Sie tischte der Polizei eine abenteuerliche Geschichte auf

Bittere Pille: Apothekerin verurteilt - Sie hatte Geld aus der Kasse gestohlen

Um knapp 70 000 Euro hat eine 53-Jährige aus München eine Holzkirchner Apotheke erleichtert – als Filialleiterin derselben. Jetzt wurde sie dafür zu einer Haftstrafe verurteilt.

Holzkirchen – Die Scham darüber, was sie getan hatte, stand der Angeklagten am Amtsgericht Miesbach regelrecht ins Gesicht geschrieben. Während des Prozesses verging keine Minute, in der die 53-jährige Apothekerin keine Tränen in den Augen gehabt hätte.

Vorgeworfen wurde ihr das Vortäuschen einer Straftat, was man in ihrem Fall auch als „gewerbsmäßige Untreue“ bezeichnen könne, erklärte der Staatsanwalt. 19 Fälle binnen eines Monats, von August bis September 2016, legte ihr die Staatsanwaltschaft zur Last. Als Filialleiterin einer Apotheke in Holzkirchen hatte die 53-Jährige die Aufgabe, die Tageseinnahmen einzusammeln. Sie steckte das Geld selbst ein. Der Buchhalterin fiel schließlich auf, dass etwas nicht stimmte: Der Soll-Haben-Vergleich wies ein Minus von 68 245 Euro auf. Den Schaden hat die Apothekerin innerhalb von drei Monaten wiedergutgemacht, zahlte der Apotheke den kompletten Fehlbetrag zurück.

Die 53-Jährige gab vor Gericht zu, die Einnahmen in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Doch nicht, um sich selbst zu bereichern, wie ihr Pflichtverteidiger Marc Wederhake erklärte: „Sie lernte einen Mann kennen, der immer wieder Geld von ihr haben wollte, ohne sie aber zu erpressen oder ihr zu drohen.“

Mit diesem Hintergrund rückte sie allerdings zunächst nicht raus. Einem 53-jährigen Beamten der Polizei Miesbach tischte die Münchnerin stattdessen zunächst „eine abenteuerliche Geschichte“ auf, erklärte der Polizist als Zeuge: Die Beschuldigte erzählte von zwei dunkelhäutigen Männern, die sie in ein Keller-Verlies gebracht, ihr die Kleidung vom Leib gerissen und sie vergewaltigt hätten. Obendrein hätten sie ihr 5000 Euro gestohlen. Danach hätten die Männer sie erpresst und sie je zwei Mal nach London und Manchester beordert. Im Gepäck, so sagte sie bei der Polizei aus, habe sie zwei Mal 15 000 Euro und zwei Mal 10 000 Euro gehabt. Zudem sei sie in London erneut vergewaltigt worden. „Sie hat sich in Widersprüche verstrickt, bis sie nach fünf Stunden zugegeben hat, dass alles frei erfunden war.“

Mit ihrem Geständnis milderte die dreifache Mutter ihre Strafe zwar, doch „der Gesamtbetrag in Höhe von fast 70 000 Euro und die Intension, eigene Taten verdecken zu wollen, können nicht vergessen gemacht werden“, erklärte der Staatsanwalt. Ein Jahr und elf Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung, plus eine Geldauflage von 3500 Euro forderte er. „Eine Bewährungsstrafe“, belehrte der Staatsanwalt die Angeklagte, „ist aber kein Freispruch zweiter Klasse.“ Verteidiger Wederhake plädierte dafür, der 53-Jährigen keine Geldauflage zu erteilen, und er hielt ein Jahr und neun Monate für ausreichend.

Amtsrichter Walter Leitner entschied sich für die Mitte: ein Jahr und zehn Monate, ausgesetzt zur Bewährung. Zusätzlich muss die Angeklagte eine Zahlung von 3 500 Euro an den Verein für Jugend- und Familienhilfe Miesbach leisten. „Gut für Sie ist, dass Sie das Geld nicht selbst verwendet haben“, sagte Leitner bei seinem Urteilsspruch. „Das Vertrauen Ihrer Arbeitgeberin aber haben Sie missbraucht.“

Die 49-jährige Geschäftsführerin der Apotheke war ebenfalls als Zeugin bei der Verhandlung. „Wir haben uns super verstanden“, sagte sie. Am Ende ihrer Vernehmung nahm sie die Angeklagte in den Arm und flüsterte ihr zu, dass sie ihr „Leben wieder auf die Reihe kriegen“ solle, woraufhin die Münchnerin abermals in Tränen ausbrach.

Philipp Hamm

Rubriklistenbild: © Andreas Leder

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