Der Humor ist geblieben: Kathrin Robinson kämpft nach einer Covid-Erkrankung darum, ihren Geruchs- und Geschmackssinn wieder zu erlangen.
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Der Humor ist geblieben: Kathrin Robinson kämpft nach einer Covid-Erkrankung darum, ihren Geruchs- und Geschmackssinn wieder zu erlangen.

Ein Stück Lebensqualität verloren

Monate nach Infektion: Oberbayerin leidet unter Long Covid - „Das meiste schmeckt nach Pappe“

Nichts mehr riechen, nichts mehr schmecken – der Verlust dieser beiden Sinne gilt als häufige Long-Covid-Erkrankung. Wie gehen Betroffene damit um? Eine Holzkirchnerin (37) berichtet.

Holzkirchen – „Das meiste, das ich esse, schmeckt nach Pappe. Der Rest, besonders Joghurt und Paprika, schmeckt verdorben und faulig.“ Kathrin Robinson (37) sitzt in einem Café und erzählt. Von ihrer Corona-Infektion, vor allem aber über deren Folgen, unter denen sie bis heute leidet: Seit acht Monaten kann sie kaum mehr riechen und schmecken; ihr Mann hatte die gleichen Symptome, bei ihm waren sie bald wieder weg. Sie nippt an einem Milchkaffee. „Der schmeckt irgendwie nach Milch, immerhin“, sagt sie.

Long-Covid: „Wenn man nichts mehr riecht und schmeckt, vergeht die Lust am Essen und Trinken“

Kathrin Robinson ist Mutter von zwei kleinen Buben, ein und drei Jahre alt. Die Holzkirchnerin ist eine schlanke, sportliche Erscheinung, wirkt lebensfroh. Doch sie hat ein Problem. „Wenn man nichts mehr riecht und schmeckt, vergeht einem die Lust am Essen und Trinken“, sagt sie. Ein Stück Lebensqualität ist verloren. Wie sehr Essen und Trinken das Leben bereichern, habe sie erst jetzt begriffen. „Da macht man sich ja vorher kaum Gedanken.“ Es klingt nicht verbittert, eher ärgerlich.

Kurz nach Weihnachten schlug das Coronavirus zu

Kathrin Robinson leidet an einer Long-Covid-Erkrankung. Wie viele andere, die unter den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion leiden, macht ihr insbesondere der Verlust des Geschmacks- und Riechvermögens zu schaffen. Die Holzkirchnerin ist keine Ausnahmeerscheinung: Experten schätzen, dass etwa die Hälfte der Corona-Patienten solche Störungen entwickeln. Ein Trost ist das nicht.

Long-Covid: Etwa die Hälfte der Corona-Patienten entwickelt Störungen

„Wir haben das Virus immer ernst genommen“, betont Robinson, die in Teilzeit für eine Münchner Personalberatung arbeitet. Die Familie habe sich an alle einschlägigen Vorgaben gehalten. Kurz nach Weihnachten 2020 erwischte es die 37-Jährige aber doch: 14 Tage Quarantäne für die ganze Familie. Anfangs litt Robinson unter Atembeschwerden, Kopfschmerzen und einem Druck auf der Brust. Da machte ihr, die viel Sport treibt, sogar Treppensteigen Probleme. „Wie eine schwere Erkältung fühlte sich das an.“ Nach ein paar Tagen war das vorbei.

Doch Schmecken oder Riechen – das kam nicht wieder. „Anfangs habe ich gedacht, das geht schon wieder weg.“ Ging es jedoch nicht. Nach vier Wochen wandte sich die Holzkirchnerin an eine befreundete Logopädin, die ihr ein „Geruchs-Set“ mit vier Düften empfahl: Gewürznelke, Rose, Limone und Eukalyptus. Damit wird bis heute zweimal täglich trainiert: „Ich rieche daran und spreche die Geruchsbezeichnung laut vor mich hin.“ So sollen Geruchssinn und in Folge auch Schmecken wieder erlernt werden. „Das Ganze wirkt etwas komisch, manchmal muss ich über mich selber lachen“, gibt sie zu.

Long-Covid: Kochen wird zur Trockenübung - „Koche aus der Erinnerung heraus“

Erste Erfolge haben sich eingestellt. „Aber es ist sehr mühselig“, sagt Robinson, „jede Verbesserung bleibt einige Wochen auf einem Niveau, bis es dann ein Stück besser wird. Niemand weiß, ob die kleinen Fortschritte dem Geruchs-Set zu verdanken sind – oder einem natürlichen Heilungsprozess.

Auch wenn Geschmacksnerven und Nase noch nicht richtig funktionieren, ihren Humor hat die Holzkirchnerin behalten. „Wenn ich schon nichts schmecke, kann ich zumindest gesund essen“, erzählt sie. Vitaminreiche Kost, viel Obst – kann ja nicht schaden. „Salz? Merkt man nicht. Also kann ich’s beim Kochen auch weglassen.“

Überhaupt das Kochen, es wird zur Trockenübung. „Ich koche quasi aus der Erinnerung heraus, nach dem Motto: Könnte so passen“, berichtet die 37-Jährige. Das geliebte Glas Rotwein am Abend – schmeckt ja nach nichts mehr. „Da spare ich mir doch die Kopfschmerzen am nächsten Tag“, lacht sie. Mitunter braucht Kathrin Robinson Vorkoster: „Ich rieche oder schmecke ja nicht, ob etwa die Milch für den Kaffee schlecht ist.“ Da müssen im Büro auch mal Kollegen ran, als Vorriecher und Vorkoster.

Die Mutter eines Wickelkinds kann sich zudem nicht mehr auf die Nase verlassen, um festzustellen, ob der Sohnemann die Windeln voll hat. Da helfen nur regelmäßige Kontrollen. Manchmal, sagt die Holzkirchnerin, freue sie sich richtig über kleine Erfolgserlebnisse. Neulich schüttete sie Waschmittel in die Maschine. „Und für einen kurzen Moment habe ich doch wahrhaftig das Pulver gerochen, dieses Chemie-Aroma. Solche Augenblicke sind unbeschreiblich.“ VOLKER CAMEHN

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