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Wie verändert „Industrie 4.0“ unsere Arbeitswelt? Darüber diskutierten (v. l.) Thomas Mandl (Vhs), Harald Klimenta (Wachstumskritiker), Norbert Huchler (Institut für Sozialforschung) , Alexander Schmid (SMG) und Sebastian Roloff (IG Metall).

Diskussionsrunde der Volkshochschule

Schöne neue digitale Arbeitswelt?

Holzkirchen - Vierte industrielle Revolution: Hinter diesen wuchtigen Worten verbirgt sich die Arbeitswelt der Zukunft. Mache Berufe werden überflüssig, neue entstehen. Die Digitalisierung wälzt alles um. Doch wo bleibt der Mensch? Die Volkshochschule Holzkirchen organisierte zu diesem aktuellen Konflikt eine illustre Diskussionsrunde.

Neben Migration sei Digitalisierung „das Megathema der Zeit“, betonte Thomas Mandl, Leiter der Volkshochschule (vhs) Holzkirchen-Otterfing, in seiner Einführung. Um den Menschen die Kompetenz zu vermitteln, selbstbestimmt in einer digitalisierten Welt bestehen zu können, widmet sich die vhs in diesem Semester besonders der Frage, wie die Digitalisierung der Wirtschaft die Arbeitswelt verändert. 

Zum Auftakt trafen sich im vhs-Foyer Norbert Huchler (Institut für Sozialforschung), Harald Klimenta (Attac und Wachstumskritiker), Alexander Schmid (Geschäftsführer der Standort-Marketinggesellschaft Landkreis Miesbach) und Sebastian Roloff (Jurist bei der IG Metall) zu einer munteren Diskussionsrunde. Vor knapp 40 Zuhörern, laut Mandl „etwas mehr als sonst“, entspann sich eine gehaltvolle Diskussion. 

Nach Dampfmaschine, Fließband und Elektronik (IT) sehen Experten unsere Gesellschaft vor der vierten industriellen Revolution. „Industrie 4.0“ bedeutet digitalisierte Industrie, die gekennzeichnet ist von individualisierten Produkten und effizienten Wertschöpfungsketten. Mensch, Maschine, Logistik und Produkt kommunizieren und kooperieren, maximale Flexibilität ist das Maß aller Dinge. 

Spielt der Mensch hier überhaupt noch eine nennenswerte Rolle? Und wer steuert das alles? Eine große Rolle spiele Google und dessen „lineares Computerdenken“, sagt Wachstumskritiker Klimenta. Zukunftsfähig sind aus seiner Sicht soziale Berufe, „die Maschinen nicht übernehmen können“. Roloff sieht Gesetzgeber und Tarifparteien in der Pflicht, auch was Datensicherheit und Arbeitsschutz anbelangt. „Aber welche Macht hat Europa noch, wenn Abkommen wie TTIP und CETA in Kraft treten?“, fragte Klimenta.

Roloff vertraut diesbezüglich auf das „austarierte Rechtssystem“ Deutschlands. Er warnt davor, sich bange machen zu lassen. Schon bei der Globalisierung sei der Untergang prophezeit worden. „Digitale Technik ist neutral“, ergänzte Sozialforscher Huchler. Navis etwa könnten durchaus abhängig von Technik machen – oder aber didaktisch so funktionieren, dass sie Raumgefühl fördern. Den Schulen falle die Aufgabe zu, Medienkompetenz zu fördern, um Systemmechanismen zu erkennen und Manipulation zu durchschauen.

Was Jugendlichen raten bei der Berufswahl? Neigung und Job sollten möglich zueinander passen, das hält Peter Voß, Leiter der Agentur für Arbeit Holzkirchen, für entscheidend. „Denn wir brauchen alle, auf allen Ebenen“, ergänzte Huchler. SMG-Chef Schmid hat schon einen Gegentrend ausgemacht. „Analog ist das neue Bio.“ Wachstumskritiker Klimenta wünscht sich in jedem Fall „eine kritische, aufgeweckte Zivilgesellschaft“, um sich nicht von digitalen Welten beherrschen zu lassen.

Analoge Diskussionsräume zu öffnen, vor Ort aktiv zu sein – daran werde die Volkshochschule mitwirken, versprach Mandl: „Mit der Veranstaltungsreihe ist das Thema sicher nicht abgehakt.“ (jow)

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