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Einen Vortrag über die Attraktivität von Ortsmitten hielt Referentin Gabriele Ostertag im Holzkirchner Fools-Theater.

Expertin erklärt auf

Wie man Holzkirchner von der Couch ins Ortszentrum lockt

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Holzkirchen - Wie man Ortskerne attraktiver gestalten kann, um Bürger ins Zentrum und in die Geschäfte zu locken, erklärt eine Expertin. Die Zuhörer haben eigene Antworten.

Der Einstieg in die Ortsmitte ist holprig. Bürgermeister Olaf von Löwis wuselt auf der Bühne herum. „Normal fangen wir hier in Holzkirchen pünktlich an“, sagt er. „Aber wir haben ein technisches Problem.“ Der Laptop ist kaputt. 20 Minuten später geht’s dann los – allerdings sind viele Seiten der Präsentation zerschossen. 

In ein „technisches Abenteuer“ – wie sie es selbst nannte – musste sich Referentin Gabriele Ostertag von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung nun bei einer Veranstaltung stürzen, die die Gemeinde mit der Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach (SMG) im Fools-Theater organisiert hatte. Rund 40 Gästen lauschten dem etwas zu lang geratenen Fachvortrag zum Thema „Attraktivität des Ortskerns – Herausforderungen und Ansätze“, der viele Beispiele aus baden-württembergischen Gemeinden behandelte und Holzkirchen gelegentlich streifte. Laut Löwis sollte der Vortrag als Modell für sämtliche Kommunen dienen. Der Beitrag ist der Auftakt für eine neue SMG-Veranstaltungsreihe. Der nächste Termin findet im Oktober in Miesbach statt. Die Idee, die laut SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid dahinter steckt ist, dass funktionierende Zentren Fachkräfte und Firmen anlocken. 

„Die wirtschaftliche Ausgangssituation ist gut“, meinte Ostertag. Auch im stationären Handel sehe es trotz Online-Konkurrenz stabil aus. In den Gemeinden im Landkreis Miesbach herrsche eine starke Kaufkraft. Gewisse Branchen – wie Lebensmittelhandel sowie Bau- und Heimwerkerartikel – werden auch in Zukunft nicht vom Onlinehandel dominiert sein. 

Laut Umfragen ist der liebste Platz der Menschen daheim vor dem Fernseher, berichtete Ostertag. Es gelte, sie „von der Couch in die Innenstadt und in den Laden zu bringen“. Dafür sei die Aufenthaltsqualität entscheidend sowie ein Zusammenwirken von Gemeinde, Einzelhandel und Gastronomie. Letztere sei „ein Frequenzbringer für die Innenstadt“. Die Kehrseite: Der Lärm, über den sich Anlieger beschweren. 

„Holzkirchen ist mit Verkehr hochbelastet“, sagte sie. Wünschenswert sei, die Straße aus dem Ort zu verschwenken, um einen abgeschlossenen zentralen Platz ohne Verkehr zu schaffen. Natürlich sei man dabei an rechtliche Gegebenheiten gebunden. 

Trotz des Verkehrs: „In Holzkirchen gibt es zwar einige Leerstände“, meinte Ostertag. Diese seien jedoch nicht lageprägend. Beispiele aus anderen Orten zeigten, dass es etwa funktioniere, Verkaufsflächen zusammenzulegen. Wichtig: Händler sollten Gewerbeverbände gründen, um mit einer Stimme zu sprechen. Sie empfahl außerdem einheitliche Kernöffnungszeiten. Ostertag gab weitere Tipps mit auf den Weg: Wichtig sei es, Schlüsselimmobilien in Planungen einzubeziehen. Auch Magneten sollten in Zentren geschaffen werden, um mehr Frequenz in einen Ort zu bringen. Gesundheitszentren – wie das Atrium in Holzkirchen – hätten sich bewährt ebenso wie Einkaufsarkaden. Ratsam bei Ortsplanungen seien Stadtentwicklungskonzepte, die von Fachleuten begleitet werden. 

Das konnte Löwis nur bestätigten, er verwies auf das Mobilitätskonzept seiner Gemeinde. „Wir brauchen auch später fachliche Begleitung bei der Umsetzung der Maßnahmen.“ Er plädierte zudem für eine interkommunale Zusammenarbeit. 

Dann waren die Zuhörer dran. Als erster meldete sich der Holzkirchner Metzger Georg Kleeblatt zu Wort. Als kleiner Mittelständler habe er sich seit 1963 durchgesetzt, auch gegen die Großen, die „die kleinen vernichten“. Ein Problem sei, dass Verbraucher billig einkaufen wollen. Dagegen traue sich keiner was sagen. Bäcker Martin Kuhn erinnerte daran, dass es mal einen Gewerbeverband in Holzkirchen gab. „Wir sind damals gegen das HEP Sturm gelaufen.“ Gebracht habe das wenig. „Die Verbände müssen von Kommunen auch gehört werden.“ In der Vergangenheit sei das nicht passiert. Viele Gäste beschwerten sich über den Verkehr in Holzkirchen, den Lärm und Dreck, der Einzelhändlern das Geschäft versalze. 

Am Ende brach Schmid von der SMG eine Lanze für das Forum, den Marktplatz, für den europäische Städte stehen. „Die Amerikaner beneiden uns darum.“ Darauf sollte man sich konzentrieren.

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