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Gefährlicher Übergang: An der Fußgänger-Drückampel in der Tölzer Straße – hier das Vorsignal – rauschen regelmäßig eilige Pendler bei Rot drüber. 

Polizei sieht keinen Handlungsbedarf

Über diese Schüler-Ampel brettern Autofahrer konsequent bei Rot

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Wenn’s pressiert, gibt’s kein Halten mehr: Offenbar rauschen viele Autofahrer bei Rot über die Fußgänger-Ampel in der Tölzer Straße. Wie lässt sich die Unvernunft bremsen?

Holzkirchen – Stefan Scheel wohnt in der Tölzer Straße, er hat an der Drückampel in der Tölzer Straße schon einige haarsträubende Situationen erlebt. „Die Autofahrer preschen dort kolonnenweise bei Rot drüber“, berichtet der Familienvater. Um 6 Uhr schaltet die Signalanlage ein. Wenn dann die Pendler aus Richtung Tölz schnell zum Holzkirchner Bahnhof müssen, „werden sogar Schülerlotsen fast angefahren“, schimpft Scheel.

„Können wir leider nur bestätigen“, sagt Robert Haunschild, Geschäftsleiter im Rathaus, „es gibt vereinzelt solche Vorfälle.“ Das betreffe sogar beide Ampeln in der Tölzer Straße, die besagte an der Einmündung der Holzstraße und Hirschbergstraße sowie die Ampel am Kleeblatt-Eck gleich neben dem Marktplatz. Kaum ein Schülerlotse könne allerdings, neben seiner eigentlichen Aufgabe, das Kennzeichen notieren und die Sünder zur Anzeige bringen. „Einige scheuen auch den Aufwand“, glaubt Haunschild, „man weiß ja nicht, ob das überhaupt was bringt.“

Die Polizei gehe jeder Anzeige nach, verspricht Wiebke Reinwarth, Verkehrsexpertin bei der Holzkirchner Polizei. Jeder Bürger könne Anzeige erstatten, nicht nur Schülerlotsen. Wichtig seien das Kennzeichen und eine Fahrerbeschreibung. Mehrfach sei auch die Polizei an besagter Ampel gestanden; sogar versteckt lagen die Ordnungshüter schon auf der Lauer. „Akute Verstöße haben wir dabei aber nicht festgestellt.“ Reinwarth vermutet, dass womöglich die Zeitspanne der Alles-Rotphase für Fußgänger und Autofahrer mit zwei Sekunden zu kurz bemessen ist. „Vielleicht würde sich die Situation entspannen, wenn man diese Phase verlängert.“

Wie Matthias Geitz vom zuständigen Straßenbauamt Rosenheim mitteilt, wurde die Ampelanlange im Jahr 2010 neu justiert, speziell um Fußgänger besser zu schützen. Die Leuchtkreise bekamen einen Durchmesser von 30 statt wie üblich 20 Zentimeter. Fußgänger haben bei einem Umlauf von 60 Sekunden eine zehnsekündige Grünphase, dazu noch eine Sekunde Schutzzeit, drei Sekunden Gelbphase und eine Sekunde Gelb-Rot. Andererseits heißt das: Neben der Vollrot-Phase muss der Autofahrer auch während einer fünfsekündigen Übergangs-Schutzzeit stehen. „Dies ist mehr als üblich“, stellt das Straßenbauamt fest.

Eine zusätzliche Verbesserung der baulichen Situation ist laut Geitz im Herbst geplant. Die Ampel wird mit einem akustischen Signal für sehbehinderte Menschen nachgerüstet. „Dabei stellen wir die Beleuchtung auf LED um“, sagt Geitz, „das dürfte die Sichtbarkeit noch erhöhen.“ Außerdem wird der Haltebalken für Autofahrer, der nach dem Ausbau der Tölzer Straße vor wenigen Jahren zu nah an den Übergang rückte, wieder um 1,50 Meter zurückgesetzt.

Eine Blitzampel zu installieren, die Rotsünder systematisch erfasst, würde die Situation sicher verbessern, glaubt Haunschild. „Es kommt auf den Preis an, aber die Gemeinde würde eine Finanzierung sicher grundsätzlich in Erwägung ziehen.“ Eine dringende Handlungsempfehlung seitens der Polizei wird es dafür aber nicht geben, macht Wiebke Reinwarth deutlich. „Wir haben hier über den Tag gesehen insgesamt zu wenige Fußgänger.“ Die Nutzung konzentriere sich hauptsächlich auf eine kurze Zeitspanne am Vormittag. „Und einen Unfallschwerpunkt sehen wir auch nicht.“

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