Historisches Gebäude in Münchner Straße Holzkirchen.
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Dieses historische Gebäude an der Münchner Straße in Holzkirchen soll für ein neues Wohn- und Geschäftshaus weichen. So wünscht es sich zumindest der Eigentümer.

Eigentümer wünscht sich neues Wohn- und Geschäftshaus

Bauausschuss: Wirbel um historisches Gebäude an Münchner Straße

Ein historisches Gebäude an der Münchner Straße soll für ein neues Haus mit Wohn- und Geschäftseinheiten weichen. Strittig allerdings sind die Abstände zum Nachbarn. 

Holzkirchen – „Wir bauen nicht, was man nicht darf“, sagt Michael Babor. Er ist Architekt und hat die Planungen für den angedachten Neubau an der Münchner Straße 49 in Holzkirchen übernommen. Grundstückseigentümer ist Andreas Bauer aus Feldafing. Und wenn es nach ihm ginge, entsteht in zentraler Holzkirchner Lage bald ein Haus mit zehn Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten samt Tiefgarage. Ein entsprechender Antrag auf Vorbescheid schlug jetzt im Holzkirchner Bausauschuss auf.

Doch ob es tatsächlich zu dem Neubau kommt, ist derzeit noch offen. Stein des Anstoßes ist nicht zuletzt die Frage, wie nahe das neue Gebäude an das Nachbargrundstück rücken darf. Die bayerische Bauordnung schreibt einen Mindestabstand vor, den Babors Pläne jedoch nicht einhalten. Und auch das Gebäude, das momentan auf dem Grundstück steht, tut das nicht. Das muss es allerdings auch nicht, denn die gesetzlichen Vorgaben sind erst im Jahre 1962 in Kraft getreten – lange nach der Errichtung des Hauses im Jahre 1900. Das Nebengebäude wurde 1954 errichtet, zwei Anbauten kamen 1959 und 1961 hinzu, ebenfalls vor Inkrafttreten der Abstandsregelungen. Wenn aber jetzt neu gebaut wird, müssen Abstände eigentlich eingehalten werden.

Weil Bauer einen Antrag auf Vorbescheid gestellt hatte, musste sich der Bauauschuss in seiner Sitzung mit seinem Ansinnen auseinandersetzen. Vorbescheide sind Instrumente, mit denen sich Bauinteressenten ihre Baupläne absichern können. Wer einen solchen Vorbescheid erhält, bekommt gute Aussichten, seine Pläne umsetzen zu dürfen, vorausgesetzt er hat das Baurecht. Ausstellende Behörde hierfür ist das Landratsamt Miesbach, die Marktgemeinde Holzkirchen darf aber eine Stellungnahme dazu abgeben.

Wie Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte, ist auch die Prüfung der nötigen Abstände zu den angrenzenden Grundstücken Aufgabe des Landratsamtes Miesbach, die Gemeinde habe hier keine Handhabe. In der Ausschusssitzung betonte Monika Wohlschläger von der Bauamt-Verwaltung, dass das jetzige Gebäude Bestandsschutz genieße. „Bei einem Abriss könnte das aber neu geregelt werden“, erklärte Wohlschläger. Sandra Weinmann, ebenfalls aus der Bauamt-Verwaltung, erläuterte weiter, dass das derzeitige Haus zwar einen historischen Gebäudebestand darstelle, aber nicht denkmalgeschützt sei. Auch hier gelte jedoch, dass bei einer Prüfung des Vorbescheides das Landesamt für Denkmalschutz noch tätig wird.

Von Seiten der Kommune könnten nur Gesichtspunkte wie Bauweise oder Erschließung betrachtet werden. Für Bürgermeister Schmid fügt sich der geplante Neubau gut in die Umgebungsbebauung ein. Und auch Marktbaumeister Florens Hintler sagte: „Wir können nicht verweigern, was möglich ist.“ Weil weder Denkmalschutz noch andere Gesichtspunkte gegen die Pläne Bauers sprechen, müsste die Gemeinde dem Landratsamt in Sachen Vorbescheid eigentlich positive Signale senden.

Das jedoch schien den Holzkirchner Gemeinderäten mit Blick auf die Abstandsregelung problematisch. Robert Wiechmann von den Grünen meinte dazu: „Wir können nicht für gut heißen, was hinterher keine Chance hat.“ Wolfgang Huber (SPD) verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Denkmalschutz noch eingreife: „Es täte mir in der Seele weh, wenn das alte Gebäude weg müsste“, gestand er.

Ekkehard Hohenadl, dem das Wohn- und Geschäftshaus hinter dem betroffenen Objekt gehört, trug im Ausschuss vor, dass er ein Geh- und Fahrrecht zu seinem Hof hin besitzt. Dies führe dazu, dass die geplanten Bauarbeiten von der Münchner Straße aus zu bewerkstelligen seien, meinte er. Hohenadl bezweifelte, dass dies im Interesse der Holzkirchner Bürger liege. Übrigens: Hohenadl wurde für seine Wortmeldung von den Ausschussmitgliedern das Rederecht für Gäste erteilt, was wenig später seinem Kontrahenten Babor verweigert wurde.

Am Ende verweigerte der Bauausschuss mehrheitlich das gemeindliche Einvernehmen für den Vorbescheid und lehnte somit den Vorschlag aus der Verwaltung ab.

Von Andreas Wolkenstein

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