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Ein Riese im Gewerbegebiet Nord: Bosch Engineering zog jetzt die vor fünf Jahren mit der Gemeinde vereinbarte Option und kaufte weitere 4,4 Hektar, um sein Entwicklungszentrum deutlich auszubauen.

Gewerbegebiet Föching

Bosch setzt an zum großen Wurf

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Der Technik-Riese Bosch baut seinen noch jungen Standort Holzkirchen weiter aus – und wie: Im Gewerbegebiet Föching kaufte Bosch Engineering weitere 4,4 Hektar.

Holzkirchen – Entscheidungen müssen reifen. Die Verantwortlichen bei Bosch Engineering prüften lange, ehe sie sich 2013 für Holzkirchen entschieden. Eine strategische Entscheidung: Die Tüftler-Tochter des Großkonzerns, mit Hauptsitz im Robert-Bosch-Entwicklungszentrum in Abstatt nahe Heilbronn, kaufte sich im Gewerbegebiet Nord ein. Nicht zuletzt, um das Ingenieurs-Potenzial des Großraums München anzuzapfen. Auf 20 000 Quadratmetern entstanden große Gebäude mit Büros und Werkstätten.

Die Bosch-Manager ließen sich jedoch eine Hintertür offen, ehe sie zum ganz großen Wurf ansetzten. Für 44 000 weitere Quadratmeter, unmittelbar westlich der Altfläche, reservierten sie sich vor fünf Jahren eine Kaufoption. Ende Juli 2018 läuft die Bindungsfrist aus, vor wenigen Tagen machte Bosch Nägel mit Köpfen. Offenbar hatten sich letzte Zweifel verflüchtigt, dass der Standort Holzkirchen nicht funktionieren könnte. Für knapp zehn Millionen Euro sicherte sich das Unternehmen diese 4,4 Hektar. Ein warmer Regen für die Marktgemeinde, die das Gewerbegebiet bekanntlich selbst vermarktet. Der erste Verkauf vor fünf Jahren hatte 4,4 Millionen Euro erlöst.

„Ein freudiges Ereignis“, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) – und er meint nicht nur den Zahlungseingang. „Bosch Engineering hat was vor mit Holzkirchen“, da ist sich Löwis sicher. Mit einigen Hundert neuen Arbeitsplätzen sei zu rechnen. Bosch breitet sich damit auf insgesamt 6,4 Hektar aus, das entspricht über der Hälfte des Gewerbegebiets Nord. Der Bosch-Deal war laut Löwis der größte Flächenverkauf, den die Gemeinde je tätigte.

Was konkret hat Bosch Engineering vor in Holzkirchen? Laut Pressesprecherin Cornelia Dürr sind derzeit bereits 120 Mitarbeiter beschäftigt. Konkrete Baupläne gebe es nicht, aber die Absicht, im Herbst loslegen zu wollen.

Die Neubauten sollen auch Platz schaffen für eine Neuerwerbung: 2017 kaufte Bosch Engineering das Unternehmen ITK-Engineering (1100 Beschäftigte) mit Sitz im pfälzischen Rülzheim. Offenbar ist geplant, einen Schwerpunkt dieser Neuerwerbung nach Holzkirchen zu verlegen. Die ITK ist ein international tätiger Entwicklungsdienstleister mit Kunden aus den Branchen Automotive, Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik. Der Zuschnitt passt zu den Bosch-Kollegen in Holzkirchen, die ihrerseits Experten sind für das Thema Antrieb und antriebsnahe Systeme. Die Ingenieure entwickeln aus theoretischen Ideen erste Konzeptstudien, bauen Prototypen und Kleinserien.

All die versierten Tüftler müssen freilich irgendwo wohnen und möglichst umstandsfrei an ihren Arbeitsplatz kommen. „Als Gemeinde sind wir gefordert, bei der Schaffung von Wohnraum nachzuziehen“, sagt Löwis. Was die verkehrliche Anbindung anbelangt, ruht die Hoffnung auf einem eigenen Bahnhalt in Föching. „Wir setzen auf die Hilfe der neuen Verkehrsministerin Ilse Aigner“, sagt der Rathauschef.

Neuer Radweg: Hier am Kreisverkehr in der Alten Au weist bereits ein Ast in die Richtung, die ein asphaltierter Rad- und Fußweg nehmen soll. Entlang der Gleise wäre das eine Direktverbindung zwischen Nordspange und dem Gewerbegebiet Föching (MB 14).

Um die Verbindung zum Holzkirchner Bahnhof zu verbessern, plant die Gemeinde einen asphaltierten Geh- und Radweg vom alten Industriegebiet (Gewerbegebiet Ost) über den Kreisverkehr in der Alten Au (Schrebergärten) entlang des Bahndamms zum Gewerbegebiet Föching; der bisher in einen Feldweg mündende Ast des Kreisels weist die Richtung. „Das wäre eine elegante Verbindung zwischen den beiden Gewerbegebieten“, findet Löwis. Rund 500 000 Euro sind im aktuellen Haushalt dafür reserviert. Der Bürgermeister kann sich auf der Trasse auch eine neue Autostraße vorstellen; dieses Vorhaben findet im Gemeinderat derzeit aber keine Mehrheit.

Bosch ist nicht der einzige Groß-Konzern, der in Holzkirchen wächst. Auch Hexal baut seinen Standort zum Campus aus.

Weitere Nachrichten aus Holzkirchen und Umgebung finden Sie hier.

avh

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