+
Gülle auftragen sollten Landwirte nicht bei allzu großer Hitze (hier ein Symbolbild). Bauer Josef Mang sagt, er habe extra bis abends gewartet, damit die Anwohner noch den ganzen Tag genießen können. 

Ein nicht seltener Konflikt

Anwohnerin sauer auf Bauer: Odel macht einen krank

  • schließen

Dass Josef Mang abends sein Feld odelte, missfällt Anwohnerin Verena Müller. Es sei viel zu warm gewesen, sagt sie. Er widerspricht. Ein Konflikt, der laut AELF öfters vorkommt.

Holzkirchen – Ein lauer Sommerabend, der Grill steht bereit. Doch um 21.30 Uhr ist für Verena Müller das Idyll vorbei. „Da hat der Bauer zu odeln angefangen.“ Ihr Haus liegt in der Nähe des Feldes. „Es hätte einem fast die Schlappen ausgezogen bei dem Gestank“, meint sie. „Das macht einen krank. Vor allem bei der Hitze“ Und: „Man konnte nicht schlafen.“ Ihr Mann ruft bei der Polizei an, blitzt dort aber ab. Müller spricht den Landwirt Josef Mang an. Eine Auseinandersetzung beginnt. Mang behauptet, der Begleiter der Frau habe ihn mit Schimpfwörtern beleidigt.

Szenen wie, die, die sich am Samstagabend am südlichen Ortsrand von Holzkirchen abgespielt hat, kennt Rüdiger Obermaier. „Es gibt öfters solche Konflikte“, sagt der Sachgebietsleiter Landwirtschaft im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen. Es sei ein schwieriger Spagat: Auf der einen Seite stehen die Bauern, die unter Zeitdruck litten. Sie müssten ihre Felder abmähen, um wieder neue Pflanzen anzusäen. Davor müssen sie Gülle auftragen, damit der Aufwuchs nicht benetzt wird, was für das Tierfutter schlecht wäre. 

Auf der anderen Seite stehen die Anwohner. Theoretisch gebe es keine Vorschriften, zu welcher Uhrzeit ein Bauer odeln darf, so Obermaier. Wenn er es begründen könne, gebe es Freiräume. „Aber die Bauern haben keine Narrenfreiheit.“ Die Grenzen zur Ruhestörung seien schwierig. Geodelt werden dürfe fast das ganze Jahr über – mit Ausnahmen: Für Grünland galt 2016/17 im Dienstgebiet die Sperrfrist von 1. Dezember bis 15. Februar, bei Ackerbau von 15. November bis 31. Januar. Bei Bodenfrost und Schnee sollte nicht geodelt werden, und bei Hitze: „Umso wärmer es ist, umso mehr Ammoniak geht in die Luft“, erklärt Obermaier. „Das riechen die Leute dann.“

Daher schreibe die Düngeverordnung vor, dass bei hohen Temperaturen keine Gülle ausgebracht werden dürfe. Eine genaue Temperaturangabe existiere nicht. Seines Wissens habe Mang extra abends geodelt, damit es kühler ist und nicht so stinkt.

Das bestätigt Mang: „Ich habe bewusst bis abends gewartet, damit die Anwohner den ganzen Samstag haben“, sagt er. „Mir ist es wichtig, mit den Leuten auszukommen.“ Und dass odeln nicht für alle lustig ist, sei ihm klar. „Aber wir leben davon, wir sind ein Familienbetrieb.“ Tagsüber hatte es um die 30 Grad. Als er arbeitete, habe die Außentemperaturanzeige im Schlepper um 22.10 Uhr 16 Grad angezeigt, eine Stunde später elf Grad. Das hat er fotografiert. Müller sagt, dass es mindestens 20 Grad waren. Mang betont, dass er sich beeilt hat: Am nächsten Morgen fing er sofort an, umzuackern. „Um 11 Uhr war ich fertig.“

Mang erklärt, dass er unter Zeitdruck stand. Er habe sich die Maschinen ausgeliehen. „Zeitnäher ging es nicht.“ Zudem war er der Meinung, dass er die Arbeiten bis 1. Juni erledigt haben müsse. Das stimmt laut AELF teilweise. Laut Andreas Kowalzik, dem Sachgebietsleiter für Förderanträge, musste er die Fläche mit neuer Frucht anbauen. Förderrechtlich gesehen habe der 1. Juni nicht gegolten, fachlich gesehen schon. Ein Landwirt müsse das gute Wetter ausnutzen, habe viele Flächen zu bewirtschaften, sei vielen Zwängen ausgesetzt.

Müller ging am Montag zur Gemeinde, wo sich Anwohner aus der Erlkamer Straße ebenfalls über Odelgestank beschwert hatten. Dort teilte man ihr mit, dass man nicht zuständig sei. Allerdings rief ein Mitarbeiter im Beisein Müllers beim AELF an, man sprach mit Obermaier. Der wusste schon von Mang von dem Vorfall. Obermaier versuchte zu vermitteln, bot Müller ein Gespräch mit allen an. Dieses habe sie zunächst abgelehnt. Inzwischen hat sie mit Obermaier gesprochen.

Trotzdem ist sie der Meinung, dieser würde auf der Seite des Landwirts stehen. Obermaier betont: „Wir helfen nicht nur Bauern, wir sagen ihnen schon, wenn sie sich nicht ordnungsgemäß verhalten haben.“ Aber: „Herr Mang ist für mich ein gewissenhafter Landwirtschafts-Meister.“ Und: „Er hat verantwortungsbewusst gearbeitet.“

Müller stellt klar: „Ich halte nicht alle Landwirte für unverschämte Menschen, die so was machen.“ Mang ist auch noch sauer: „So was ist mir noch nicht passiert“, sagt er. Gegen Müllers Begleiter möchte er nun Anzeige wegen Beleidigung erstatten. Das Kriegsbeil ist also noch längst nicht begraben.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dichter Boden: Reithamer Dorfweiher braucht Schluckmulde
Die neue Entwässerung rund um den Reithamer Dorfweiher wird aufwendiger als gedacht: Weil der Boden dicht ist, braucht es eine Bohrung bis auf 30 Meter Tiefe.
Dichter Boden: Reithamer Dorfweiher braucht Schluckmulde
Transit rammt Skoda
Unachtsamkeit führte am Donnerstag kurz nach 10 Uhr zu einem Zusammenstoß zweier Fahrzeuge in der Nähe des Flugplatzes Warngau.
Transit rammt Skoda
Chef-Almwirt zu Kuhglocken-Streit: „Bei Tieren mit Glocke ist mehr Leben drin“
Georg Mair ist erster Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern. Als solcher kennt er sich aus mit Kuhglocken-Freunden - und Feinden. Ein Interview mit …
Chef-Almwirt zu Kuhglocken-Streit: „Bei Tieren mit Glocke ist mehr Leben drin“
Der Glocken-Krieg von Holzkirchen - Ein Stimmungsbericht aus dem Gerichtssaal
Gebimmel, Gestank, Gesundheitsgefahr: So sieht ein Anwohner in Holzkirchen die Kuhhaltung auf der Weide neben seinem Haus. Vor dem Landgericht eskalierte der Streit neu. …
Der Glocken-Krieg von Holzkirchen - Ein Stimmungsbericht aus dem Gerichtssaal

Kommentare