Caro Göbel mit ihren drei Kindern
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Zu Tränen gerührt: Caroline Göbel mit ihren Kindern (v.l.) Daniel, Marina und Leonhard.

„Bin absolut überwältigt“

Nach Unfalltod von Dreifach-Vater: Leser spenden 90.000 Euro - und retten Familie aus Notlage

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
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Caro Göbel verlor bei einem Unfall ihren Lebensgefährten. Die Mutter wusste nicht, wie es finanziell weiter gehen sollte. Doch Spenden unserer Leser haben sie gerettet.

Holzkirchen – „Ich bin absolut überwältigt“, sagt Caro Göbel. „Dass so viele Menschen so hilfsbereit sind und mitfühlend, damit hätte ich nie gerechnet.“ Ihre Sorge, nach dem jähen Unfalltod ihres Lebensgefährten Andreas Klupak, als die kleine Welt der Familie zusammenbrach, in ein existenzielles Loch zu fallen, hat sich verflüchtigt.

Das Paar war nicht verheiratet gewesen, die Holzkirchnerin fürchtete, die finanzielle Herausforderung des Alleinseins nicht schultern zu können. Freunde organisierten eine Hilfsaktion, die Heimatzeitung berichtete – und drei Wochen später glaubt Caro Göbel wieder daran, dass das Schicksal nicht nur grausam sein kann.

Familienvater stirbt bei Unfall: Menschen aus der ganzen Region spenden - „Wahnsinn, was da passiert ist“

Alte Schulfreunde meldeten sich. Nachbarn aus Grub, wo Göbel früher wohnte. Junge Männer, Freunde des 19-jährigen Sohnes, überwiesen kleine und auch größere Beträge auf ihr Konto. Der Vater eines der Freunde gab 2000 Euro. Aus der ganzen Region floss Geld aufs Konto. Bekannte kamen mit Bargeld-Kuverts vorbei. „Wahnsinn, was da passiert ist.“ Der ehemalige Chef, die Nachbarin, viele Bekannte aus dem großen Freundeskreis des Paares spendeten großzügig.

Fußballmannschaften rührte ihr Schicksal. „Da muss man schlucken“, sagt Göbel, als sie davon erzählt. Vielleicht, sagt sie, liegt’s daran, dass viele für die freundliche und gesellige Art ihres Lebensgefährten etwas zurückgeben wollten. „Das zeigt mir, dass wir beide in unserem Leben viel richtig gemacht haben.“ Viele „böse Gedanken“, die sie nach dem schrecklichen Unfall am 29. März überfielen, „die sind jetzt weg“.

Nach Unfalltod des Lebensgefährten: Über 90 000 Euro kommen zusammen - nicht nur mit Geld geholfen

Wie viele Menschen letztlich spendeten? Die 41-Jährige hat nicht gezählt. Manche gaben zehn Euro, manche 1000 Euro. „Irgendwann kamen die Kontoauszüge in kleinen Kartons an.“ Am Ende sind fast 90 000 Euro zusammengekommen. „Eine Summe, die ich gar nicht begreifen kann“, gesteht Göbel. Ein Gönner versprach einen kleinen Zuschuss für das Studium des Sohnes. „Es ist einfach mega“, bricht es aus ihr heraus, und wieder ist die dreifache Mutter den Tränen nah.

Geholfen wurde nicht nur mit Geld. In der Mietwohnung stapelt sich Kinderkleidung für den kleinen, sieben Monate alten Nachzügler. „So viel kann ich meinem kleinen Mann gar nicht anziehen“, sagt Caro Göbel, „aber das tut alles so gut.“ Ein Mann versprach, kostenlos Holz für den Ofen zu liefern. „Mein Kopf begreift langsam: Es geht weiter.“

Holzkirchen: Unfalltod von Dreifach-Vater - „Habe keine Angst mehr, dass ich es nicht mehr schaffe“

Doch das Herz, es blutet. Der 29. März 2021, als abends die Polizei kam mit dem Chef des Lebensgefährten, um das Unbegreifliche auszusprechen, er steht noch wie ein großer Berg vor ihr. Andreas Klupak, seit 18 Jahren an ihrer Seite, war mit dem Roller auf dem Weg nach Hause, als ihn ein Baustellenfahrzeug zwischen Holzkirchen und Marschall von der Straße rammte.

Der 43-Jährige hatte keine Chance, auch der Fahrer des Kleinlasters kam ums Leben. „Der Schmerz bleibt groß, das geht nicht weg“, sagt die Holzkirchnerin. „Aber ich habe keine Angst mehr, dass ich es nicht mehr schaffe“. Im Herbst will sie wieder als Steuerfachgehilfin einsteigen, vielleicht auch wieder als Tupper-Beraterin anfangen.

Holzkirchen: Witwe schreibt aufbauenden Brief an Caro Göbel

Hoffnung schöpft Göbel auch aus dem langen Brief, den ihr eine Frau schrieb. Sie hatte ihren Mann vor sieben Jahren bei einem Unfall verloren. „Es ist ein gutes, beruhigendes Gefühl, wenn man weiß, andere haben’s auch geschafft“, erzählt die 41-Jährige. Sie hat sich vorgenommen, den Rat der Briefeschreiberin zu beherzigen: „Überstürze nichts, schau nach vorne. Gib Dir Zeit.“

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