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Verlockend, aber tabu: Wie alle Familien in Holzkirchen müssen die Wolkensteins (v.l. Larissa, Jorin, Loni und Joël) einen Bogen um den Kinderspielplatz an der Flinspachstraße machen. 

Familien trifft es

Coronavirus: Polizei kontrolliert Spielplätze

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Das Coronavirus wütet. Jetzt sind auch Spiel- und Sportplätze dicht. Das trifft Familien wie die Wolkensteins aus Holzkirchen. 

Holzkirchen - Andreas Wolkenstein stöhnt. Seit dieser Woche sind alle Kitas und Schulen dicht. Und auch seine drei Kinder Jorin (1), Loni (5) und Joël (8) bleiben nun den ganzen Tag zu Hause, müssen beschäftigt werden. Ein Balanceakt für berufstätige Eltern. Und jetzt darf man nicht mal mehr draußen toben. „Wenn das mit den Spielplätzen auch eine ganze Weile so geht, wird das schon zum Problem“, sagt der Familienvater aus Holzkirchen. Sein ältester Sohn Joël etwa trifft sich sonst mit Freunden gern zum Fußballspielen am Sportplatz. „Da werden wir enttäuschte Gesichter ernten“, befürchtet der 39-Jährige.

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Coronavirus: Polizei kontrolliert Spielplätze

Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, kommt es auch in Bayern zunehmend zu massiven Einschränkungen im öffentlichen Leben. Unter anderem dürfen zum Beispiel seit dem gestrigen Dienstag Spielplätze und Sportplätze nicht mehr von Unbefugten betreten werden. Auch in Holzkirchen müssen sich Bürger auf Kontrollen einstellen.

Laut Johann Brandhuber, Chef der Polizeiinspektion Holzkirchen, werden seine Kollegen solche Plätze und Flächen stichprobenartig im Rahmen der Streife kontrollieren. Und auf konkrete Hinweise hin ausrücken. Zuständig für die Corona-Krise sei das Gesundheitsamt im Landratsamt Miesbach. Die Polizei aber unterstütze die Behörde im Zuge der Amtshilfe dabei, die Maßnahmen umzusetzen.

Heißt konkret: Falls die Polizei eine Familie zum Beispiel auf einem Spielplatz erwischt, verweist sie sie des Platzes und nimmt die Personalien auf. Zum Wohle der allgemeinen Gesundheit. Selbstverständlich würden die Beamten dabei immer mit Augenmaß vorgehen. Die Daten leitet die Polizei dann ans Landratsamt weiter, das sich mit Sanktionierungen und Bußgeldern beschäftigt.

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Immerhin: „Bislang wurde noch nichts an mich rangetragen“, sagt Brandhuber am ersten Tag des Spielplatzverbots. „Aber es wird mit Sicherheit vorkommen.“ Wenn das Leben der Bürger weiterhin so auf Sparflamme gekocht werde, „dann braucht man da kein Prophet sein“.

Auch die Gemeinde Holzkirchen schickt laut Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) gelegentlich Bauhofmitarbeiter zur Kontrolle vorbei. Betroffen seien im Gemeindegebiet etwa 40 Spielplätze sowie die größeren Sportplätze an der Haid- und Baumgartenstraße. Inwieweit die Kommune Schilder an den Bereichen abbringt, um die Bürger über die Maßnahmen zu informieren, sei offen. „Wir gehen der Sache nach“, erklärt Löwis. „Schaden können die Schilder ja nicht.“ In Otterfing ist man schon einen Schritt weiter. Die Gemeinde habe die circa zehn Spielplätze mit Absperrbändern abgeriegelt und Schildern versehen, berichtet Markus Stark, Geschäftsleiter im Rathaus. Man appelliere an die Vernunft der Bevölkerung.

Die Familie Wolkenstein sucht derweil andere, vernünftige Freizeitmöglichkeiten. „Wir legen mit der ganzen Familie ein Gemüsebeet an“, erklärt der Papa. „Wir haben zum Glück einen Garten.“ Zudem planen sie, in die Berge zu gehen oder in den Wald, wo wenig Leute unterwegs sind. Andreas Wolkenstein und seine Frau Larissa haben das Glück, dass sie in Teilzeit arbeiten und sich die Kinderbetreuung ohnehin aufteilen. So ist immer jemand daheim. Beide sind an der Ludwig-Maximilians-Universität in München beschäftigt. Er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Medizinethik, sie als Psychologin. „Man muss jetzt flexibel sein“, sagt der 39-Jährige. 

Und er sieht trotz der Krise etwas Positives: „Das Schöne ist, dass man mal viel zusammen sein kann.“ Ohne Stress in der Früh.

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