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Stellen sich auf dem Podium den Fragen der Bürger und von Moderator Andreas Höger (M.): (v.l.) Christoph Schmid, Robert Wiechmann, Torsten Hensel und Elisabeth Dasch.

Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in Holzkirchen

Nuancen machen den Unterschied

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Der direkte Schlagabtausch der vier Holzkirchner Bürgermeisterkandidaten am Mittwoch im Oberbräu-Festsaal zeigte: Eigentlich wollen alle, dass mehr vorwärtsgeht. Die Diskussion offenbarte aber auch: Jeder hat seine Schwerpunkte.

Holzkirchen – Eine Bühne, vier Kandidaten und ein proppevoller Festsaal im Kultur im Oberbräu: Über 400 Holzkirchner lauschten bei der Podiumsdiskussion des Holzkirchner Merkur  den Ideen und Konzepten der Bürgermeisterkandidaten Christoph Schmid (CSU), Robert Wiechmann (Grüne), Torsten Hensel (FWG) und Elisabeth Dasch (SPD). Fast noch wichtiger: Sie bekamen einen persönlichen Eindruck von den Kandidaten. Durchaus wichtig, denn etwa die Hälfte der Besucher gab an, noch unentschlossen zu sein.

Neben fachlicher Kompetenz bei Themen wie Verkehr, Wohnen oder Sportstätten galt es also auch, mitpersönlichem Charme zu glänzen. Und das vorweg: Jeder der vier Kandidaten hatte seine Momente, konnte punkten, erntete Beifall. Andererseits war zu spüren, wo das gewisse Etwas fehlte.

Kritik am „Stillstand“

Schmid beeindruckte mit Fachwissen, hatte aber bei seinen Sprüchen nicht immer ein glückliches Timing. Hensel setzte Treffer, als er seinen Mitbewerbern, die alle bereits in lokalpolitischer Verantwortung stehen, den „Stillstand“ der vergangenen Jahren unter die Nasen rieb; andererseits offenbarte er Schwächen in der Ortskenntnis. Burschenschaften sind keine Burschenvereine. Wiechmann überzeugte mit sehr authentischer Art und pragmatischen Ansätzen, brachte aber nur wenige Aussagen knackig auf den Punkt und schob die Verantwortung von einem Bürgermeister als Leitliniengeber zu häufig dem Gemeinderat zu. Dasch ließ ihre Ruhe und ihre Erfahrung für sich sprechen, ließ aber in mancher Situation Biss vermissen.

Voll besetzt war der Festsaal des Kultur im Oberbräu bei der Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten.

Etwa beim Marktplatz, ihrem Herzensthema. „Bislang war das Thema nicht im Fokus, plötzlich haben sie es für sich entdeckt“, spielte Dasch auf einen Antrag der CSU an. Anders als Schmid sieht sie die Frage nach der Aufenthaltsqualität im Ortszentrum sehr wohl im Zusammenhang mit Parkplätzen. „Wenn man dort auf Himmelsliegen sitzt und daneben sind Parkplätze, dann ist das richtig schön“, merkte sie ironisch an. Für einfache Maßnahmen brauche es kein Konzept.

Konzepte, Konzepte, Konzepte

Konzept war auch das Stichwort des Abends. Zu fast jedem Thema – egal ob Verkehr oder Ortsentwicklung –liegen Gutachten und Lösungsmöglichkeiten vor. Nur umgesetzt wurde zuletzt wenig. So sahen das auch die 400 Bürger im Saal. Das Problem, da waren sich die Kandidaten weitgehend einig: Es fehlt der Mut, einfach etwas auszuprobieren. Etwaige Kritik, sie hätten als 2. oder 3. Bürgermeister etwas anstoßen können vielleicht sogar müssen, wiesen Dasch und Wiechmann entschlossen von sich. Das sei nicht ihr Verständnis als Stellvertreter.

Redaktionsleiter Stephen Hank begrüßte das Publikum.

Wobei: Keiner auf dem Podium wollte seinen Kontrahenten den Schwarzen Peter zuschieben. Das Grundproblem liege tiefer: Zu viele Aufgaben bei zu wenig Personal. „35 von 44 Planstellen sind besetzt, eine klare Unterbesetzung“, erklärte Schmid. Da das Rathaus bereits jetzt aus allen Nähten platzt, war seine Idee, einzelne Abteilungen in die gemeindeeigenen Räume am Brunnenhof auszulagern. Wiechmann und Dasch sprachen sich für einen Rathaus-Anbau aus, Hensel brachte Arbeit im Homeoffice ins Spiel. Das Ziel, effizienter zu arbeiten, war bei allen vier das gleiche.

Ähnlich Ansätze hatten die Kandidaten auch beim Wohnungsbau, dem Verkehr oder den Sportstätten, nur Nuancen differenzierten zwischen den jeweiligen Zielen und Herangehensweisen. Wie wichtig ein direkter Eindruck von den Kandidaten sein kann, zeigte sich am Publikum. Nach der Podiumsdiskussion war nurmehr etwa ein Drittel der Besucher unentschlossen in seiner Wahlentscheidung. Vielleicht hat manch einer sogar seinen Favoriten gewechselt.

Die Zitate des Abends:

„Kirchenmitglied zu sein, auch bekennend, ist wie Fan der 60er zu sein.“ Christoph Schmid in der Vorstellungsrunde über seinen Glauben.

„Nein. Ich bin ich, das langt doch.“ Elisabeth Dasch auf die Frage, ob sie ein politisches Vorbild habe.

„Ich hoffe, man versteht mich etwas besser als Christian Streich.“ Torsten Hensel über seine Nähe zum SC Freiburg.

„Diese Bücher hätte ich auch mit einer halben Flasche Rotwein schreiben können.“ Robert Wiechmann über die Baum-Bestseller von Peter Wohlleben. 

„Wenn man 15 Projekte hat, können nicht 15 auf Prio eins sein.“ Wiechmann über eine klare Strukturierung der Aufgaben der Gemeinde.

„Wir brauchen Maßnahmen, die der Gemeinderat selbst erarbeiten kann.“ Hensel über die Möglichkeiten, den Ort vom Verkehr zu befreien.

„Immer nur theoretische Abhandlungen, dass regt mich auf.“ Dasch ist kein Fan weiterer Konzepte.

„Jeder muss sich fragen, ob er für den Weg, den er nimmt, das Auto braucht.“ Schmid über die Stärkung des Radverkehrs. 

„Wir haben versucht, der Herr von Löwis zu sein – mit mehr oder weniger Erfolg.“ Wiechmann über die Arbeit als stellvertretender Bürgermeister.

„Leute müssen hier bleiben können, egal wie dick der Geldbeutel ist.“ Dasch über die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnraum.

„Die Information der Öffentlichkeit ist grottenschlecht.“ Wiechmann über die Kommunikation am Beispiel Großhartpenning.

„Kreativ denken, frei denken. Sich extern Ideen holen und die dann umsetzen.“ Hensel will sich bei der Suche und Gestaltung eines neuen Eisstadions inspirieren lassen.

„Die Tage des Eisstadions sind gezählt, die Frage ist nur, wie lange wir zählen.“ Schmid befürwortet einen Neubau, eventuell mit Veranstaltungsräumen.

„Freue mich auf gemeinsames Liegen mit meiner Kollegin Frau Dasch auf den Himmelsliegen – getrennten.“ Wiechmann über einen attraktiven Marktplatz.

„Ich bete jeden Tag, dass diese Kreuzungsvereinbarung unterschrieben zurückkommt.“ Dasch zur Kindergartenbrücke

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