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Das Bestandsgebäude an der Münchner Straße 54 in Holzkirchen soll abgerissen werden, um Platz für ein neues, größeres Wohn- und Geschäftshaus zu machen.

Investieren in Zeiten des Online-Handels 

Buntz-Jennerwein plant neues Geschäftshaus 

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FWG-Gemeinderat und Modeexperte Wolfgang Buntz-Jennerwein möchte ein neues Wohn- und Geschäftshaus errichten. Der Bauausschuss begrüßte das Vorhaben. Dennoch gab‘s Diskussionen.

Holzkirchen

– Auch um Holzkirchen macht das allgemeine Geschäftesterben keinen Bogen. Immer wieder stehen hier Gewerbeflächen frei, die Fluktuation ist hoch. Viele Geschäftstreibende geben auch dem Online-Handel die Schuld. Daher zollte Gemeinderat Hubert Müller (FWG) jetzt seinem Fraktionskollegen Wolfgang Buntz-Jennerwein Respekt, der ein neues, großes Wohn- und Geschäftshaus samt Tiefgarage an der Münchner Straße 54 Ecke Bahnhofsvorplatz plant. Dieser beweise „unternehmerischen Mut“ in Zeiten, „wo jeder Knopf im Internet bestellt wird“, meinte Müller.

Mit Buntz-Jennerweins Antrag auf Änderung des Bebauungsplans 116 hat sich jetzt der Bauausschuss beschäftigt. Buntz-Jennerwein selbst war in der Sitzung nicht anwesend. Eine Bauamts-Mitarbeiterin stellte die Pläne vor. Demnach sollen die beiden Bestandsgebäude – in einem befindet sich das Modegeschäft Cult – abgerissen werden. „Der Bestand ist über 100 Jahre alt“, berichtete sie. Die Pläne würden Überschreitungen beinhalten. Es sei eine Wandhöhe von 10,50 Meter beantragt, bislang seien 9, 50 Meter erlaubt. Auch die Grundfläche fällt größer aus. Buntz-Jennerwein wünscht sich 420 Quadratmeter, statt der zulässigen 360. Ferner werden Baugrenzen überschritten. Laut Bauamt ist ein L-förmiges Gebäude samt Tiefgarage mit grob 30 mal 20 Metern geplant. Im Erdgeschoss sollen Ladenflächen unterkommen, im ersten Stock Ladenflächen samt Nebenräume für Mitarbeiter. Das zweite Obergeschoss ist für Büros reserviert und das Dachgeschoss für circa drei Wohnungen.

Für den obersten Bereich schlug der Bauwerber zwei Varianten zur Auswahl vor. Eine mit Satteldach und eine mit einem etwas zurückgesetzten Staffelgeschoss und flacheren Dachneigung. Der Vorteil: Mehr Licht könne so in die Wohnungen einfallen, und es gebe umlaufende Balkone, so die Mitarbeiterin.

Herbert Gegenfurtner (CSU) betrachtete den Antrag mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“. Weinend, weil er das Bestandsgebäude schon seit Kindheitstagen kennt und sich als Bub die Nase am Schaufenster plattgedrückt hat. Lachend, weil ein modernes, besseres Gebäude entstehe. „Wenn es ein bisschen größer wird, habe ich gar nichts dagegen.“ Er plädierte für ein Staffelgeschoss, genau wie sein Fraktionskollege Christoph Schmid und Martin Taubenberger (FWG).

Das sahen nicht alle so. Irmi Ammer (SPD) mahnte an, dass sich in der Umgebung „lauter Satteldächer“ befinden. Ein Staffelgeschoss wäre ein Fremdkörper. Das sah auch Ulrike Küster (Grüne) so. Sie schlug vor zu schauen, was sich im Zuge der Bahnhofsumgestaltung (wir berichteten) tut. Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) schüttelte den Kopf: „Das können wir nicht abwarten.“

Elisabeth Dasch (SPD) forderte, dass dem Gremium zunächst ein umfassendes Modell des Gebäudes, etwa in Form einer 3-D-Animation, vorgelegt werde. Man habe sich im Rahmen des Ortsentwicklungskonzepts darauf geeinigt, dass solche Modelle bei Einfallstraßen und markanten Straßenzügen künftig Pflicht seien, um sie auch in Zusammenhang mit der Umgebung prüfen zu können. Wörtlich heißt es dort unter den Zielen zum Ortsbild: „Überprüfung bei neuen Bauvorhaben durch eine Darstellung der neuen Gebäude im Zusammenhang mit der Umgebung durch Zeichnungen, Fotomontagen oder ähnliches, insbesondere in sensiblen Bereichen.“ Gegenüber unserer Zeitung sagt Dasch: „Wir haben viel Geld für das Konzept ausgebeben.“ Sie versteht nicht, warum man in Einzelfällen davon abweicht. Gerade wenn der Bauwerber ein Gemeinderat sei, müsse man vorsichtig vorgehen.

Daschs Antrag, vorerst nur das Verfahren einzuleiten und die Varianten im Angesicht der Umgebung zu prüfen, lehnte das Gremium ab. Es stimmte für die Einleitung des Verfahrens. Zugleich machte die Variante mit Staffelgeschoss das Rennen. Was Buntz-Jennerwein, dem in Holzkirchen drei Modegeschäfte gehören, genau mit dem neuen Gebäude vorhat, bleibt unklar. Er möchte sich gegenüber unserer Zeitung nicht weiter dazu äußern

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