Runder Tisch zum Lint der BRB in Holzkirchen.
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Ein Runder Tisch im wahrsten Sinne des Wortes: Bürgermeister, Landräte und Bahnvertreter bei ihrem Treffen im Holzkirchner Rathaus.

Runder Tisch mit Landtagspräsidentin Aigner

BRB will Lint-Mängel schnellstmöglich beseitigen

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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Die Lint-Züge werden nicht ausgetauscht. Die BRB versichert allerdings, die aktuell auftretenden Probleme ernst zu nehmen und rasch an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

Holzkirchen/Landkreis – Die Gegner hielten sich nicht mit langatmigen Erklärungen auf: „Horror-Lint“ stand auf der Rückseite des Plakats, das Vertreter der Bürgerinitiative Endstation Lint vor dem Sitzungssaal des Holzkirchner Rathauses in die Höhe reckten. Dort also, wo sich am Mittwochvormittag auf Einladung von Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordneter Ilse Aigner (CSU) ein Runder Tisch mit den aktuellen Problemen rund um die neu beschafften Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB) befasste.

„Kein anderes Modell auf dem Markt verfügbar“

„Für die erheblichen Betriebsprobleme mit den alten Integralen und Talenten sind wir vielfach angezählt worden“, erinnerte BRB-Geschäftsführer Fabian Amini, als es eingangs um die Beschaffung der neuen Fahrzeuge ging. Der BRB-Mutterkonfernz Transdev habe sich daher noch während des laufenden Verkehrsvertrags dazu entschieden, die Flotte auf eigene Kosten auszutauschen. Eine Alternative zu den Lint-Zügen habe es nicht gegeben, bestätigte Thomas Prechtl, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG): „Es war das einzige auf dem Markt verfügbare Modell, das alle gängigen Normen erfüllt und eine Zulassung hat.“ Mit den Integralen hätte man es nicht geschafft, die Zeit bis zur Elektrifizierung zu überbrücken, ergänzte Florian Liese, bei der BEG zuständig für die Abteilung Planung.

Eine Protestkundgebung der Bürgerinitiative Endstation Lint vor dem Holzkirchner Rathaus.

Heino Seeger, vormals Chef der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und jetzt Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn, widersprach. So wie er an diesem Vormittag immer wieder gegen die BRB wetterte, den Verantwortlichen Ahnungslosigkeit vorwarf und „Schieflagen in den Aussagen“ unterstellte. Transdev habe die „Instandhaltung zusammengehauen“ und die Integrale damit zugunsten der Rendite für die Anteilseigner kaputt gespart. „Die Probleme sind alle hausgemacht“, sagte er. Amini wollte das nicht gelten lassen und „versicherte an Eides statt“, dass der Flottentausch aus rein strategischer Erwägung und nicht aus Gründen der Bilanzverbesserung erfolgt sei. An der aktuellen Qualitätsmessung lasse sich schon jetzt ablesen, dass die Entscheidung gut und richtig war. Die Fahrgäste hätten den Zügen zuletzt Spitzenwerte gegeben. „Das soll nicht heißen“, sagte er, „dass wir nicht Probleme haben, über die wir reden müssen.“

Zusätzliche Rampen für barrierefreien Einstieg

Eines davon ist die Barrierefreiheit. Die Arbeitsgruppe „Barrierefrei“ um die Waakirchner Behindertenbeauftragte Gisela Hölscher und den Behindertenbeauftragten des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, Ralph Seifert, forderte einmal mehr den Austausch der Zugflotte. „Geben Sie den Menschen einen Zug, der den Begriff Quantensprung verdient“, sagte Hölscher. Einen Wechsel schlossen BEG und BRB freilich kategorisch aus. „Es gibt schlichtweg keine anderen Fahrzeuge“, erinnerte Aigner. Man arbeite, so das Bahnunternehmen, aktuell aber daran, zusätzliche Zugangsrampen für Menschen mit Behinderung zu beschaffen. Mit der Lieferung eines ersten Probestücks sei kommende Woche zu rechnen, berichtete der technische Geschäftsführer der BRB, Arnulf Schuchmann. „Wir haben gemeint, dass wir bei der Fahrzeugbeschaffung einige Nachteile wie den größeren Abstand am Einstieg in Kauf nehmen können, um Vorteile für viele Fahrgäste zu realisieren“, bekannte Amini. „Es tut mir leid, wenn wir dem nicht genügen konnten.“

Ilse Aigner sowie die BRB-Geschäftsführer Fabian Amini (M.) und Arnulf Schuchmann beim Runden Tisch zum Lint in Holzkirchen.

Hoffnung auf Reduzierung von Geräuschen

Bezüglich der Geräuschemissionen versicherte Schuchmann, dass man die Sorgen der Anwohner sehr ernst nehme. Aktuell arbeite die BRB daran, den Lärm der Druckluftgeneratoren, der Türsignale und des Pfeiftons an unbeschrankten Bahnübergängen zu reduzieren. Bei den Signalen liege man innerhalb der Norm, bemühe sich aber, ans untere Ende der erlaubten Werte zu kommen. Dies sei aber „nicht von heute auf morgen“ umzusetzen.

Genau das forderte Gmunds Bürgermeister Alfons Besel (FWG) mit Blick auf die nach seinen Worten unerträglichen Quietschgeräuschen. „Es sind viele Worte und wenig Taten“, sagte er. „Ich erwarte mir ad hoc Maßnahmen, und wenn Sie die Gleise meinetwegen mit der Hand schmieren.“ Der Lint habe erhebliche Mängel und sei nicht geeignet für die Bahnstrecken im Oberland.

Schuchmann widersprach. Im Hintergrund werde seit vielen Wochen intensiv an den Problemen gearbeitet. „Ich kann nur zusichern, dass wir alles tun, was wir können“, sagte er. Maßnahmen zur Lärmreduzierung an den Zügen, beispielsweise durch den Einbau von Absorberringen in den Radscheiben, müssten nach entsprechenden Messungen und Gutachten aber auch mit dem Hersteller abgestimmt werden, um Garantie und Gewährleistung nicht zu verwirken. Das nehme Zeit in Anspruch.

Politik will Mängelbeseitigung begleiten

„Ich nehme mit, dass Sie die erkannten Defizite schnellstmöglich angehen und lösen“, sagte Aigner am Ende der Diskussionsrunde zu den Bahnvertretern. Sie nahm die Anregung von Haushams Bürgermeister Jens Zangenfeind (FWG) auf, die Mängelbeseitigung von politischer Seite zu begleiten: „Wir sollten in regelmäßigen Abstand den Sachstand abfragen“, forderte Zangenfeind. Amini hatte kein Problem damit: „Wir haben selbst ein erhebliches Interesse daran, dass die Probleme gelöst werden.“

sh

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