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Eingespieltes Team: Manfred Papst wird im Oberbräu von seiner Tochter Marcella unterstützt. Doch sie zieht es bald nach Nürnberg. „Der Liebe wegen“, verrät der Papa.

“Seit zwei Jahren bin ich am Kämpfen“

Top-Lage, viele Gäste - aber diese beliebte Wirtschaft sperrt trotzdem zu

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Ein Gasthof in Top-Lage, der viele Gäste anlockt. Und trotzdem sperrt der Wirt Anfang Juni zu. Das steckt dahinter.

Update, August 2018: Neue, gute Nachrichten vom Oberbräu und anderen Leerständen in Holzkirchen lesen Sie hier.

Ursprünglicher Artikel, 21. März 2018:

Holzkirchen – Seine freien Tage kann Manfred Papst an einer Hand abzählen. In seinem Fall ist das keine Redewendung. „Ich hatte fünf Tage frei in den letzten neun Jahren“, erzählt er, „von Urlaub gar nicht zu sprechen.“ Damals, 2009, hatte er den Oberbräu am Marktplatz übernommen. Im Herzen der Marktgemeinde fand er seine gastronomische Heimat. Jetzt stehen alle Zeichen auf Abschied.

„Ich mag nicht mehr. Seit zwei Jahren bin ich am Kämpfen“, erklärt Papst im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei sind es nicht die Geschäfte, die ihm Kopfzerbrechen bereiten. Die laufen nämlich gut, „super gut“ sogar, wie der Gastronom versichert. Allerdings habe er, wie viele in der Branche, mit personellen Problemen zu kämpfen. „Ich finde einfach keine Mitarbeiter für die Küche, welche unseren Ansprüchen gerecht werden“, sagt er.

Ein volles Restaurant, wenig Personal – für Papst bedeutet das: Es steht selbst viel in der Küche oder hinter der Bar. Und das nicht nur im Oberbräu. Fällt in seinem Bistro am Bahnhofsplatz jemand aus, erzählt Papst, „dann hänge ich da noch eine Schicht dran“. Oder er schickt jemanden aus der Oberbräu-Küche – der dann allerdings dort fehlt.

Die ermüdende Arbeitsbelastung steht dabei in direktem Gegensatz zu seiner Leidenschaft für die Gastronomie. „Das ist der schönste Beruf, den es gibt“, sagt er. „Es macht nach wie vor Spaß.“ Hinzukommen die „Top-Voraussetzungen“ in dem 1605 gegründeten Brauereigasthof. Folglich habe er sich die Entscheidung auch nicht leicht gemacht. „Ich werde den Oberbräu schweren Herzens aufgeben“, sagt Papst und bestätigt damit erstmals öffentlich jene Gerüchte, die sich seit geraumer Zeit hartnäckig halten.

Bereits vor Weihnachten wurde über einen Abschied des Gastronomen aus dem Oberbräu spekuliert. Nicht von ungefähr, wie sich heute zeigt. Im Herbst hatte der heute 58-Jährige einen „gesundheitlichen Schlag“ zu verkraften. Für ihn Anlass, sich mit seiner Zukunft im Oberbräu zu befassen. Nicht zum ersten Mal im Übrigen. „Schon vor drei Jahren habe ich überlegt aufzuhören“, sagt Papst. Bloß habe sich kein Nachfolger gefunden. Er machte also weiter. Heute sagt er: „Hätte ich die Entscheidung damals nur nicht rückgängig gemacht.“

Am 3. Juni, einem Sonntag, sperrt Papst nun aber definitiv zu. „Das ist mein letzter Tag“, verdeutlicht er. Mit dem Verpächter sei abgesprochen, dass er erneut die Nachfolger-Suche übernimmt. Nach seinem Abschied will er den Oberbräu in guten Händen wissen. Mit drei Bewerbern habe er Gespräche geführt. Überzeugt habe ihn keiner.

Gastronomisch bleibt Papst Holzkirchen erhalten. Sein Bistro am Bahnhof und seinen Catering-Service wolle er weiter betreiben. Jedoch nur unter einer Prämisse: „Ich bestehe darauf, einen Tag in der Woche frei zu haben“, sagt er. Ab Sommer sieht er sich dann allerdings mit einem ihm bislang ungewohnten Problem konfrontiert. „Ich muss erst mal lernen, was ich mit der Freizeit anfange“, scherzt Papst.

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