In der Produktion einer Bäckereikette in Holzkirchen kam es zu einem größeren Corona-Ausbruch.
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In der Produktion einer Bäckereikette in Holzkirchen kam es zu einem größeren Corona-Ausbruch.

Landratsamt lobt Krisenmanagement

Dank Schnelltests: Corona-Ausbruch in beliebtem Bäckerei-Betrieb gestoppt

  • vonKatrin Hager
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Die Produktion der Bäckereikette Ratschiller war von einem größeren Corona-Ausbruch betroffen. Inzwischen ist die Lage im Griff – dank Schnelltests.

Holzkirchen – Natürlich sei ihm angst und bang geworden, gesteht Bernhard Auracher auf Anfrage unserer Zeitung. Er ist Geschäftsführer der Bäckereikette Ratschiller‘s, die 60 Filialen betreibt. 60 Filialen, die stetig beliefert werden müssen mit Broten, Brezen, Krapfen, Kuchen, die in der Zentrale im Holzkirchner Gewerbegebiet produziert werden. Am 11. Februar erreichte Auracher die Nachricht, dass sich ein Mitarbeiter mit Corona infiziert hat. Der erste Fall überhaupt in der Produktion; bis dahin seien nur ein paar Einzelfälle in Filialen aufgetaucht, schildert Auracher.

Als am Wochenende 20./21. Februar klar war, dass weitere Infektionen hinzukamen, wuchs die Sorge – auch die, dass die Zahl der einsatzfähigen Mitarbeiter unter eine kritische Marke sinken könnte. „Am Montag in der Früh hatten wir eine Krisensitzung“, sagt der Geschäftsführer.

Bayern: Corona-Schnelltests stoppen Ausbruch in Bäckerei-Betrieb

Man habe beschlossen, reihenweise Schnelltests durchzuführen, um den Infektionsherd schnellstmöglich auszutreten. Dass einmalige Tests wenig Sicherheit bieten, belegte auch einer der Fälle: „Ein Mitarbeiter war am Freitag bei einem PCR-Test negativ, am Sonntag beim Schnelltest war er positiv.“ Die Infektion bestätigte sich.

Bernhard Auracher, Geschäftsführer von Ratschiller‘s

Corona-Stopp in bayerischem Bäckerei-Betrieb: Unternehmen will Schnelltests beibehalten

Bis Ende voriger Woche kamen etwa 15 Infektionen zusammen, sagt Auracher. Die ersten hatten sich mutmaßlich bei einer Veranstaltung außerhalb des Landkreises angesteckt. Mehrere der Infektionen gingen aufs Konto der ansteckenderen „britischen“ Mutante. Die meisten Betroffenen tauchen indes nicht in der Statistik für den Kreis Miesbach auf, weil sie außerhalb wohnen.

Seit Freitag seien keine weiteren Infektionen hinzugekommen, erklärt Auracher. Die ersten betroffenen Mitarbeiter kehren bereits wieder zurück zur Arbeit. Dass die Lage wieder im Griff ist, führt er auf die Schnelltests zurück, die die Firma nur dank familiärer Kontakte einer Mitarbeiterin schnell in großer Zahl auftreiben konnte. Tag für Tag werden seither rund 60 Personen in den beiden Schichten vor Arbeitsbeginn getestet.

Die Reihentestung will Auracher beibehalten. „Mindestens diese Woche, vielleicht auch kommende –wir wollen mindestens eine Woche lang keine Neuinfektion haben.“ Wenn es die kostenlosen Schnelltests gibt, die mit 1. März eingeführt wurden, soll ein- bis zweimal pro Woche durchgetestet werden.

Corona-Ausbruch dank Schnelltests verhindert: Landratsamt lobt Krisenmanagement

Eine automatische Fiebermessstelle am Eingang war schon voriges Jahr eingerichtet worden. Die Mitarbeiter tragen Maske. Nun wurden noch einige Trennwände aus Plexiglas eingezogen, und der Raucherraum im Pausenbereich ist gesperrt. Was die Firma noch besser hätte machen können beim Infektionsschutz, sah in dem Fall auch das Landratsamt nicht, das am Freitag noch eine Betriebsbesichtigung durchführte.

Die Behörde lobt auf Nachfrage ausdrücklich das Krisenmanagement: Der Betrieb sei „ein vorbildliches Beispiel für eigenverantwortliches Handeln“, habe sich bereits um Schnelltests gekümmert, noch ehe sich die Behörde überhaupt eingeschaltet hatte. Dass die Lage so schnell unter Kontrolle sei, sei „größtenteils der Betriebsleitung zuzuschreiben“.

Ein Restrisiko freilich bleibt: „Den privaten Bereich, wo ja oft die Anfänge liegen, können wir nicht beeinflussen“, sagt Auracher.

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ag

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