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Verabschiedet ihre Mit-Absolventen mit einem mitreißenden Gedicht: Rachel Rosendorfer.

Als wir noch klein waren

Das berührende Gedicht einer Fos-Absolventin (18)

Es geht um die Zukunft, das Leben und darum, wo man steht, wenn man gerade den Schulabschluss in der Tasche hat. Irgendwo zwischen dem Sprung ins größte Abenteuer und dem Abgrund.

Als wir noch klein waren

von Rachel Rosendorfer

Als wir noch klein waren

in Größe und Jahren

in Kinderscharen den Sandkasten stürmten

Vom Kindergarten in die Grundschule türmten

und freudig die Chancen auf Neues sahen

als wir noch klein waren

In Größe und Jahren

da gab´s diesen Satz

„Ihr seid die Zukunft“

so als wär´n wir ein Schatz

der sich irgendwann öffnet

um zu offenbaren was er immer schon war

ohne dass man es sah.


Ja, wir fühlten uns wertvoll

als Essenz unserer Welt

als das, worauf man Großes hält

und während wir dieser Welt verschlossen

die Jahre zählten

unsren Kleidungsstil wählten

unser Weltbild stählten

da walteten die, die uns zur Zukunft erkoren

die uns geboren haben

und mit Wissen speisten

die mit uns an der Hand in der Zeit weiter reisten

um uns diese Welt zu übertragen

diese Welt mit ihren tausend Farben

diese Welt mit ihren Waffeln und Waffen

sonstigen Sachen, dem Lachen

ihren Idioten und Affen

ihren Machenschaften und den ganzen Rest

man hat uns eine Zukunft geschaffen für die wir reifen sollten

ein Spielfeld die Welt um uns auszuprobieren.


nun, wir sind nicht mehr klein

wie wir es damals waren

wir trinken, wir fahren

wir sind reicher an Jahren

und Verantwortung die wir mit uns tragen

wie Atlas die Welt

tragen wir was der Mensch

von ihr innehält

wir alle gemeinsam

einst warn wir die Zukunft

doch wir sind der Moment

in uns ruht noch die Jugend

die uns dahin drängt uns etwas zu errichten

wir alle, grad jetzt, sind vom Wunsch gelenkt

nicht mehr Zukunft zu haben

sondern etwas zu werden


Unser Leben mit unseren Wünschen zu färben

das Stückchen der Welt das uns enthält

das wir von unseren Vorgängern erben

zu etwas Schönem zu machen, trotz all seiner Kerben

trotz all seiner herben Schicksalsschläge

wir versuchen uns stetig das Glück zu angeln

und dabei den Problemen das Tor zu verrammeln

und darüber zu lachen das wir ständig beim sammeln

von Erlebnissen, Taten, diese Fehler machen

zum Beispiel den Falschen in Liebe küssten

oder uns unter Leuten die Hose zerrissen

mit falschem Wissen um uns warfen

oder vergaßen zu schreiben dass wir jemanden missen

vielleicht jemand absolut seltsamen trafen

oder jemand absolut hohlen

und dann im Schreck gar peinlich berührt

vor unserem eigenen Spiegelbild flohen


ja, sowas passiert

das man konfus und verwirrt

und vielleicht auch voll Hass

den Verstand verliert

und zu jemandem wird der sich selbst zerfrisst

und sich selbst schockiert mit dem was er ist

weil Prinzipien nichts sind was man einfach vergisst

zumindest hatten wir das mal gedacht

als wir noch klein waren

in Größe und Jahren

in nichts ein Ende sahen

sondern nur Anfänge wahrnahmen


Damals

Und jetzt?


stehen wir vorm Leben

mit Angst vor Fehlern

doch dem Wunsch alles zu geben

uns endlich selbstständig auszuleben

von Glück lebendig die Welt zu bewegen

vielleicht anzuregen zu einem besserem Ort

vielleicht durch Tat oder Wort

eine Zukunft zu schaffen

in der unsere Kinder, wie wir, freudig lachen

und altern können

bis sie, wie wir, im Leben stehen

und in ihren Kindern die Zukunft sehen

Doch bitte, egal was ihr anstrebt zu werden

ob ein Zahnrad des Ganzen

oder Gott hier auf Erden

ob Herr der Finanzen

oder Taucher für Perlen

unterlasst es bitte aufzugeben

egal in welch Scherben

euer Leben zerspringt

standhaft zu kämpfen

das ist was wir sind

ist was das Verlorne zusammen bringt

und vielleicht das Zersprung’ne ins Ganze zwingt

vom Kind bis zum Greis

sind wir uns darin gleich

dass wir nicht weichen wollen

ein Utopia zeichnen und es grollend zu beschützen

Resignation kann euch stürzen

doch der Mut wird euch nützen

Und eure Träume der Zukunft stützen

Rachel Rosendorfer trug ihr Gedicht bei der Abschlussfeier von FOS und BOS in Holzkirchen vor. Wir haben sie gefragt, ob sie ihr Gedicht auch für unsere Leser veröffentlichen möchte, weil wir Ihnen diese Zeilen nicht vorenthalten wollten. Vielen Dank.

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