Und endet vor Gericht

Besetzte Dusche löst eine nackte Schlägerei aus

Flüchtlingsstreit in der Holzkirchner Traglufthalle: Zwei 20-jährige Asylbewerber, einer davon Afghane, der andere aus Gambia, wurden im Frühjahr beim Streit um die Dusche handgreiflich.

Holzkirchen – Nun mussten sie sich vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten. Der Gambier hatte sich, so die Anklageschrift, irrtümlicherweise in die Duschen der afghanischen Landsleute begeben, um sich für seinen anstehenden Transfer frisch zu machen. Nachdem er Handtuch und Kosmetikartikel bereits vor der Duschkabine platziert hatte, fand er diese nach seinem Toilettengang besetzt vor. Empört forderte er den darin stehenden Afghanen auf, die Dusche zu verlassen. Es kam zu einer wörtlichen Auseinandersetzung, die der Afghane beendete, indem er aus der Dusche sprang und seinem Mitbewohner mehrmals mit der Faust ins Gesicht schlug. Starke Blutungen aus Mund und Nase waren die Folge. Als der Sicherheitsdienst eintraf, entfernten sich die beiden „ohne aggressives Verhalten“, so ein Zeuge, „in verschiedene Richtungen.“

Kurz darauf saß der Angreifer auf einem Sofa im Aufenthaltsraum, als der Gambier von hinten kam, ihn am Genick packte und die – mit einem Löffelstiel bewaffnete – Faust zum Schlag in Richtung Hals ansetzte. Bevor er jedoch Schaden anrichten konnte, entschärften Sicherheitsleute die Situation. 

Einer von ihnen, als Zeuge geladen, berichtete: „Der wollte ihn mit dem Löffel auf gut Deutsch abstechen.“ Der Staatsanwalt forderte er für beide Beteiligten eine Woche Dauerarrest. „Trotz der Tatsache, dass nichts passiert ist – das war ein Versuch der vorsätzlichen gefährlichen Körperverletzung.“ Die anwesende Jugendgerichtsvertreterin hingegen tat sich mit Ahndungsvorschlägen etwas schwer. Die Flüchtlinge hätten fast keine finanziellen Mittel, und für Sozialstunden fehlten die nötigen Deutschkentnisse. Da Richter Schmid eine Notwehr seitens des Afghanen nicht gänzlich ausschloss, sprach er diesen frei. 

Der Verteidiger des zweiten Angeklagten forderte für diesen ebenfalls einen Freispruch, man wisse nicht, ob sein Mandant wirklich ausgeholt habe, oder nur drohen wollte. Doch Richter Schmid hilt an der versuchten schweren Körperverletzung fest und verurteilte den Gambier zu einer Woche Freizeitarrest.

Leah Stefan

Rubriklistenbild: © dpa

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