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Weil die BOB ihre Kinder auf dem Weg zur Klassenfahrt einfach stehen ließ, gehen Holzkirchner Eltern jetzt in die Offensive. Selbst Ilse Aigner soll Stellung beziehen.

Weil man die Grundschüler einfach stehen ließ

Chaos bei der BOB: Holzkirchner Eltern verstärken den Druck

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Weil die BOB ihre Kinder auf dem Weg zur Klassenfahrt einfach stehen ließ, gehen Holzkirchner Eltern jetzt in die Offensive. Selbst Ilse Aigner soll Stellung beziehen.

Holzkirchen – Die Viertklässler der Holzkirchner Quirin-Regler-Grundschule, die vorigen Mittwoch trotz bestätigter Anmeldung von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) abgewiesen wurden und chaotisch in ihre Klassenfahrt starten mussten (wir berichteten), sind Freitag mit der Bahn zurückgekehrt. Zwar verlief die Heimfahrt besser, doch einige Eltern machen öffentlich Druck auf die Bahn. Sie verärgert auch, dass die dritten Klassen der Schule nur eine Woche vorher das gleiche Problem hatten.

Immerhin: Bei der Rückfahrt bemühte sich die BOB um Schadensbegrenzung. Zwar hatte sie den ursprünglich geplanten Termin nach vorn verlegt, was die Schüler zeitig aus den Betten zwang. Dafür bekamen die Kinder von einem Fahrgastbetreuer Süßigkeiten und Spiele geschenkt. „Der Freitag klappte problemlos“, sagt Sabine Bösl, Rektorin der Quirin-Regler-Grundschule.

Auch Barbara Meder fand die Geschenke ganz nett. Ihre Tochter stand vorige Woche ebenfalls am Gleis. Deshalb sagt Meder: „Süßigkeiten lösen das eigentliche Problem nicht.“ Wer Anmeldungen bestätigt, ohne Kapazitäten freizuhalten, mache falsche Versprechungen. Auch das Krisenmanagement der BOB sei schlecht organisiert: „Als wir ratlos am Gleis standen, forderte die Beschwerdezentrale in Neubrandenburg von uns, ein Formular aus dem Internet zu drucken und zu faxen.“ Das war unmöglich – und das sei nur der Auftakt gewesen. Mitarbeiter wären nicht erreichbar oder völlig überfordert gewesen, eine Entschuldigung habe man nie erhalten. „Man will sich gar nicht vorstellen, was los ist, wenn einmal ein Unfall passiert“, sagt Meder.

Deswegen geht sie jetzt in die Offensive. „Für die BOB muss es unangenehm werden, sonst ändert sich nichts.“ Meder wandte sich auch an den Bayerischen Rundfunk. Auch der will berichten. „Wir können unseren Kindern nur Umweltbewusstsein vermitteln, wenn die Bahn mitspielt.“ Erlebnisse wie die aus der vergangenen Woche lehrten Kinder aber eher, den Zug zu meiden.

BOB-Pressesprecher Christopher Rabe äußerte Verständnis für den Ärger der Eltern. Die BOB lasse niemanden gerne stehen, versicherte er. Aber: „Wenn der Zug voll ist, ist er voll.“ Deswegen stelle eine Anmeldung keine Mitnahmegarantie dar. Das sei auch bei normalen Fahrscheinen nicht anders: Damit immer alle Fahrgäste befördert werden können, bräuchte man eine höhere Taktung oder längere Züge. Ohne längere Bahnhöfe und eine Elektrifizierung der Strecke ginge das aber nicht. „Wir tun unser Bestes“, so Rabe.

Meder überzeugen diese Argumente nicht. „Die BOB verspricht auf ihrer Internetseite, bei Bedarf einen Wagen anzuhängen, wenn es eng werden könnte. Warum versprechen sie das, wenn es nicht geht? Da will man die Schuld weiterschieben.“

Thema im Fernsehen

Das Bayerische Fernsehen wird heute, Donnerstag, ab 20.15 Uhr in der Sendung „Quer“ die stehengelassenen Viertklässler thematisieren. „Man hat mir gesagt, dass sogar Ilse Aigner zu dem Thema befragt wurde“, sagt Meder.

Lesen Sie auch: Wir haben den Pendler-Selbsttest gemacht: So unpünktlich ist die BOB wirklich

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Unser großes User-Interview zum Thema: Der damalige BOB-Chef Bernd Rosenbusch im Gespräch: Ihre Fragen, seine Antworten

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