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Hoch die Hände: Claus von Wagner brillierte mit seiner Kunstfigur, dem Historiker Claus Neumann.  

Zehn Jahre Kultur im Oberbräu

Claus von Wagner brilliert in Holzkirchen - mit acht Jahre altem Programm

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Zehn Jahre Kultur im Oberbräu. Das will gefeiert werden. Den Auftakt dazu machte am Freitagabend Claus von Wagner. Mit einem alten, aber doch höchst aktuellen Programm.

Holzkirchen – 2010 war der in Miesbach aufgewachsene Kabarettist als erster Künstler für das neu gegründete Kultur im Oberbräu engagiert worden. Im Frühling 2012 hatte er hier Vorpremiere mit „Die Theorie der feinen Menschen“. Brillant schon damals, aber im Vorfeld noch zurückhaltend, ob alles so klappen würde, wie er sich das dachte.

Sieben Jahre später dasselbe Programm. Diesmal nicht mehr im gut besuchten FoolsTheater sondern im lange vorher ausverkauften Festsaal, wo sich die hauseigenen „Bodyguards“ – überdimensionale Kunstfiguren – unters Publikum mischten, Schoko-Herzchen den Abend versüßten und der vielfach prämierte Kabarett-Hochkaräter Claus von Wagner von Anfang an mit einer gewaltigen Bühnenpräsenz glänzte.

Über den Hintereingang war er gekommen, während alle gespannt auf die Bühne blickten, wo ein schwarz verhängter Schreibtisch mit Drehstuhl und altmodischem Wählscheiben-Telefon stand. Der Tresorraum der Deutschen Bank, in dem die eingeschlossene Bühnenfigur Claus Neumann zwei Stunden lang über Finanzmärkte, Politik und seine persönliche Transformation zu einem Rädchen im fein verzahnten System von Finanzwirtschaft räsoniert. Und über eine Society, die ihr publikumswirksam zur Schau getragenes Gutmenschentum neuerdings nicht mehr auf Spendengalas, sondern Charity Events selbst inszeniert.

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Zunächst aber war es Claus von Wagner, der den Weg nutzte, um „Klimapaketchenchenchenchenchen“ anzuprangern und sich über die Qualität von Kompromissen zu wundern, die Kanzlerin Angela Merkel jüngst nach Verabschiedung des Klimapakets mit ihrem „Politik ist das, was möglich ist“ formuliert hatte. „Was passiert, wenn ein Porsche-Cayenne-Fahrer immer bei Rot über die Ampel fahren möchte und ein Radfahrer beim Überqueren der Straße überleben möchte?“ So geht es den ganzen Abend.

Von Wagner seziert gesellschaftliche Phänomene und pointiert sie mit Witz und Sprachgewalt, dass sich das sehr gemischte Holzkirchner Publikum selbst zu vorgerückter Stunde noch vortrefflich amüsiert; von johlend und klatschend bis still sinnierend. Am Ende gibt es Standing Ovations. Auch wenn es einem eigentlich angst und bang werden müsste ob der unverändert geltenden Aktualität des Programms, das Claus von Wagner vor acht Jahren zur Finanzkrise geschrieben hatte.

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Als Vorsitzender der vom Vater gegründeten Stiftung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft muss Historiker Neumann zu deren Jubiläum eine Rede vorbereiten. Die Zeit drängt, und was gäbe es sonst zu tun, während er darauf wartet, dass sich am nächsten Morgen die Tür seines unfreiwilligen Gefängnisses öffnet. So taucht er ein in die verschlüsselte Sprache der Finanzwelt, deren größtes Vergnügen in Exceltabellen schlummert. Während die Großen Luftschlösser bauen und sich selbst zu inszenieren wissen, lassen die Kleinen ihr mühsam Erspartes, weil man ihnen zu Anlagemöglichkeiten riet, die sich als Verlustgeschäfte entpuppten. Er selbst beobachtet sich dabei, wie er aus kritischer Distanz immer tiefer ins System hinein schlittert.

Am Ende ist es wieder Claus von Wagner, der sichtlich gerührt erklärt, dass selbst mit Anspielungen auf die Kindheit in der Kreisstadt 95 Prozent des Programms erstunken und erlogen seien, was seine Person angeht. Und ganz wichtig: „Mein Papa lebt noch. Und er ist auch kein Arsch.“

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