Beamten fassungslos:

Berliner brettert durch Rettungsgasse, fährt Polizisten an - und dreht dann richtig durch

Dass der Berliner die Feuerwehr auf dem Weg zu einem brennenden Lkw auf der A8 rechts überholte wäre eigentlich Nachricht genug. Doch damit geht die unfassbare Geschichte erst los.

Holzkirchen - Die Autobahnpolizei Holzkirchen berichtet: Durch die Autobahnpolizei Holzkirchen wurde am Donnerstag gegen 09.30 Uhr die Feuerwehren Hofolding und Sauerlach zu einem qualmenden Sattelzug auf die A8 angefordert. Auf Höhe des Autobahnkilometers 18,5 in Fahrtrichtung Salzburg war der Motor eines slowenischen Sattelzuges in Brand geraten. Der Brand konnte durch den Lkw-Fahrer bereits eingedämmt werden, er blieb unverletzt.

Zwei Löschfahrzeuge der Wehren aus Sauerlach und Hofolding befuhren auf Anfahrt zur Einsatzstelle hintereinander die gebildete Rettungsgasse.

Ein 64-Jähriger Fahrer eines Audi Q3 aus Berlin nutzte entstehende Lücken der Rettungsgasse, um die mit Blaulicht und Martinshorn fahrenden Löschfahrzeuge zu überholen. Das hintere Löschfahrzeug wurde in der Rettungsgasse vom Audi-Fahrer links überholt. Da das vorausfahrende Feuerwehrfahrzeug weiter nach links versetzt fuhr, war ein Linksüberholen hier für den Q3 nicht möglich. Davon ließ sich der Fahrer allerdings nicht aufhalten und überholte hier das Löschfahrzeug kurzer Hand rechts. Durch den Spurwechsel zwang er eines der Feuerwehrfahrzeuge sogar zum Abbremsen und Ausweichen.

Im Stau unmittelbar vor der Einsatzstelle wurde das Berliner Fahrzeug von der Feuerwehr dann schließlich wieder überholt und das durch ihn gezeigte Verhalten an die Beamten der Autobahnpolizei Holzkirchen mitgeteilt.

Durch zwei Beamte sollte der Fahrer des Berliner Pkw an der Einsatzstelle kontrolliert werden. Bei dem Anhalteversuch befand sich das Fahrzeug auf dem an der Brandstelle verbliebenen linken Fahrstreifen. Die gegebenen Anhaltezeichen des Polizeibeamten ignorierte der Fahrer jedoch und fuhr auf den auf der Fahrbahn stehenden Polizeibeamten mit geringer Geschwindigkeit zu. Als der Beamte realisierte, dass der Pkw-Fahrer nicht anhalten will, war es ihm auf Grund des nur noch geringen Abstands zum Fahrzeug nicht mehr möglich sich aus dem Gefahrenbereich zu bringen und er wurde durch die Front des Pkw an beiden Knien angefahren und leicht verletzt. 

Zeitgleich wurden die Beamten vor Ort durch die heruntergelassene Seitenscheibe auf üble Art und Weise beschimpft und beleidigt. Den Anordnungen zur Seite zu fahren kam er immer noch nicht nach. Erst als seine auf dem Beifahrersitz befindliche Ehefrau ins Lenkrad griff, konnte er zum Einlenken gebracht werden. Der Fahrer begann daraufhin, auf seine Frau einzuschlagen. Die Beamten griffen sofort ein und mussten den Fahrer gewaltsam aus seinem Fahrzeug holen. Währenddessen wurden sie weiterhin durch den Berliner massiv beleidigt. Ernsthaft verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Der Fahrer muss nun mit mehreren Anzeigen wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr, gefährlicher Körperverletzung sowie Beleidigung rechnen. Sein Führerschein wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft München I beschlagnahmt.

Der eigentliche Einsatz, der qualmende Lkw, konnte nach kurzen Nachlöscharbeiten seitens der Feuerwehr recht schnell beendet werden. Die beschädigte Zugmaschine wurde auf dem Autobahnparkplatz abgestellt und wird durch die Halterfirma in den nächsten Stunden abgeschleppt. Hier beläuft sich die Schadenshöhe auf ca. 8.000 Euro.

Von der Polizei entlassen und nichts gelernt:

Nach der Beschlagnahme seines Führerscheins und ausführlicher Belehrung wurde der 64-jährige Berliner von der Autobahnpolizei Holzkirchen wieder entlassen, seine Frau sollte die Fahrt fortsetzen. Kurz nach Verlassen des Polizeiparkplatzes konnte eine Streife der Autobahnpolizei beobachten, wie der Mann den Platz mit seiner Frau tauschte und sich erneut hinters Steuer setzte. Die Weiterfahrt wurde daraufhin unterbunden und alle Beteiligten zurück zur Autobahnpolizei verbracht.

Auf der Dienststelle schlug der Mann unvermittelt im Beisein der Beamten seiner Ehefrau mit der Hand ins Gesicht. Er musste erneut von den Polizeibeamten überwältigt werden, um eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern. Dabei kam es zu massiven Widerstandshandlungen. Es werden weitere Strafverfahren wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet.

Nachdem sich nicht einmal die Ehefrau des 64-jährigen dessen aggressives Verhalten erklären konnte und eine Begutachtung durch einen herbeigerufenen Arzt eine psychische Erkrankung nicht ausschließen ließ, wurde er in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Eine Beeinflussung durch Alkohol- oder Drogenkonsum konnte jedoch ausgeschlossen werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Julian Strate

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