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Eingeschneit und vereist: Bevor dieser Integral in Bayrischzell wieder Fahrgäste befördern kann, muss er in die Abtauanlage nach Lenggries. 

Bayerische Oberlandbahn

Zugbetrieb taut wieder auf - aber eher langsam

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Das große Ausgraben hat begonnen. Seit dem Ende des Schneefalls arbeitet die DB Netz AG daran, die Gleise im Oberland wieder freizulegen. Darauf wartet auch die Bayerische Oberlandbahn (BOB). Denn erst dann kann sie ihre Züge zum Enteisen schicken – und damit den Betrieb wieder aufnehmen.

Landkreis– Nicht nur die Fahrgäste sitzen auf heißen Kohlen. Auch das Personal der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) steht „Gewehr bei Fuß“, sagt Sprecher Christopher Raabe auf Nachfrage unserer Zeitung. Seit Sonntag warte man auf die Freigabe der Bahngleise im Oberland. Gestern Nachmittag gab die für die Infrastruktur zuständige DB Netz AG dann endlich grünes Licht. Im Laufe des Mittwochs sollen die ersten Schienen wieder befahrbar sein. Damit wäre das Eis endlich gebrochen.

Mit schwerem Gerät rückte die DB in den vergangenen Tagen an, um die Strecken von den schweren und gefrorenen Massen zu befreien. Gewissermaßen nach dem Vorbild der Tegernsee Bahn rollte eine von einer Lok angetriebene Schneefräse über die Schienen. Vier Rotoren zerhäckselten den Schnee und schleuderten ihn als weißen Staub meterhoch durch die Luft. Selbst vor dem durch kleinere Lawinenabgänge regelrecht zugeschütteten Abschnitt zwischen Schliersee und Bayrischzell kapitulierte die fast schon urzeitlich anmutende Maschine nicht.

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Ob sich die Integrale der BOB als ähnlich robust erweisen, muss sich zeigen. Einfach so wieder Gas geben können sie mit Sicherheit nicht, erklärt Raabe. „Die Fahrzeuge wurden zwölf Tage lang nicht bewegt.“ Schlimmer noch: Sie stehen völlig eingeschneit in den Bahnhöfen. Heißt: Ohne Enteisung und technische Überprüfung geht nichts. Dafür müssen die Züge laut Raabe erst in die 2017 in Lenggries eingeweihte Abtauanlage gebracht werden. Entweder im Schlepptau oder im Schritttempo aus eigener Motorkraft. „Das dauert aber“, sagt der Sprecher.

Dennoch werde sich die BOB bemühen, die hochfrequentierten Strecken von Holzkirchen nach Miesbach und Schaftlach sowie weiter nach Tegernsee und Lenggries so schnell wie möglich wieder bedienen zu können – wenn auch anfangs wahrscheinlich nur im Stundentakt. „Wir wollen die beste Lösung für uns, aber natürlich auch für unsere Kunden“, so Raabe.

Dass bei letzteren das Nervenkostüm mittlerweile stark angefressen ist, kann der BOB-Sprecher nachvollziehen. Er weist aber darauf hin, dass die Kunden selbstverständlich ihre Ansprüche auf Erstattung von Fahrpreisen geltend machen können. So biete die BOB zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Entschädigungen über die Fahrgastrechte eine weiterreichende Kundengarantie an. Diese greife bereits ab einer Verspätung von 15 Minuten, während dies bei den Fahrgastrechten erst ab 60 Minuten der Fall sei. Voraussetzung sei aber, dass die BOB für die Probleme verantwortlich ist.

Mit kleineren und größeren Schneefräsen versucht die Deutsche Bahn, die Gleise und Bahnsteige im Bahnhof Schliersee von den Schneemassen zu befreien, damit die BOB den Betrieb nach längerem Stillstand am morgigen Mittwoch wieder aufnehmen kann.

Wie sich der Sachverhalt während des Schneechaos im Einzelnen dargestellt hat, will die BOB laut Raabe bei jedem eingereichten Antrag einzeln prüfen. Die Formulare können die Kunden auf der Internetseite www.meridian-bob-brb.de herunterladen, ausdrucken und ausgefüllt mit einer Kopie des jeweiligen Fahrscheins an das Servicecenter schicken. Zeitkarteninhaber können auf einem Antrag bis zu neun Fahrten eintragen. Nimmt man den tagelangen Stillstand, dürften viele Berufspendler einiges an Schreibarbeit vor sich haben.

Vielleicht ja eine Beschäftigung für die nächsten Zugfahrten mit der BOB.

Die Tegernseebahn hat ihren Teil erledigt und die Strecke Schaftlach-Tegernsee sowie die Bahnsteige vom Schnee befreit. „Die Infrastruktur der Tegernsee Bahn steht seit gestern Nachmittag für den Zugverkehr zumindest bis Bahnhof Schaftlach wieder zur Verfügung“, meldete Geschäftsführer Heino Seeger am Dienstagmorgen. 

Der Schneepflug bei der Arbeit
Komplett eingeschneit

Hier noch die jüngste Verlautbarung der BOB zu diesem Thema:  

Die geplante Wiederinbetriebnahme unserer Strecken Holzkirchen–Schliersee/Tegernsee/Lenggries am Mittwoch bestenfalls eine Bedienung im Stundenrhythmus bzw. zwischen Tegernsee–Schaftlach und Schliersee–Holzkirchen ein Pendelzugverkehr.

Es entfallen damit auch die Schülerzüge, die nicht im Hauptakt fahren können:

- 86808 7:05 ab Bayrischzell Richtung München
- 86903/86953 6:29 ab München Richtung Tegernsee/Lenggries
- 86819 12:29 ab München nach Bayrischzell
- 86919 12:29 ab München nach Lenggries
- 86922 13:17 ab Lenggries nach München
- 86972 13:22 ab Tegernsee nach München
- 86969 13:18 ab Schaftlach nach Tegernsee

Die Schüler müssten somit versuchen, einen Zug früher oder später zu fahren. Nach Rücksprache mit den Busunternehmen ist ein Ersatz durch Busse nicht möglich

Aufgrund der zu erwartenden Kapazitäts-Einschränkungen für den 16.01. bittet die BOB Eltern darum, nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften zu bilden.

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