Polizei befürwortet die Unterstützer

CSU Holzkirchen wirbt für Sicherheitswacht - doch es gibt viel Kritik

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Die Holzkirchner CSU wirbt für die Einführung einer Sicherheitswacht. In anderen Kommunen hat sich die Idee nicht durchgesetzt. Auch in der Marktgemeinde werden erste kritische Stimmen laut.

CSU-Ortsvorsitzender Sebastian Franz

Holzkirchen – Sebastian Franz war in Berlin, gemeinsam mit einigen Parteikollegen. Vier Tage verbrachte der CSU-Ortsverband auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan in der Hauptstadt. Auf dem Programm standen unter anderem Besuche beim Bundesnachrichtendienst und im Innenministerium. Ein Trip geprägt vom Thema Sicherheit, wenn man so will. Die Pressemitteilung, die Holzkirchens Ortsvorsitzender Franz nach seiner Rückkehr verschickte, fügt sich gut in diesen Kontext: Die CSU wirbt für die Einführung einer ehrenamtlichen Sicherheitswacht in der Marktgemeinde.

Einen konkreten Anlass, sprich eine verschärfte Sicherheitslage, gebe es im Ort nicht, beschwichtigt Franz auf Anfrage. Das Thema sei viel mehr bei einer Informationsveranstaltung der CSU und des parteilichen Arbeitskreises „Polizei und Innere Sicherheit“ auf den Tisch gekommen, bei der auch Polizeivertreter teilgenommen haben. „Der Impuls ging von der Polizei aus“, sagt Franz. Viel Überzeugungsarbeit mussten die Beamten allerdings nicht leisten. „Mit ihrem Wunsch haben sie bei uns offene Türen eingerannt“, sagt Franz, der eine Sicherheitswacht als eine „attraktive und sinnvolle“ Ergänzung zu den Gesetzeshütern bewertet.

Demnach könnten die Ehrenamtlichen, die zuvor von der Polizei ausgebildet werden, durch Holzkirchen patrouillieren und gezielt Brennpunkte ansteuern, wie den Bahnhof, das Eisstadion in der Thannerstraße oder den Krankenhauspark. „Solche Orte eben, an denen es immer wieder zu Anwohnerbeschwerden kommt“, sagt CSU-Ortschef Franz.

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Die Polizei ersetzen solle die Sicherheitswacht in keinem Fall. Vielmehr soll sie die „ausgelastete“ Dienststelle an der Industriestraße, zuständig für fünf Kommunen, entlasten. Die Ehrenamtlichen könnten Präsenz zeigen, in einem Maß, das der Polizei rein personell nicht möglich sei, um so „präventiv zu wirken“, umschreibt Franz den Einsatzbereich der Wacht. Vandalismus oder Lärmbelästigungen etwa ließen sich dadurch bestenfalls verhindern.

Eben jene Wirkung verzeichnen offenbar diejenigen Gemeinden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, die bereits eine Sicherheitswacht eingeführt haben. Laut Angaben der Behörde sind derzeit in acht Kommunen insgesamt 69 Ehrenamtliche im Einsatz. Der bisherige Erfolg ließe sich zwar nicht an konkreten Zahlen festmachen, heißt es aus dem Polizeipräsidium, jedoch habe man „überwiegend positive Erfahrungen“ gesammelt, belegt durch viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Polizeipräsident Robert Kopp

„Durch ihre Präsenz vor Ort ist die Sicherheitswacht – immer in Ergänzung zur Polizei – ein zusätzlicher Baustein zur Erhöhung des subjektiven Sicherheitsempfindens“, bekräftigt Polizeipräsident Robert Kopp, ein ausgesprochener Befürworter der Sicherheitswacht. Auch als sichtbarer Ansprechpartner und Hilfeleister für die Bevölkerung hätten sich die Ehrenamtlichen etabliert. „Ich spreche mich eindeutig für Sicherheitswachten in allen Kommunen aus, wo sie sinnvoll sind“, sagt Kopp.

Mit seinem Werben stieß der Polizeipräsident im Landkreis bislang auf wenig Gegenliebe. Sowohl die Gemeinde Hausham als auch die Kreisstadt Miesbach und der Markt Schliersee hatten einer Einführung wie berichtet teils deutliche Absagen erteilt. Und auch in Holzkirchen zeichnet sich Widerstand ab.

Insbesondere die Grünen positionierten sich als ausgesprochene Gegner der Sicherheitswacht. „Wir brauchen keine Polizei-Kasperl“, sagte Robert Wiechmann bereits im Vorjahr bei einer Diskussion zum Thema innere Sicherheit. Eine Haltung, die Holzkirchens Dritter Bürgermeister noch immer vertritt. „Diese Laien machen mehr Arbeit, als dass sie etwas bringen“, bemängelt er. Sein Ansatz ist ein anderer: „Die Polizei sollte das Personal kriegen, das sie braucht. Mit Laien-Kräften können wir das nicht ausgleichen.“ Sollte die Sicherheitswacht im Marktgemeinderat aufschlagen, werde sich seine Fraktion „eindeutig dagegen“ aussprechen.

Ob es überhaupt so weit kommt, stellt sich erst noch raus. Bislang befürwortet lediglich der CSU-Ortsverband die Einführung einer Sicherheitswacht. Vorsitzender Sebastian Franz vertritt die CSU aber auch im Gemeinderat und will das Thema an seine Fraktionskollegen weitergeben. „Dann klärt sich, inwieweit die Fraktion den Wunsch mitträgt“, sagt Franz. Aus seiner Sicht spricht wenig gegen eine Sicherheitswacht. Ein weiterer Vorteil: „Es kostet den Markt nichts – außer die Zustimmung.“

fp

Rubriklistenbild: © Ursula Baumgart

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