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Zugfahrer aus Leidenschaft: Werner Schmid (l.) und Hartmut Romanski. 

Schwere Kritik an Ersatz für Integrale der BOB

„Kein Eisbrecher“: Bahnfans enttäuscht nach Testfahrt mit dem neuen Lint

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Mit den Lint-Zügen wird alles besser? Von wegen. Dieser Meinung jedenfalls sind zwei leidenschaftliche Bahnfahrer, die kürzlich eine private Testfahrt unternommen haben.

Landkreis – Werner Schmid trägt die Pünktlichkeit am Handgelenk. Seine Armbanduhr im Stil einer Bahnhofsuhr verrät seinen Gesprächspartnern, dass sie hier einen leidenschaftlichen Bahnfahrer vor sich haben. Aber auch einen, der regelmäßige Verspätungen nicht einfach so hinnehmen will. Als er der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) mal wieder eine Beschwerde vorbrachte, reagierte diese mit eher unüblichen Form der Entschädigung. Das Unternehmen schenkte Schmid ein Ticket für eine Fahrt von München nach Füssen – mit einem der Lint-Züge, die ab Juni 2020 auch durchs Oberland rollen sollen (wir berichteten).

Schmid nahm das Angebot gerne an. Zusammen mit Hartmut Romanski (der ADFC-Kreisvorsitzende sitzt als Radfahrer auch oft in der BOB) und zwei weiteren Begleitern nutzte er den Ausflug nicht nur als Vergnügungs-, sondern auch als erste Testfahrt mit den Triebwagen, die den Bahnverkehr im Oberland in die Zukunft führen sollen.

„Kein Eisbrecher“: Bahnfans enttäuscht nach Testfahrt mit dem neuen Lint

Das jedenfalls hat der Freistaat den von Ausfällen und Verspätungen wegen den altersschwachen Integralen der BOB geplagten Fahrgästen in Aussicht gestellt (wir berichteten). Zwar seien die Lint-Züge noch mit Diesel unterwegs, würden aber wegen ihrer Leichtbauweise viel weniger Schadstoffe ausstoßen. Wartungsarm und zuverlässig seien sie obendrein.

Schmid und Romanski geben zu, dass sie diesen Vorschusslorbeeren von Anfang an nicht recht glauben mochten. Nach ihrer Testfahrt sind sie überzeugt, dass ihre Skepsis nicht unberechtigt war. Eine ganze Reihe von Mängeln haben die beiden Bahnfahrer im Lint notiert. Ihr Fazit: „Es sind erhebliche Anstrengungen zur Optimierung der Fahrzeuge notwendig.“

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Vor allem die Schwächen des Leichtbauzugs der Firma Alstom wollen Schmid und Romanski auf ihrer Mitfahrt entlarvt haben. Auf schlechten und kurvenreichen Strecken habe der Lint spürbar geschwankt, und die Stöße beim Gleiswechsel habe man deutlich vernommen. Die geringeren Achsdrucke würden die Gefahr bergen, dass es im Winter sogar zu mehr Problemen komme als aktuell. „Der Integral ist ein Eisbrecher, der Lint eher nicht“, ist Romanski überzeugt. Obendrein habe Alstom den Fahrzeugtyp originär nicht für den Kopplungsbetrieb gebaut. Bei bis zu 164 Kuppelvorgängen pro Tag im Oberland könnten daher Probleme auftreten.

Auch im Zuginneren haben Schmid und Romanski Nachbesserungsbedarf ausgemacht: zu kleine Gepäckablagen, eine nach wie vor nicht ausreichende Kapazität zur Fahrradmitnahme an viel frequentierten Wochenenden sowie Defizite in der Fahrgastinformation, vor allem für Sehbehinderte und Schwerhörige. Die Vorrangregelung in den Bereichen für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen oder Fahrräder habe sich in einer neueren Version des Lint zwar verbessert, berichtet Schmid von einer weiteren Testfahrt zwischen Ulm und Aalen. „Das muss das Personal aber auch klarer durchsetzen.“

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Eine klare Linie und mehr Zug wünschen sich die beiden Herren auch für die Infrastruktur. Neue und zusätzliche Fahrzeuge allein würden nicht ausreichen, um das Angebot zu verbessern. Für den Halbstundentakt seien Kreuzungspunkte in Darching, Fischbachau, Warngau und Gaißach nötig, ferner müssten Signale, Stellwerke und Bahnübergänge modernisiert sowie die Bahnsteige verlängert werden. Für all das müsste schnellstens der Bedarf ermittelt und Mittel beim Bund beantragt werden. „Sonst besteht die Gefahr, dass das Oberland leer ausgeht“, fürchtet Schmid.

Die Sorge, dass die Region durch die für mindestens zehn bis zwölf Jahre vorgesehene „Übergangslösung“ mit den Lint-Zügen auch von neuen Antriebslösungen abgehängt wird, äußern Schmid und Romanski ebenfalls. Die nun bestellten Triebwagen würden gerade eben die aktuellen Standards erfüllen. Doch schon bald könnten sie von Wasserstoff- oder Akku-Loks überholt werden. All das müsse man auch im Oberland erproben, anstatt nur eingleisig in Richtung Elektrifizierung mit Oberleitungen zu fahren.

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Die Forderung der beiden Männer ist klar: „Die Verträge müssen nachgebessert werden, um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden“, sagt Romanski. Das haben die beiden in Gesprächen sowohl der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) als Auftraggeber, als auch der BOB als Dienstleister so mitgeteilt. Aus der Antwort der BEG, man sei zur Kosteneffizienz angehalten, schließen Schmid und Romanski einen Appell an die Politik: „Dann muss der Freistaat eben mehr Mittel freimachen, um dem Werbespruch Bahnland Bayern auch wirklich gerecht zu werden.“

Weil die beiden leidenschaftlichen Bahnfahrer nicht nur kritisieren, sondern auch kurzfristig umsetzbare Vorschläge liefern wollen, machen sie sich dafür stark, die Erfahrungen und Meinungen der Fahrgäste in die Entscheidungen einzubeziehen. Noch mehr Menschen sollten in den Genuss einer Testfahrt mit den neuen Zügen kommen, bevor diese endgültig aufs Gleis gesetzt werden. Stattfinden müsse diese Erprobung unbedingt im Oberland und nicht nur im Lint-Werk in Salzgitter. „Da“, sagt Romanski, „schaut die Topografie nämlich deutlich weniger anspruchsvoll aus als bei uns.“

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