Die Firmenzentrale von Sandoz und Hexal in Holzkirchen

Pharma-Riese baut 250 Stellen ab

Sandoz schließt Entwicklungszentrum in Holzkirchen und verlagert es ins Ausland

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Der Pharmakonzern Sandoz plant, bis Ende 2020 sein Entwicklungszentrum in Holzkirchen zu schließen. Dem Unternehmen sind die Standort-Kosten zu hoch. 250 Mitarbeiter sind davon betroffen. 

Erst Ende März hatte der Pharma-Riese den Standort Holzkirchen vergrößert. 45 Millionen Euro hatte das Unternehmen in den Bau neuer Büros gepumpt. Die Beschäftigten, die bisher über das Holzkirchner Industriegebiet verstreut waren, sind in den Neubau gezogen, im Juli folgen die Mitarbeiter der in Oberhaching ansässigen Sparte 1A Pharma. Im März war noch nicht bekannt, dass das Entwicklungszentrum auf der gegenüberliegenden Straßenseite geschlossen werden soll. Hier sind 250 Mitarbeiter beschäftigt. Sie entwickeln Medikamente und machen sie produktionsreif. 

Derzeit verhandelt das Unternehmen mit dem Betriebsrat über einen Interessensausgleich für die betroffenen Angestellten und entwickelt einen Sozialplan. 

Sandoz hat weltweit mehrere Entwicklungszentren, unter anderem im slowenischen Ljubljana, im indischen Hyderabat sowie in Kundl in Tirol. Die in Holzkirchen laufenden Projekte sollen nun schrittweise an diese drei Entwicklungszentren verlagert werden. „Sandoz hat den Anspruch, das weltweit führende Generika-Unternehmen zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen und dauerhaft zu sichern, durchläuft Sandoz einen Transformationsprozess“, erklärte Vorstandssprecher Stephan Eder in einem internen Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt. 

Demnach strebt Sandoz mehr Kosteneffizienz in allen Bereichen an, insbesondere aber bei Entwicklung und Produktion der Standardprodukte. Hier sei meist der Preis allein das ausschlaggebende Kriterium. Die immer härtere Konkurrenz durch Billig-Anbieter aus Asien sowie die Preiserosion vor allem in den USA seien große Herausforderungen. 

Weltweit beschäftigt Sandoz 13 000 Mitarbeiter. Sieben Prozent davon sollen abgebaut werden, also bis zu 900 Vollzeitstellen. Dieser konzernweite Transformationsprozess hat unmittelbare Auswirkungen auf Holzkirchen, wo Sandoz 1600 Angestellte hat. „Für die betroffenen Kollegen ist das eine bittere Entscheidung“, heißt es in der internen Mitteilung von Eder. „Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und alles getan, um die Effizienz zu steigern.“ Aber die Kosten im Holzkirchner Entwicklungszentrum seien im Vergleich zu anderen Sandoz-Entwicklungszentren sehr hoch. „Alle Optionen, die Kosten weiter zu senken, sind geprüft worden. Aber die Möglichkeiten sind soweit ausgeschöpft.“ Nach Informationen unserer Zeitung sind ein wesentlicher Faktor die Personalkosten. 

Der Betriebsratsvorsitzende Florian Steinmüller sagte: „Was das Unternehmen hier plant, hat uns als Betriebsrat erschüttert. Die meisten Kollegen stehen unter Schock.“ Der Betriebsrat halte die geplante Schließung des Entwicklungszentrums für eine gravierende Fehlentscheidung. „Hier wird eine bestens funktionierende Organisation zerschlagen. Im Prinzip schließt man damit die Wiege der Generika-Entwicklung in Deutschland, denn hier hat Hexal schon 1988 den wesentlichen Grundstein für den Erfolg des Unternehmens gelegt. Sandoz und dem Mutterkonzern Novartis scheint die Erfahrung, die wir hier vor Ort haben, die Kompetenz und das Know-how nichts Wert zu sein.“ Die geplante Verlagerung von Entwicklungsprojekten unter anderem nach Indien möge kostengünstiger sein, aber Qualität habe ihren Preis. 

Auch Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) reagierte erschüttert. „Diese Entscheidung ist sehr bedauerlich. Sandoz zählt zu den wichtigsten Gewerbetreibenden am Ort.“ Man habe ihm versichert, der Stellenabbau laufe sozialverträglich ab. „Außerdem wurde mir versichert, dass nur das Entwicklungszentrum betroffen ist, alle anderen Arbeitsplätze in Holzkirchen sollen erhalten bleiben.“ 

Noch unklar ist, was mit dem Gebäude an der Industriestraße 25 passiert.

Ähnliche Nachrichten gibt es aus dem Landkreis München: Die Hubergroup schließt ihren Produktionsstandort in Kirchheim. 350 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Die Schließung soll schrittweise innerhalb von zwei Jahren erfolgen.

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