treten.“

Huber stellt sich auch die Frage, ob das Publikum überhaupt kommt – und hat Verständnis, wenn nicht, gerade angesichts des Gottesdienstes in Frankfurt, wo sich die Teilnehmer singenderweise infizierten. „Das ist eine Gewissensfrage. Und da hab ich noch gar nicht die Frage nach der Finanzierung gestellt.“ Denn klar ist auch: Bei weniger Plätzen sinken die Einnahmen aus dem Kartenverkauf. Der Zusatzaufwand wird aber mehr kosten. Und ob die Künstler, die als Freiberufler nun oft monatelang kein Einkommen hatten, bei den Gagen entgegenkommen, ist auch die Frage. Ebenso die Bereitschaft der öffentlichen Hand, Kultur zu fördern - schließlich ist sie genau wie der Sport für die Kommunen immer ein Zuschussgeschäft. 

Ob sich das Publikum tatsächlich schon ab Mitte Juni auf einen regelmäßigen Kulturbetrieb freuen kann, scheint ungewiss. Huber will Ende der Woche Klarheit haben. Und macht doch noch Hoffnung: „Zumindest ein kleines Programm kriegen wir schon hin.“ 

Katrin Hager

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