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Ausschnitte aus zehn Jahren: (im Uhrzeigersinn ab oben l.) die Geothermie Holzkirchen, die beklagte Bäuerin Regina Killer mit ihren Rindern, die Baustelle Klosteranger in Weyarn, der Flugzeugabsturz in Warngau, das staatliche Gymnasium Holzkirchen und der Blick ins Dachgewölbe der neuen Kirche St. Josef.

Zum Beginn der 2020er-Jahre

Ein Jahrzehnt im Zeitraffer: Unser großer Rückblick für den Raum Holzkirchen

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Mit der Silvesternacht beginnt auch ein neues Jahrzehnt. Wir nutzen das Ende der 2010er-Jahre für einen großen Rückblick. Wie hat sich der Raum Holzkirchen verändert?

Holzkirchen & Umgebung – Die 2010er-Jahre waren um Holzkirchen geprägt von enormer Bautätigkeit. Neue Firmen siedelten sich an, andere erweiterten. Der Wandel in der Region bedeutet eine Herausforderung für die Infrastruktur. Ein Streifzug durch diese Entwicklung – und einige eindringliche Ereignisse der vergangenen zehn Jahre.

HEP-Eröffnung

Im Juli 2010 eröffnet das Holzkirchner Einkaufsparadies. Ein großer Schub für den Einkaufsort Holzkirchen, aber auch eine Konkurrenz, die Einzelhändler im Ort kritisch sehen. Im Mai 2019 wird es Schauplatz eines Großeinsatzes der Polizei. Schuld ist eine – zum Glück leere – Bombendrohung.

Sportzentrum Otterfing

Eine Mehrheit der Otterfinger wünscht sich das neue Sportzentrum weiter am alten Standort Nordring: 1580 Bürger (72 Prozent aller abgegebenen Stimmen) votieren beim Bürgerentscheid 2015 für den Vorschlag der Bürgerinitiative – und damit gegen eine Verlagerung an die Kreuzstraße. Doch am Nordring geht nichts vorwärts. Es fehlt Platz, die Finanzierung ist schwierig, der Lärmschutz bremst. Derzeit plant die Gemeinde, einen zweiten Sportstandort zu eröffnen: Am Skaterplatz soll eine Sporthalle entstehen.

Gymnasium und FOS

Der Wunsch ist Jahrzehnte alt, 2014 wird er Wirklichkeit. Die Neubauten des staatlichen Gymnasiums Holzkirchen sowie der Fachoberschule (FOS) Holzkirchen sind fertig. Das Gymnasium startet mit den Jahrgängen 5 bis 7, die FOS war bereits zuvor in Containern an der Krankenhausstraße untergebracht. Am Schulkomplex sorgt im März 2017 ein an der FOS ausgelöster Amokalarm für einen Großeinsatz – auch hier falscher Alarm.

Kuhglockenstreit

Erst jüngst hat der Bundesgerichtshof den Revisionsantrag abblitzen lassen. Begonnen hat der „Holzkirchner Kuhglockenstreit“ aber schon 2015. Ein Neubürger in Erlkam stört sich an den Glocken und dem Gestank der benachbarten Weide. Beklagt sind die Föchinger Bäuerin Regina Killer und die Marktgemeinde Holzkirchnerin als Verpächterin der Weide, die nicht klein beigeben. Erst klagte der Nachbar, nach einem Vergleich vor dem Amtsgericht Miesbach seine Frau – bislang ohne Erfolg.

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Geothermie

Ein wagemutiges Projekt und das größte und teuerste des Jahrzehnts im Landkreis: Im Mai 2015 gibt der Gemeinderat sein Grundsatz-Ja für den Bau der Geothermie Holzkirchen – trotz diverser Unwägbarkeiten. Tatsächlich schlagen zwei Bohrungen fehl, ehe im März 2017 der Durchbruch erfolgt: Die Gemeinde stößt auf 145 Grad heißes Wasser, 55 Liter pro Sekunde. Seit Herbst 2018 liefert die Anlage Wärme, im Juli 2019 speist die Geothermie erstmals Strom ins Netz ein. Ein nachhaltiges 60-Millionen-Euro-Projekt.

Ausbau der B 318

2019 wird der vierspurige Ausbau der B 318 von der Autobahn bis zur Abfahrt ins Holzkirchner Gewerbegebiet-Ost fertig, genau zehn Jahre nach Eröffnung der Holzkirchner Nordspange. In Warngau wird Ende Juli 2018 nach 23 Monaten Bauzeit, knapp neun Millionen Gesamtbaukosten für Bund und Gemeinde und jahrzehntelangem Ringen der Tunnel für die tiefergelegte B 318 eröffnet.

Gewerbe, Gewerbe

Schneller als gedacht wird das neue Holzkirchner Gewerbegebiet Nord am Fichtholz bei Föching ab 2012 vermarktet und bebaut. Das Gros sichert sich der Technologie-Riese Bosch, der das Entwicklungszentrum der Sparte Bosch Engineering aufzieht. Allein dort werden 900 neue Arbeitsplätze entstehen. Auch das Otterfinger Gewerbegebiet wächst, 2017 eröffnet der Sportartikel-Versandhändler Bergzeit seinen neuen Firmensitz. In Oberlaindern eröffnet Oped 2012 den Medizinpark I und legt 2018 mit dem Medizinpark II nach – wobei bei Erdarbeiten 2017 eine Weltkriegsbombe auftaucht. Das Fraunhofer Institut in Oberlaindern baut seit 2013 groß aus.

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Wohnen, wohnen, wohnen

Für Weyarn bedeutet die Bebauung des Klosterangers (Beginn 2013) einen merklichen Wandel des Ortsbilds. In dem Quartier mit Mehrgenerationen-Projekt, Reihen-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern werden einmal 300 Menschen wohnen – und den ersten großen Supermarkt bekommt die Gemeinde auch. Nach Norden wächst derweil Holzkirchen mit dem Wohngebiet Inselkam-Maitz. Die Bodenrichtwerte steigen und steigen derweil nicht nur im Raum Holzkirchen. Vielerorts im Landkreis hatten sie sich von 2010 bis 2017 schon nahezu verdoppelt.

Die neue Kirche St. Josef

2018 bekommt die katholische Kirchengemeinde ein neues Gotteshaus: St. Josef wird eingeweiht. Der Neubau für knapp elf Millionen Euro besticht mit einer einzigartigen Architektur. 2011 war die alte Kirche aus den 1960ern von einem Tag auf den anderen wegen statischer Mängel am Dach gesperrt worden. Eine Hiobsbotschaft, die den damaligen Pfarrer Anton Tulbure, der seiner Berufung 2013 den Rücken kehrt, um zu heiraten, und die Gläubigen kurz vorm Advent eiskalt erwischte.

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Flugzeugabsturz

Das Spektakel endet in einer Tragödie: Am 18. September 2010 kollidieren während eines Formationsflugs bei den Oldtimer-Flugtagen in Warngau zwei Sport- und Kunstflugzeuge. Eines stürzt ab, schlägt am nahen Bahnübergang auf einer Wiese ein – wenige Meter neben Wohnhäusern. Die Maschine geht in Flammen auf, der Pilot (47) kommt ums Leben. Der Pilot des zweiten Flugzeugs kann notlanden. Der Schock sitzt auch beim Motorfliegerclub tief. Seither hat er keine Flugtage mehr organisiert.

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Wiederbelebung Brauerei

Über zwei Jahrzehnte lang ist am Schlossberg in Valley kein Bier mehr gebraut worden. 2017 belebt die Graf-Arco-Brauerei die jahrhundertealte Tradition wieder. Nach Sanierung und Umbau eröffnet der Schlossbräu. Und braut.

Von Katrin Hager

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