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Selfie beim Interview: Lena Reinholdt und Bernd Rosenbusch in der BOB-Zentrale.

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BOB-Chef Bernd Rosenbusch im Interview: Ihre Fragen, seine Antworten

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Unsere Leser fragen - BOB-Chef Bernd Rosenbusch antwortet. Lesen Sie im Interview von einer Speedbob, Fahrten zwischen Saunagang und Kältetod und wie die  „BOB der Zukunft“ aussieht.

Holzkirchen - Am Mittwochnachmittag trafen wir Bernd Rosenbusch, den Geschäftsführer der BOB, zum Interview. Unsere Leser hatten uns zuvor ihre Fragen zugeschickt und wir in der Redaktion haben uns auch überlegt, was wir gerne von ihm wissen würden. Entstanden ist der Termin durch unsere Reihe „Selbsttest: Wie unpünktlich ist die BOB wirklich“, bei der unsere Autorin eine Woche lange pendelte und darüber schrieb.

Herr Rosenbusch, wir haben eine Reihe von Pendler-Fragen für Sie mitgebracht. Den Anfang macht Holger W. Er fragt: Wann wird es möglich sein in Zeiten der Digitalisierung das Jahresabo nicht mehr in Form einer monatlich wechselnden Papierkarte zu erhalten? Das ist nicht kundenfreundlich und produziert unnötig Müll - Möglich wäre beispielsweise eine wieder benutzbare Plastikkarte, die sich validieren lässt.

Rosenbusch: Da hat Herr W. recht, das ist nicht zeitgemäß. Das Problem ist folgendes: Im Moment kann man das Jahresabo monatlich bezahlen. Wenn der Kunde am Anfang des Abos eine Plastikkarte zugeschickt bekommt, ist es ein Leichtes, irgendwann aufzuhören zu bezahlen und trotzdem weiter BOB zu fahren. Ein passendes System fehlt hier noch, es wird jedoch an einem elektronischen Ticket gearbeitet. Das muss aber auch von MVV und RVO anerkannt werden. Die Gespräche hierzu laufen. Die Idee mit der Validierung einer Karte ist bis jetzt noch nicht aufgetaucht. (Anm. d. R.: Bernd Rosenbusch hat sich die Idee notiert.)

Wolfgang M. fragt: Warum gibt es keine „Speed-BOB“, die zu ausgewählten Pendlerzeiten fährt? Diese soll nur an den wichtigsten Haltestellen halten, auf der Lenggrieser-Strecke beispielsweise: Lenggries - Tölz - Schaftlach - Holzkirchen - Harras - Donnersbergerbrücke - München Hbf.

Rosenbusch: Das ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Wegen der ein- bis zweigleisigen Strecke ist das jedoch nicht möglich. Das System ist bereits vollständig ausgereizt, es kann keine Fahrt mehr dazwischen geschoben werden, da das Gleis belegt ist. Würde es eine Speed-BOB geben, würde an den kleineren Haltestellen also nur alle zwei Stunden ein Zug halten und das ist für die dort lebenden Menschen nicht zumutbar.

Eine Leserin, die ihren Namen nicht genannt hat, will wissen: Wann wird es ein Oberland-Ticket geben, das BOB und RVO in den Landkreis Miesbach und Tölz beinhaltet?

Rosenbusch: Es gibt ja das Bayernticket, das RVO auch beinhaltet, nur eben zusätzlich MVV, das kostet 25 Euro. Das Guten-Tag-Ticket, mit dem man nur BOB fahren kann, kostet 21 Euro. Der Preisabstand dazwischen ist so marginal, dass es sich nicht lohnt ein Extra-Ticket nur für BOB und RVO zu machen, das dann vielleicht 23 Euro kosten würde. Und das würde die Menschen dann auch vielleicht eher verwirren.

Eine zweite Frage: Warum wird das 50/50-Ticket in ihrem Meridian angeboten, aber nicht in der BOB? Es gibt beispielsweise kein günstiges Ticket nach Aibling oder Rosenheim.

Rosenbusch: Kurz gesagt, weil die Entfernung bei der BOB kürzer ist als 50 Kilometer. Es lohnt sich einfach nicht. (Anm. d. Red.: Der BOB-Chef prüft das, er hatte sich bis dahin noch keine Gedanken darüber gemacht. Den Vorschlag notiert er sich.)

Clemens S. fragt (während er frierend im Zug sitzt): Wie kann es sein, dass die BOB im Herbst/Winter völlig unbeheizt ist und im Sommer die Klimaanlagen nicht funktionieren? Die Standardantwort, dass es ein Temperaturregelsystem gebe, das die Temperatur konstant auf 22 Grad hält, ist nicht zufriedenstellend - zwischen Kältetod und Saunagang.

Rosenbusch: Dann gibt es leider auch keine zufriedenstellende Antwort - denn die Temperaturregler gibt es tatsächlich. Das Problem ist, dass Temperatur ein sehr subjektiver Messwert ist und jeder das anders empfindet. Man kann es nie allen recht machen: Während dem einen zu heiß ist, friert der andere. Bei einer überfüllten BOB ist die Klimaanlage überfordert. Da kommt sie nicht mehr hinterher, da kann man leider nichts machen. Eine neuere Vorgabe gibt es aber: Im Winter kühlt der Zug bei geöffneten Türen tatsächlich sehr schnell aus, deswegen hat das Personal die Anweisung, die Türen bei niedrigen Temperaturen schnell wieder zu schließen.

Die Sicht aus dem Büro des BOB-Chefs: Alles im Blick.

Unser Kollege Klaus-Maria Mehr will wissen: Da uns diese Massenanstürme am Wochenende immer wieder ereilen, würde mich interessieren: Wie viel ist denn überhaupt technisch möglich? Passen Ihre insgesamt 26 Triebwagen überhaupt alle aufs Gleis?

Rosenbusch: Von den 26 Zügen sind an einem Ausflugswochenende 23 auf den Gleisen. Die anderen befinden sich in Reparatur oder werden gewartet - und mehr als 23 Züge passen sowieso nicht auf die Gleise. Die Kapazitätsgrenze ist da einfach erreicht.

Wie sieht das eigentlich generell aus an so einem Wochenende? Wie läuft das ab?

Rosenbusch: Drei Tage vor dem Wochenende schaut ein Kollege in den Wetterbericht. Und wenn es schön werden soll werden „Radleinweiser“ bestellt, die die ganzen Ausflügler mit Fahrrädern beim Einsteigen koordinieren. Die stehen morgens/vormittags in München und nachmittags im Oberland.

Dann werden mehr Mitarbeiter bestellt, die die Fahrgastinformation verstärken.

Und alle Züge, die normalerweise dreiteilig fahren, fahren dann vierteilig - mehr geht nicht. Die Massen an Menschen, die an so einem Wochenende mit dem Zug fahren sind Stand jetzt mit den verfügbaren Mitteln nicht zu meistern. An dem letzten richtig schönen Wochenende war die BOB mit einer Besetzung von 200 Prozent unterwegs - das heißt es waren doppelt so viele Leute drinnen, wie eigentlich reinpassen.

Wo geht eigentlich das ganze Geld hin? Die Tickets sind teuer, es fahren viele Menschen mit. Da müsste doch irgendwann genug zusammenkommen, um sich neue Züge leisten zu können, die eventuell nicht so anfällig für technische Defekte sind.

Rosenbusch: Es gibt 240 Modernisierungsmaßnahmen, in die das Geld fließt. Eine davon ist zum Beispiel die BOB-App - generell hat sich in den letzten eineinhalb Jahren viel getan, der Fahrgast merkt davon aber manchmal leider nur wenig. Man sieht ja auch immer nur die „Out of pocket“-Kosten. Bei einem Auto rechnet keiner genau aus, wie viel das eigentlich im Monat kostet, wenn man richtig rechnet: Mit Verschleiß, Sprit, Parkgebühren. Im Endeffekt ist das Auto immer teurer als die Eisenbahn.

Bei der BOB ist das so: Das Netz gehört der Deutschen Bahn, für die Durchfahrt ist also eine Maut fällig. Pro Fahrt sind das 120 Euro, allein dafür. Das Auto muss keine Maut zahlen, der Zug schon. Für jeden Halt muss eine Gebühr gezahlt werden, da die Bahnhöfe sauber gehalten und gepflegt werden.

Die „Netzgebühren“ machen die Hälfte der Kosten aus. Dann kommt der Sprit dazu, da muss der selbe Dieselpreis gezahlt werden, den auch alle anderen zahlen. Beim Meridian ist es eben Strom, an die EEG. Und die Instandhaltung der Fahrzeuge ist unglaublich teuer: Weil die BOB schon alt ist, gibt es kaum Ersatzteile, die müssen extra von Hand gefertigt werden. Das Problem ist, dass Mobilität in Deutschland für viele einfach nichts kosten darf.

Und auch für jede Verspätung zahlt die BOB Strafe ab den Freistaat Bayern: eine sogenannte „Pönale“.

Also wird es nie eine neue BOB geben?

Rosenbusch: Doch. Die Gespräche dazu laufen gerade. 2026 läuft aber der Vertrag aus - und dann wird die Strecke vom Freistaat neu ausgeschrieben. Die Verträge sind sehr langfristig - sie gehen über zehn bis 13 Jahre. Bevor klar ist, wer die Strecke ab 2026 befahren wird, oder ob derjenige dann die Züge mit übernimmt, lohnt es sich nicht, so etwas zu machen. Es laufen auch Diskussionen über eine Elektrifizierung der BOB - das wäre die „BOB der Zukunft“. Mehr wie eine S-Bahn.

Trotzdem ist das Ticket teuer. Und für ein so teures Ticket darf man doch eigentlich ein bisschen mehr Pünktlichkeit erwarten?

Rosenbusch: Die Pünktlichkeit der BOB beträgt 93 Prozent. Das ist ja schon ganz gut. Und nur bei der Eisenbahn wird diese Überpünktlichkeit erwartet: Beim Autofahren scheint es völlig normal zu sein, wenn man mal später kommt, weil es Stau gibt. Und im Endeffekt sind die Fahrpläne ein Richtwert.

Warum wird denn dann nicht automatisch mehr Spiel eingerechnet? Dann würden die Kunden die Erwartungshaltung anpassen und vielleicht mehr Zeit einplanen und die BOB wäre fein raus.

Rosenbusch: Das geht nicht. Damit hängt alles zusammen. Es gibt ja keine Fahrpläne extra für Kunden, sondern nur offizielle. Und wenn die BOB mehr Zeit einplant, kann das dazu führen, dass zum Beispiel eine S-Bahn irgendwo in Bochum nicht mehr fahren kann, weil in den offiziellen Rechnungen dann kein Platz mehr auf den Gleisen ist. Nur weil für einen Zug vier Minuten mehr eingeplant wurden. Die Gleise sind ja ständig befahren und das ist genau getaktet. Deswegen wirkt es sich auch auf alle Nachfolgezüge aus, wenn ein Zug Verspätung hat. Wenn einmal der Wurm drin ist...

Wie funktioniert das mit der Kommunikation? Warum gibt es da manchmal Verzögerungen?

Rosenbusch: Das liegt an der Datenschnittstelle. Die Information an den Bahnhöfen wird von der Deutschen Bahn betrieben. Die machen einen guten Job - aber manchmal haben die halt vielleicht gerade mal was anderes zu tun als die Info anzupassen. Dafür gibt es ja jetzt die BOB-App: Da steht sehr schnell die aktuelle Information drinnen.

Zum Schluss noch: Warum wird die Anzeige ab fünf Minuten rot, davor ist sie grün?

Rosenbusch: Das ist eine allgemeine Definition. Ab 5.59 Minuten ist es eine Verspätung, davor nicht. Auch die Pönale muss erst ab dieser Grenze bezahlt werden.

Herr Rosenbusch, Danke für das Gespräch.

lr

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