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Corpus delicti: Die drei Dachgauben im Holzkirchner Gewerbegebiet beschäftigten Bauherr, Landratsamt und Marktgemeinderäte.

Im Gewerbegebiet

Drei Gauben, reichlich Scherereien

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Weil die Dachgauben wahrscheinlich vor Jahrzehnten nachträglich und ohne Genehmigung gebaut wurden, soll der neue Eigentümer des Hauses sie abreißen. Der Marktgemeinderat kann das nicht verstehen.

Holzkirchen – Dies ist die Geschichte dreier Dachgauben. Deren schiere Existenz sorgte zuletzt für schlaflose Nächte, eine behördliche Beseitigungsanordnung, jede Menge Unverständnis bei Marktgemeinderäten und einen Hauch von Zornesröte. Doch von vorne.

Vor gut drei Jahren übernahm Martin Neumeier das gleichnamige Planungsbüro von seinem Vater. Und mit dem Betrieb den Firmensitz an der Raiffeisenstraße im Holzkirchner Gewerbegebiet, den der Senior vor 35 Jahren gebaut hat. Und der, naja, nahm es beim Bau damals offenbar nicht ganz so genau. Oder wie es Martin Neumeier formuliert: „Mein Vater war einer vom alten Schlag.“ Nachdem er jedoch die Geschäfte übernommen hatte, wollte Neumeier „die Mängel von früher aus der Welt schaffen“.

Beim Landratsamt beantragte er 2014 einen Umbau und eine Nutzungsänderung für Lagerflächen. Bei der Überprüfung des Antrags fiel ein ganz anderer Teil des Gebäudes ins Auge: die Gauben auf dem Dach. „Sie sind im Antrag als ,bestehend‘ dargestellt, jedoch nicht als ,genehmigt‘“, erklärt Landratsamtsprecher Birger Nemitz auf Anfrage. Die Gauben sind demnach ohne Genehmigung errichtet worden und widersprechen dem gültigen Bebauungsplan. Im Dezember vergangenen Jahres verschickte die Behörde eine Beseitigungsanordnung, mit der Bitte die Schwarzbauten „sofort“ zu entfernen.

Als Neumeier den Brief in Händen hielt, konnte er nicht glauben, was er las. „Ich bin mit dem Willen an die Sache ran, alles in Ordnung zu bringen, und dann fällt mir das hinten so drauf“, sagt der Geschäftsführer des Planungsbüros. Es folgten „schlaflose Nächte“ und ein Hilferuf an die Marktgemeinde.

Dort stellte ihm das Rathaus eine Änderung des Bebauungsplans hinsichtlich der Festsetzung der Dachgestaltung in Aussicht. „Wir können es uns grundsätzlich vorstellen“, sagte Josef Walser, Leiter des Bauamts, nun im Bauausschuss. Am Beschluss gab es aus Sicht der Marktgemeinderäte auch nichts zu rütteln. Die Beseitigungsanordnung des Landratsamts löste hingegen eine Mischung aus Sarkasmus, Unverständnis und Wut aus.

„Mir treibt es da ja die Zornesröte ins Gesicht“, polterte Herbert Gegenfurtner (CSU). Jahrzehntelang hätten die Gauben niemanden gestört. Wann die überhaupt aufs Dach gesetzt wurden, weiß eh keiner so recht. Das Landratsamt ist sich aber sicher: nachträglich. Kann sein, meint Neumeier: „Aber bestimmt zu D-Mark-Zeiten, auf jeden Fall bevor ich eingestiegen bin.“

Hans Putzer von der SPD räumte zumindest ein, dass „mir die nie aufgefallen sind“. Was wohl auch der Lage im Gewerbegebiet geschuldet ist. „Da haben wir ein sehr unterschiedliche Dachlandschaft“, sagte Bauamtsleiter Walser.

CSU-Fraktionsvorsitzender Christoph Schmid konnte den Gauben sogar etwas Positives abgewinnen. Für die Betriebswohnung im Dachgeschoss steige so die Wohnqualität. Ein nachträglicher Abriss sei „komplett idiotisch“ (Schmid) und hätte eine „wahnsinnig teure Flickerei“ (Gegenfurtner) zur Folge. Das sei schlicht unterverhältnismäßig, so der Tenor im Gremium, das der Änderung des Bebauungsplans einmütig zustimmte: Der Gauben dürfen bleiben.

Sehr zur Erleichterung von Neumeier, der in die Sitzung gekommen war. „Das ist die richtige Entscheidung. Es ist ja weit vor meiner Zeit gebaut worden“, sagte er. Einen Groll hegt er trotz aller Scherereien nicht. „Das Landratsamt hat ja nur richtig gehandelt.“

fp

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