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Am Rednerpult im Oberbräu-Festsaal referiert Bürgermeister Olaf von Löwis über die Pläne und Finanzlage der Gemeinde – während sich Mama Bavaria am Nockherberg zeitgleich Söder, Seehofer und Co. zur Brust nimmt.

Lange Vorhaben-Liste

Bürgerversammlung in Holzkirchen: Diese Projekte haben Priorität

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Zeitgleich zum Starkbieranstich zeigt Rathauschef Olaf von Löwis auf der Bürgerversammlung, was sich im Ort verändert hat und verändern soll. Die Botschaft: Alles auf einmal geht nicht.

Holzkirchen – Olaf von Löwis oder Mama Bavaria? Eine Gewissensfrage für die Holzkirchner an diesem Abend. Während sich Kabarettistin Luise Kinseher am Nockherberg – heuer zum letzten Mal, wie sich herausstellte – die bayerische Polit-Prominenz vornahm, lockte der Bürgermeister mit seinem jährlichen Tätigkeitsbericht. Bauvorhaben und Finanzen statt bissiger Fastenpredigt und Singspiel. Der Festsaal im Kultur im Oberbräu war zwar nicht bis auf den letzten Platz besetzt, dennoch gaben gut 250 Bürger Löwis den Vorzug vor dem Politiker-Derblecken.

Dass auch er zu Späßen aufgelegt war, bewies der Rathauschef eingangs mit seiner Ankündigung, seine „vierstündige“ Rede „möglichst kurz halten“ zu wollen. Letztlich brachte er die zunächst verdatterten Anwesenden – darunter zahlreiche Vertreter der örtlichen Vereine – kompakt und in unter zwei Stunden auf den neusten Stand, was sich die Marktgemeinde so alles vorgenommen hat. Eine lange Liste, das wurde ersichtlich.

Ganz oben steht die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Hier drückt der Schuh – trotz sinkender Einwohnerzahlen (siehe Kasten). Die Gemeinde will Abhilfe schaffen. Stichwort: kommunaler Wohnungsbau. 114 solcher Wohnungen besitzt der Markt bereits. „Das reicht aber nicht“, betonte Löwis. Die gute Nachricht: Der Freistaat schüttet aktuell großzügig Fördermittel aus. Davon sollen Projekte wie am Sommerfeld oder das an der Baumgartenstraße profitieren. Dort sollen die bestehende Wohnanlage umgestaltet werden. „Durch geschickte Planung sollen mehr Wohnungen entstehen“, sagte Löwis. Bewegung kommt auch in das geplante Baugebiet an der Tölzer Straße. Der Markt ist Miteigentümer der Flächen. „Bis 2019 wollen wir in die Gänge kommen“, verriet Löwis. Mit einem Architektenwettbewerb will man das Bauvorhaben vorantreiben.

„Besondere Dringlichkeit“ genießt hingegen die Sanierung der Mittelschule. Das Gebäude ist marode. „Erhebliche Brandschutzmängel, eine mangelhafte energetische Gebäudehülle und ein stark sanierungsbedürftiges Dach“, zählt Löwis auf. Unterricht ist nur dank behelfsmäßiger Rettungswege möglich. Die sind aber lediglich zwei Jahre genehmigt. Die Zeit drängt. Derzeit werde eine Machbarkeitsstudie erstellt, vermeldete Löwis. Seine Vision: ein Neubau.

Dass derartige Visionen und lokalpolitischer Verve aber nicht selten von der bürokratischen Realität ausgebremst werden, darauf wies Löwis explizit hin. Und warb für Verständnis, falls trotz der Fülle an Projekten – die Liste ließe sich beliebig fortführend: ÖPNV, Südumfahrung, Radweg im Teufelsgraben – nicht immer sofort Ergebnisse zu sehen seien. Denn: Kaum ein Projekt liegt nur in den Händen der Marktgemeinde. Pläne, Anträge und Gutachten durchlaufen zig Behörden und Institutionen. Ein Verfahren, das Zeit in Anspruch nimmt. „Wir müssen die Stellen von unseren Ideen überzeugen“, erklärte Löwis. Ein Beispiel: der Linksabbiegerpfeil am Oskar-Von-Miller-Platz. „Ein langer Wunsch ans Straßenbauamt Rosenheim“, sagte Löwis, „der nun endlich in Erfüllung gegangen ist.“

Zeitfressende Abläufe gepaart mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen vor Ort zwängen die Gemeinde dazu, sagte Löwis, die Projekte nach und nach ab zu arbeiten. Alles auf einmal, das geht nicht. „Wir sind aber auf einem guten Weg und werden diesen weiter gehen“, resümierte der Bürgermeister.

Am Ende des Abends nahmen die Holzkirchner zwei Erkenntnisse mit nach Hause. In ihrer Gemeinde tut sich eine ganze Menge, heute wie morgen. Und: Olaf von Löwis tritt definitiv nicht das Erbe von Luise Kinseher am Nockherberg an. Schließlich ist der Bürgermeister vor Ort genug eingespannt. Für Fastenpredigten bleibt da keine Zeit.

fp

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