Bei einem Ortstermin erläuterte Architekt Professor Michael Gaenssler (2.v.l.) die Pläne für den neuen Friedhofsanbau und die Aussegnungshalle.

Bauarbeiten laufen

Ein Park für die letzte Ruhe: Friedhof an der Thanner Straße wird vergrößert

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Der Friedhof an der Thanner Straße in Holzkirchen wächst – und bekommt endlich eine Aussegnungshalle. Die Bauarbeiten sind voll im Gange. Der Abschluss des Viertel-Jahrhundert-Projekts naht.

Holzkirchen – Ein Friedhof ist ein Ort der Ruhe, ein Ort des stillen Gedenkens. Auf dem Friedhof an der Thanner Straße in Holzkirchen herrscht seit Wochen allerdings reger Betrieb, nicht auf dem alten Teil, sondern nebenan. Dort, wo der neue Part entsteht. Nach langen Planungen nimmt die Erweiterung des Friedhofs Form an. Die Baugrube ist ausgehoben, mittig zeichnet sich die Fläche ab, auf der das langersehnte Herzstück platziert wird: die Aussegnungshalle samt Sakristei.

An gleicher Stelle präsentierte Architekt Professor Michael Gaenssler bei einer Baustellenbesichtigung die Pläne. Die Wände der ellipsenförmigen Aussegnungshalle bestehen aus Nagelfluh, im Inneren werden weiß geschlämmte Ziegel verbaut. Der Raum ist lose bestuhlt, der transportable Altar bietet Menschen anderer Konfessionen die Möglichkeit, ebenfalls Trauerfeiern abzuhalten. Nach Süden öffnet sich die Halle dank bodentiefer Glasfenster und ermöglicht einen schier kitschigen Blick auf die Alpen. Nach der Zeremonie kann die Trauergemeinde den Raum mit dem Sarg auf der Südseite verlassen und betritt den Friedhof.

Die Außenanlagen sind bedacht durchgestaltet. „Es ist ein Park für Bestattungen“, beschreibt Landschaftsarchitekt Wolfgang Ritz das Konzept. Viel Grün, Bäume und Bänke, die zum Verweilen und Ausblick-Genießen einladen. Entlang der Wege finden sich Grab-Bereiche, die über die klassische Erdbestattung hinausgehen. „Die Bestattungskultur hat sich verändert“, erklärt Ritz. Urnenbegräbnis liegen demnach im Trend. Neben der Urnenerdbestattung oder Urnenwand – eine weitere entsteht im alten Teil – können Hinterbliebene die Überreste des Verstorbenen auf dem Friedhof künftig in der Natur beisetzen. Wahlweise rund um eine Baumreihe am südlichen Grundstücksrand oder in einem der Blumenbeete daneben. „Die Gräber werden von einem Gärtner gemeinschaftlich gepflegt“, sagte Ritz. Mit diesem Angebot komme man „dem Wunsch der Leute nach, im unmittelbaren Umfeld der Gemeinde in der Natur bestattet werden zu können“. Auch ein Vorteil für die Angehörigen. „Sie haben einen Ort, wo sie ihre Trauer verorten können.“

Mit der Erweiterung verdoppele sich die Kapazität des Friedhofs in etwa. Auf dem neuen Teil kommen 220 Erdgräber, 47 muslimische Gräber und rund 300 Urnengräber hinzu sowie 20 Parkplätze. Für totgeborene Kinder gibt es einen Gedenkort in der Mitte des Friedhofs, abgeschirmt von einer runden Hecke und versehen mit einer Stele als Ort der Erinnerung (M.).

Nördlich der Blumenbeete ist das muslimische Bestattungsfeld mit einem Becken für rituelle Waschungen angelegt. Eine willkommene Neuerung, findet Bürgermeister Olaf von Löwis. Bislang konnten sich Muslime zwar auf dem Friedhof beerdigen lassen, „aber nicht nach ihren Riten“, sagt Löwis. Die Gräber sind nach Mekka ausgerichtet, wie es der Brauch will. „Deswegen sind wir bei der Anordnung aus dem Raster gegangen“, erklärt Ritz die Unregelmäßigkeit im Bauplan.

Summa summarum 600 neue Gräber stehen auf dem Friedhof nach Abschluss der Bauarbeiten zur Verfügung. Die Erweiterung war dringend notwendig. „Wir sind mit dem bisherigen Friedhof an die Grenzen gestoßen“, sagt Löwis. Grenzen, was den Platz angeht, aber auch Grenzen, was man Trauernden zumuten kann. Nach der Aussegnung am alten Friedhof am Oskar-von-Miller-Platz versammelte sich die Trauergemeinde vor der Beerdigung auf dem Parkplatz an der Thanner Straße, drängte sich unter das schmale Vordach. Unwürdig für Trauerfeiern.

Damit ist 2019 Schluss. „Exakt in einem Jahr“, versprach Architekt Gaenssler, soll der Bau und damit ein Vorhaben abgeschlossen sein, das vor einem Viertel Jahrhundert seinen Anfang nahm. Zur Erinnerung: 1994 rief die Gemeinde einen Ideen- und Realisierungswettbewerb ins Leben, Gaenssler bekam 1997 den Zuschlag. Der erste Teile des Friedhofs samt Nebengebäude wurde angelegt, auf die Aussegnungshalle verzichtetet man ehedem aus Kostengründen vorerst. Mit gut 20-jähriger Verzögerung holt die Marktgemeinde das nun nach. 2,8 Millionen investiert sie laut Löwis in Neubau und Erweiterung.

„Wir sind alle froh, dass wir die Pläne, die sich seit Langem auf dem Schreibtisch getürmt haben, endlich umsetzen können“, sagte der Bürgermeister. Einen Puffer hat sich die Kommune derweil freigehalten. „Die Flächen im Süden gehören uns ebenfalls“, verrät Löwis. Sollte irgendwann, in ein paar Jahrzehnten vielleicht, Bedarf bestehen, könne man theoretisch nachziehen. Kein abwegiger Gedanke. Der neue Friedhof ist schließlich äußerst beliebt. Löwis weiß warum: „Eine Traumlage, schöner geht’s nicht.“

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