Zuversichtlich trotz Einbußen: Fabian Amini, Geschäftsführer der BRB, ist mit dem Start ins neue Jahr zufrieden. Ausbleibende Fahrgäste will er mit hohen Qualitätsstandards zurückgewinnen.
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Wann Züge wieder voller werden, sei schwer absehbar, so Fabian Amini. 

Geschäftsführer Fabian Amini: Lage ist ernst

BRB in Coronakrise: „Ohne Rettungsschirm kann Branche nicht überleben“

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Laut Geschäftsführer Fabian Amini ist finanzielle Lage der BRB in der Coronakrise ernst. Der staatliche Rettungsschirm sei unverzichtbar.

Holzkirchen – Die Bayerische Regiobahn (BRB) steckt angesichts der Coronakrise in einer wirtschaftlich ernsten Lage. Und setzt weiterhin auf staatliche Hilfen. „Wir sind dankbar, dass es einen Rettungsschirm für 2020 gab, und auch für 2021 wird es eines Rettungsschirms bedürfen, um die öffentlichen Verkehre aufrechterhalten zu können“, sagt Geschäftsführer Fabian Amini. Zwar hätten sich die Fahrgastzahlen – zwischendrin lag der Rückgang sogar bei über 80 Prozent – derzeit etwas erholt. Dennoch lägen diese immer noch über 50 Prozent unter dem Niveau vor der Krise. Man fahre also mit halb leeren Zügen. Und so werde die Branche „auch dieses Jahr auf einen Rettungsschirm angewiesen sein, um überhaupt überleben zu können.“

Konkrete Zahlen nennt Amini diesbezüglich nicht. Berechnungen, zu erbringende Nachweise und Abrechnung der Schäden über den Rettungsschirm seien sehr aufwendig. „Dieses Verfahren wird allein für die Schäden aus 2020 sicher noch bis in das vierte Quartal diesen Jahres andauern“, sagt Amini. Und: „Wie der Rettungsschirm für 2021 aussieht, wissen wir noch nicht.“

Anders als in den anderen Bundesländern mit Netto-Verträgen – also Verträgen, bei denen die Verkehrsunternehmen das Fahrgeldrisiko tragen – würden im Freistaat Bayern für 2020 jedoch nominal nur 90 Prozent der Schäden ausgeglichen. Bemessen an den Fahrgelderlösen 2019. „Das hört sich viel an, real kommen wir dabei aber nur auf einen Schadensausgleich von 80 bis 85 Prozent, obwohl gleichzeitig die Kosten gestiegen sind“, erklärt Amini. „Unsere wachstums- und ursprünglich fahrgaststarken Verkehre trifft der Selbstbehalt besonders stark.“ Natürlich hoffe die BRB zumindest für 2021 auf 100 Prozent oder entsprechende Härtefallregelungen. „Denn anders als andere Branchen können wir keinen einzigen Euro einsparen, weil wir die öffentlichen Verkehre im Auftrag der Länder und aus Überzeugung für einen sicheren ÖPNV mit größtmöglichen Abständen aufrechterhalten.“ Der volle Fahrplan werde trotz Krise nach wie vor erfüllt. „Im Netz Oberland haben wir seit Dezember 2020 mit den neu angeschafften Fahrzeugen sogar eine deutliche Taktverdichtung, vor allem im Berufs- und Ausflugsverkehr.“

Doch damit nicht genug: Im Jahr 2020 investierte die BRB laut Amini rund 100 Millionen Euro in die neuen Lint-Fahrzeuge im Oberland. „Und wir haben mit deutlich mehr Einnahmen gerechnet.“ Trotz allem mussten bisher keine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. Und es habe sich auch noch kein Angestellter nachweislich am Arbeitsplatz mit Corona angesteckt.

Die Fahrgastzahlen seien weiterhin unberechenbar. „Wir können nicht vorhersehen, ob die Zahlen weiter nach oben gehen werden und vor allem auch nicht, wie schnell.“ Eine aktuelle Umfrage der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) lasse die BRB aber hoffen. Demnach wolle die Mehrheit derjenigen, die derzeit den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) weniger nutzen, später, wenn keine Gefahr mehr vom Corona-Virus ausgeht, wieder vermehrt auf den SPNV umsteigen. Fahrgastrückgewinnung sei nach der Pandemie das große Thema. Versehen mit vielen Fragezeichen: „Wer weiß zum Beispiel, wie stark nach der Pandemie weiterhin Homeoffice in den Unternehmen genutzt wird und wie viele Dienstreisen künftig entfallen werden?“, fragt Amini. Prognosen seien schwer. „Aber als inzwischen sicher gilt, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis wir wieder auf dem Vorkrisenniveau sein werden.“ Das sei für die Verkehrsunternehmen wirtschaftlich eine enorme Herausforderung, die noch gelöst werden müsse.

Aber aus gesellschaftlicher Sicht sei es auch eine große Chance: „Denn unsere Branche und die Politik haben so etwas Zeit gewonnen, um jetzt die Weichen im öffentlichen Personenverkehr richtig zu stellen und die dringend notwendige Verkehrs- und Klimawende einzuleiten.“

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