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Ex-Bürgermeister Josef Höß hatte illegal eine Waffe. Weil sein Telefon abgehört wurde, kam alles raus.

Deshalb fand die Polizei seine Pistole trotz Hausdurchsuchung nicht

Illegale Waffe und LKA-Abhöraktion: Jetzt spricht der Ex-Bürgermeister

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Holzkirchens Ex-Bürgermeister Josef Höß besaß illegal eine Waffe, die Holzkirchner Polizei wollte den Fall offenbar vertuschen - und wurde vom LKA erwischt. Jetzt erklärt Höß die Hintergründe und verrät seinen Verdacht.

Ein Zufall hat interessante Details der Sparkassen-Affäre im Landkreis Miesbach zutage gefördert. Bei einer Gerichtsverhandlung, bei der ein Polizist auf der Anklagebank saß, kam die Sprache auf eine richterlich angeordnete Telefonüberwachung. Der Apparat, der angezapft worden war, gehört dem ehemaligen Bürgermeister von Holzkirchen, Josef Höß (CSU). Explizit genannt wurde der Zusammenhang mit der Sponsoring-Affäre vor Gericht nicht, Höß bestätigte dies aber gegenüber unserer Zeitung. Der Vorwurf: Bestechlichkeit.

Bisher war nur bekannt, dass bei ihm und 15 anderen Beschuldigten der Affäre um die Sponsoring-Praxis der Kreissparkasse Hausdurchsuchungen vorgenommen worden waren. An die Öffentlichkeit drang die Abhöraktion, da Höß in dem Verfahren um den angeklagten Polizisten als Zeuge auftrat. Mehr noch: Er war Auslöser der Anklage gewesen. Denn im Januar 2015 brachte der damals bereits pensionierte Ex-Bürgermeister eine Waffe zur Polizeiinspektion Holzkirchen. Die hatte er vor Jahren auf seinem Speicher gefunden – ein Erbe der vorherigen Wohnungsbesitzer, wie Höß unserer Zeitung sagte. Erst als im Zuge der Sponsoring-Affäre sein Haus vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) durchsucht worden war, fiel ihm die Waffe im Tresor wieder ein.„Sie war ganz hinten in einem Unterfach“, erklärt Höß auf Nachfrage. „Auch die Polizei hat sie bei der Durchsuchung nicht gesehen.“ Weil er weder einen Waffenschein noch eine Waffenbesitzkarte hatte, hätte die Polizeiinspektion gegen ihn ein Ermittlungsverfahren einleiten müssen.

Staatsanwaltschaft beantragt Abhörung: Höß nimmt‘s gelassen

Das geschah damals nicht.Deshalb stand ein Polizist nun vor dem Amtsgericht Miesbach. Der Vorwurf: Strafvereitelung im Amt. Auf den Vorfall gestoßen ist das LKA, weil es das Telefon in Höß’ Privathaus abhörte. Das LKA schnitt ein Gespräch zwischen der Holzkirchner Polizei und Höß’ Ehefrau mit, bei dem es um das Vertuschen des Waffendelikts ging, wie es im Prozess hieß. Von dem angezapften Telefon hatte der Ex-Bürgermeister bereits seit längerem gewusst. Sein Rechtsanwalt hatte es ihm berichtet. Nicht nur das Telefon, auch E-Mails und SMS seien kontrolliert worden. Ken Heidenreich von der Münchner Staatsanwaltschaft II erklärt das generelle Verfahren: Jeder, der abgehört wurde, „muss im Nachhinein informiert werden, entweder er selbst oder über seinen Anwalt.“ Das LKA gab keine Auskunft.

Höß nimmt die Abhöraktion gelassen: „Das hat mich nicht weiter gestört. Ich habe nichts zu verbergen.“ Der Grund für die polizeiliche Kontrolle seiner Privatgespräche war nach seinen Angaben der Vorwurf der Bestechlichkeit. Es stand damals der Verdacht im Raum, der Markt Holzkirchen habe ein Grundstück an die Sparkasse unter Wert verkauft und dafür eine Spendensumme von 400 000 Euro eingesteckt. „Die Spende und der Verkauf können nicht im Zusammenhang gesehen werden“, betont Höß auch heute. Die Untersuchung der Sparkassen-Affäre durch die Staatsanwaltschaft läuft noch. Die Staatsanwaltschaft ging zum damaligen Zeitpunkt wohl vom Gegenteil aus und beantragte beim Amtsrichter das Abhören. So ist das normale Vorgehen, erklärt Heidenreich.

Sparkassen-Affäre: Wurden noch mehr Beschuldigte abgehört?

Höß vermutet, dass er nicht der Einzige der 16 Beschuldigten ist, der abgehört wurde. Das ist aber nur ein Verdacht. Rausgekommen sei bei ihm nichts. „Ich habe nur mit meinen Kindern und Bekannten telefoniert“, sagt er. Das Gespräch mit der Holzkirchner Polizei sei das einzige gewesen, dass sich die Ermittler herausgepickt hätten.

Der Polizist wurde am Donnerstag freigesprochen – es fehlten Beweise und vor allem das Motiv. Höß jedoch wurde bereits im Juli wegen illegalen Waffenbesitzes und dem unerlaubten Führen einer Waffe zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hat Berufung eingelegt.

nip

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