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Corona: Über 200 „Montagsspaziergänger“ in Holzkirchen - Maßnahmen-Skeptiker erfahren weiter Zulauf

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Von: Jonas Napiletzki

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Rund 200 Menschen spazierten am Montag an der Münchner Straße durch Holzkirchen. Die Polizei stellte eine Versammlung fest und ließ die Teilnehmer gewähren.
Rund 200 Menschen spazierten am Montag an der Münchner Straße durch Holzkirchen. Die Polizei stellte eine Versammlung fest und ließ die Teilnehmer gewähren. © MZV

Am Montagsspaziergang in Holzkirchen nahmen über 200 Menschen teil - eine deutliche Steigerung im Vergleich zur Vorwoche. Die Polizei benannte einen Versammlungsleiter.

Holzkirchen – Die Kirchturmglocke schlägt sieben Mal. Es ist Montag, 19 Uhr. Mit jedem Schlag klappen Autotüren zu, mit jedem weiteren strömen sogenannte Spaziergänger auf den Holzkirchner Marktplatz. Alte und junge Menschen. Kinder und Hunde. Die Polizei wird später rund 200 Leute zählen. Augenscheinlich könnte es rund ein Viertel mehr gewesen sein. Eine Woche zuvor waren es laut Polizei 120 bis 150 Teilnehmer. Für die Ordnungshüter ist klar: Hier findet eine Versammlung statt. Nicht angemeldet, dazu aufgerufen via Telegram.

Polizei benennt Versammlungsleitung

Die Polizei berichtet tags darauf: „Die Dienststellenleitung hat aus der Situation heraus eine Versammlungsleitung benannt.“ Als solche habe sich zwar niemand vorgestellt; das Verhalten einer Person sei jedoch eindeutig gewesen. Ihr übergab die Polizei einen Auflagenbescheid, den die Inspektion erstellt hatte. „Durch die verschärften Corona-Maßnahmen haben wir mehr Handhabe“, berichtet eine Sprecherin der Polizei. Im Bescheid wurde die Leitung auf Mindestabstände, ein Versammlungsende um 20.30 Uhr und auf die Pflicht hingewiesen, den Polizei-Anweisungen Folge zu leisten. „Die Menschen waren sehr kooperativ, es gab keine Vorkommnisse.“ Auf dem Marktplatz hätten sich nach der Rückkehr der „Spaziergänger“ vom Atrium Zehnergrüppchen gemäß der Kontaktbeschränkungen gebildet. Abstände seien eingehalten worden. „Es gab keine anderen Tendenzen als letzte Woche“, sagt die Sprecherin.

Tendenzen ließen sich dennoch beobachten. „Seid ihr auch Revoluzzer“, fragt ein Teilnehmer am Marktplatz. „Ja“, lautet die Antwort einer kleinen Gruppe. Sie eint das Misstrauen. Gegen Corona-Maßnahmen, von denen an diesem Abend wenig zu spüren ist. Gegen „Impfzwang durch sozialen Druck“, sagt ein Teilnehmer. Vorher: Trillerpfeifen, Klatschen, Jubeln.

„Nächstes Mal nehme ich Walkingstöcke mit“

Die Menge läuft teilweise bei Rot über die Ampel, während sie der Polizei dabei zuwinkend „Ciao“ zuruft. Autofahrer hupen und fragen durchs geöffnete Fenster: „Was ist denn das für ein Aufmarsch?“ Vor den vorbeifahrenden Autos werden Kinder auf die überfüllten Bürgersteige zurückgezogen.

„Nicht stehen bleiben, weitergehen“, ruft eine Stimme aus der Menge. Hinten dran hängt ein Paar mit Hund. „Das war eine Schnapsidee, den mitzunehmen“, sagt die Frau. Von den Gartenzäunen bellen Hunde zurück. „Nächstes Mal nehme ich Walkingstöcke mit“, verkündet eine Teilnehmerin. Die Versammlung löst sich wie von der Polizei angeordnet gegen 20.30 Uhr auf.

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