Abgeriegelt von der Außenwelt: Zwei Wochen müssen die 19 Bewohner dieses Hauses in der Münchner Straße in Quarantäne leben, nachdem ein Mitbewohner an Covid-19 erkrankte.
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Abgeriegelt von der Außenwelt: Zwei Wochen müssen die 19 Bewohner dieses Hauses in der Münchner Straße in Quarantäne leben, nachdem ein Mitbewohner an Covid-19 erkrankte.

Jetzt zwei Quarantäne-Häuser im Landkreis-Norden

Corona-Sperrzone in der Ortsmitte: 19 Personen abgeschottet

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Mitten in Holzkirchen liegt eine Quarantäne-Insel: 19 Bewohner eines Gebäudes in der Münchner Straße müssen zwei Wochen abgeschottet leben, nachdem am Samstag (15. August) ein Mitbewohner positiv auf Corona getestet worden war. Auch in der Asylbewerber-Sammelunterkunft in Otterfing gibt es einen neuen Fall. Die Quarantäne dort wird verlängert.

Holzkirchen/Otterfing – Einst Apotheke, mittlerweile Arbeiter-Unterkunft, jetzt vorübergehend Sperrzone: In der Münchner Straße 20 rückte am Samstag das THW an und stellte ums Haus einen Bauzaun auf. Das Gebäude in der Ortsmitte, das in Privatbesitz ist, dient als Unterkunft für zuletzt 19 Frauen und Männer aus Balkanstaaten, vorrangig aus Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Nachdem am Samstag bei einem Bewohner der Coronatest anschlug, ließ das Gesundheitsamt das Haus abriegeln.

Ein Sicherheitsdienst wacht darüber, dass niemand den Bauzaun überwindet, weder nach außen noch nach innen. „Die Bewohner werden von Freunden mit Lebensmitteln versorgt“, sagt Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamts. Der „Indexpatient“ wohnt mit im Haus, ist laut Stadler von den anderen aber in einem separaten Bereich abgetrennt.

37 Arbeitskollegen wurden am Montag „abgestrichen“

Wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt, sind die Bewohner 30 bis 60 Jahre alt; zudem ist ein Jugendlicher (15) registriert. Schon am Samstag war das mobile Team des Gesundheitsamts vor Ort, um bei den 18 Mitbewohnern des Infizierten Abstriche zu nehmen. Die Ergebnisse stehen noch aus. Das Gros der Bewohner ist nach Informationen des Landratsamts in einem metallverarbeitenden Betrieb in Holzkirchen beschäftigt. „Wir gehen nur von einem Betrieb aus“, sagt Pressesprecherin Stadler. Am Montag (17. August) in der Früh wurden alle 37 Arbeitskollegen auf Corona getestet. „Diese Tests funktionieren sehr schnell innerhalb weniger Tage“, betont Stadler.

Vorsorglich überprüft das „Contact Tracing“-Team des Gesundheitsamts alle angegebenen privaten und beruflichen Kontakte der Getesteten. „Ob in dem Betrieb Maßnahmen zur Eindämmung des Virus angeordnet werden, kann erst entschieden werden, wenn die Testergebnisse vorliegen“, sagt die Sprecherin.

Wie und wo sich der Infizierte angesteckt hat, ist laut Landratsamt unklar. Testen ließ er sich, weil er typische Covid-19-Symptome verspürte. Möglicherweise könnte ein Bewohner der Unterkunft das Virus aus dem Ausland eingeschleppt haben, sagt Stadler, „aber die Infektionskette ist nicht mehr nachzuvollziehen“.

Bitter: Asyl-Unterkunft muss in Quarantäne-Verlängerung

In Otterfing erwischte es derweil erneut die Asylunterkunft im Pitzarweg. Ein Tag bevor die zu Monatsbeginn verhängte Quarantäne (wir berichteten) ausgelaufen wäre, wurde nach Angaben des Landratsamts ein weiterer Bewohner positiv getestet. Das heißt: Von den 35 Männern des Quartiers (22 bis 55 Jahre alt) hat sich nunmehr mehr als ein Drittel (zwölf) in den vergangenen knapp drei Wochen erwiesenermaßen am neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) angesteckt. Alle Infizierten, auch der neue Patient, verbringen die Quarantäne außerhalb in anderen Unterkünften, wobei die meisten „Altfälle“ schon wieder aus der Quarantäne entlassen wurden.

Für die verbliebenen 23 Bewohner der Pitzarweg-Unterkunft, deren Tests negativ waren, verlängert sich durch den erneuten Fall die Quarantäne um weitere zwei Wochen. „So bitter das auch ist“, sagt Stadler. Das Gesundheitsministerium lasse da grundsätzlich wenig Spielraum. Vorgeschrieben ist, dass bei jedem bestätigten Fall eine erneute Reihentestung aller Bewohner stattfinden muss – und die Quarantäne jedes Mal von neuem beginnt. Ob für die 23 das lange Schmachten in Quarantäne wirklich sein muss, will das Landratsamt jetzt abklären. „Wir bemühen uns um eine Lösung, die mit dem Infektionsschutz vereinbar ist“, sagt Stadler. Unter Umständen müssen einige Bewohner nicht mehr die vollen zwei Zusatzwochen absitzen.

Alle Infos zur Corona-Pandemie im Landkreis lesen Sie hier.

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