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Noch im Altenheim geparkt: Oscar.

Sehnsucht nach dem verlorenen Sohn

Bavaria-Film will Holzkirchner Oscar haben - mit gutem Grund

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Die Heimat ruft: Auf den Oscar, den der Filmarchitekt Herbert Strabel ins Holzkirchner Pflegeheim Landhaus an der Au mitbrachte, hat die Bavaria-Film ein Auge geworfen. 

Holzkirchen – Achim Rohnke (60) ist hin und weg. Als der Geschäftsführer der altehrwürdigen Bavaria-Film erfuhr, dass ein waschechter „Bavaria-Oscar“ aufgetaucht ist, streckte er schnell die Fühler aus. „Dieser Oscar steht für die große Kreativität und Handwerkskunst, die unsere Studios schon immer ausgezeichnet haben“, sagt Rohnke, „der Oscar muss unbedingt heimkommen.“

In der Filmstadt vor den Toren Grünwalds war Herbert Strabel, zusammen mit seinen kongenialen Partnern Rolf Zehetbauer und Hans Jürgen Kiebach, anno 1973 der große Wurf gelungen. Für die Hollywood-Produktion „Cabaret“ ließen die beiden das Berlin der frühen 30er Jahre wieder auferstehen – und das so stimmig und atmosphärisch, dass es für das Szenenbild einen von acht Academy Awards gab, die der Musical-Film 1973 abräumte.

Strabel zog sich 1988 ins Private zurück, der Oscar lag viele Jahre unbeachtet in seiner Wolfratshauser Wohnung. Als der fast 90-Jährige vor gut einem halben Jahr ins Holzkirchner Pflegeheim Landhaus an der Au umzog, kam der berühmte Goldjunge mit. Strabel erlaubte Heimleiter Dominik Böing, die wertvollste Trophäe der internationalen Filmwelt im Aufenthaltsraum auszustellen, in einer Glasvitrine. Erst als der bescheidene und fast vergessene Oscar-Gewinner Ende Oktober starb, wurde bekannt, welcher Schatz da in Holzkirchen gestrandet war.

Rohnke hat Strabel nicht persönlich gekannt. „Aber es gibt hier bei der Bavaria noch ein paar Leute, die mit ihm gearbeitet haben“, sagt der Studiochef. „Er muss ein echter Charakterkopf gewesen sein“, hat sich Rohnke sagen lassen. Ein Künstler, der handwerklich penibel genau arbeitete. „Det können wir so ned verkoofen“, berlinerte er, wenn ihm ein Vorschlag nicht gut genug war. Kompromisse mochte er ebenso wenig wie Billiglösungen. Seine handgezeichneten Kulissenpläne waren kleine Kunstwerke.

Der Mythos jener großen Filmsets in Geiselgasteig verblasste jedoch seit den 90er Jahren. „Leider ist auch der Oscar in etwas Vergessenheit geraten“, bedauert Rohnke. Umso größer sei die Freude gewesen, als der verlorene Sohn auftauchte. „Wir sind hier alle sehr aufgeregt.“

Die Nachricht passe wunderbar in die Zeit. Erst kürzlich schuf die Bavaria eine eigene, etwa 20-köpfige Art-Department-Truppe, die an die Tradition der großen Kulissenbauer rund um Strabel anknüpfen will. „Den Oscar vor Augen zu haben, das wäre eine Riesenmotivation“, sagt der Studioboss. Nicht zuletzt feiert die Bavaria in zwei Jahren ihr 100-jähriges Bestehen – am liebsten dann natürlich im Oscar-Glanz.

Noch ruht der vergoldete Schwertträger im Tresor von Böings Büro in Holzkirchen. Strabels Bruder Günter (88), der einzige Erbe, hat offenbar kein Interesse. „Mal schauen, ob der Oscar im Testament überhaupt genannt ist“, sagt Böing. Er wäre bereit, dem Filmstudio das „Aufbewahrungsrecht“ zu überlassen. „Es gibt ja einen direkten Bezug zur Bavaria“, sagt Böing, „da gehört der Oscar sicher eher hin als in unser Heim.“

Dem verlorenen Sohn, das versichert Rohnke, würde man den roten Teppich ausrollen. Denn der Trophäenschrank der Bavaria ist zwar prominent besetzt mit nationalen und internationalen Auszeichnungen – ein Oscar aber fehlt. Nah dran war man 1983 für „Das Boot“ und zuletzt für „Geliebte Schwestern“ (2015). Kaum jemand wusste, dass der große Wurf schon 1973 geglückt war. „Sein Platz ist frei“, sagt Rohnke, „wäre schön, wenn Oscar nach Hause kommt.“

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