Yvonne Lindenbauer sitzt mit ihrer Kamera vor einem Bildschirm.
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Unwiederholbare Momente nimmt Yvonne Lindenbauer aus Fellach mit ihrer Kamera auf. Sie fotografiert Sternenkinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Sie macht das ehrenamtlich.

Zum Totensonntag

Das erste und das letzte Bild

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Yvonne Lindenbauer (40) aus Fellach fotografiert ehrenamtlich Sternenkinder. Also Babys, die vor, während oder nach ihrer Geburt sterben. Sie möchte damit den Eltern eine bleibende Erinnerung schenken. Immerhin ist es das erste und das letzte Bild.

  • Yvonne Lindenbauer fotografiert Sternenkinder, die vor, während oder nach der Geburt gestorben sind.
  • Die Fotografin ist ehrenamtlich tätig.
  • Ein Foto von dem verstorbenen Kind hilft Eltern oft, ihre Trauer zu bewältigen

Fellach – Ihr zweiter Einsatz ging Yvonne Lindenbauer besonders nah. Die ältere Schwester, drei Jahre alt, hielt das tote Brüderchen im Arm. „Sie hat es wie ein Püppchen gestreichelt“, erinnert sich die 40-Jährige. Dann hat das Mädchen gesagt: „Mama, das Baby hat Hunger.“ Und als danach auch noch der Pfarrer bei der Segnung im Krankenhaus erklärte, dass manche Kinder besonders früh in den Himmel kommen, dann kullerten bei Lindenbauer die Tränen hinter der Kamera. Beeindruckt hat sie, wie offen und mit welcher Stärke die Eltern mit dem tragischen Schicksal umgegangen sind. „Sie waren trotz aller Trauer so fürsorglich zu ihren anderen beiden Kindern.“

Sternenkinder-Fotografin ist ehrenamtlich tätig

Lindenbauer, die seit Kurzem in Fellach lebt und hauptberuflich als Teamassistentin bei einer Softwarefirma arbeitet, geht einer eher ungewöhnlichen Tätigkeit nach: Sie fotografiert seit gut einem Jahr Sternenkinder. Also Kinder, die vor, während oder kurz nach ihrer Geburt sterben. Die 40-Jährige, die nebenberuflich als Fotografin tätig ist, macht das ehrenamtlich im Namen der Stiftung „Dein Sternenkind“, die europaweit aktiv und die ein Zusammenschluss von Fotografen ist.

Fotografin: „Ich möchte den Eltern eine bleibende Erinnerung schenken.“

Von anderen Kollegen hatte Lindenbauer erfahren, dass es das mit der Sternenkinder-Fotografie gibt. Lange, fast zwei Jahre, hat sie mit sich gerungen. „Schließlich ist es schon eine emotionale Belastung.“ Die gebürtige Thüringerin ist immerhin selbst Mutter eines Sohnes, ihr Lebensgefährte brachte zwei weitere Kinder mit in die Partnerschaft. Am Ende aber siegte ein Wunsch in ihr: „Ich möchte den Eltern einfach eine bleibende Erinnerung schenken“, erklärt Lindenbauer. Schließlich handele es sich um „unwiederholbare Bilder“. Bei einer Hochzeit zum Beispiel könne man den Ringtausch oder den innigen Kuss notfalls noch mal nachstellen. „Das geht mit den Sternenkindern nicht.“ Da muss es zügig gehen, denn es ist ein Wettlauf mit der Zeit. „Der Verfallsprozess verläuft bei den Babys sehr schnell“, sagt Lindenbauer. „Die Haut reißt leicht ein.“

„Das erste und das letzte Bild“

Verstirbt ein Ungeborenes oder Neugeborenes in einem Krankenhaus in der Umgebung – einmal gab es einen Einsatz im Krankenhaus Agatharied –, werden die Sternenkinder-Fotografen informiert. Oft auch nachts. Natürlich nur, wenn die Eltern das wollen. „Aber die meisten Eltern wollen diese Erinnerung haben“, erzählt Lindenbauer. Ein Zitat der Sternenkind-Stiftung bringt es auf den Punkt. Es ist: „Das erste und das letzte Bild.“

Vor Ort müsse man natürlich sehr behutsam vorgehen. „Ich knips da nicht wild umher“, betont Lindenbauer. Der Blitz bleibe aus, um die Familien nicht aufzuschrecken. Die Stiftung nehme daher nicht jeden Fotografen, es gebe ein strenges Bewerbungsverfahren. Lindenbauer wickelt die Kinder meist in ein Tuch ein, bringt häufig eine Blume der Saison mit. „Damit man sieht, in welcher Jahreszeit das Kleine geboren wurde.“ Nach anfänglichen Berührungsängsten legt sie das Kleine den Eltern in den Arm. Wenn sie es schaffen.

Fotos helfen bei der Trauerbewältigung

Lindenbauer weiß: „Das ist nach wie vor ein Tabuthema.“ Aber für viele Eltern sei es für die Trauerbewältigung wichtig, Fotos zu haben. Diese würden dann ins Wohnzimmer oder über den Kamin gehängt. Immerhin sieht es so aus, als wären schlafende Babys darauf abgebildet.

Sternenkind Milan Atreju Angelo mit Mama Maria.

Die Leute aus ihrem Bekanntenkreis und aus der Familie reagieren meist überrascht, wenn Lindenbauer von der Sternchen-Fotografie erzählt. „Aber die Reaktionen sind immer positiv.“ Eine Freundin sagte zu ihr: „Wow, Yvonne, ich finde es fantastisch, was du da machst.“ Zu zwölf Sternenkindern – darunter ein Zwillingspaar – ist Lindenbauer schon ausgerückt. „Manchmal komme ich nach Hause, dann trinke ich ein Glas Wein.“ Spurlos gehen solche Schicksale nicht an der Sternenkind-Fotografin vorbei.

Weitere Infos gibt es im Internet auf: www.dein-sternenkind.eu

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