Schule daheim: Änny Koll – hier mit Mutter Martina – kommt damit gut zurecht.
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Schule daheim: Änny Koll – hier mit Mutter Martina – kommt damit gut zurecht.

Distanzlernen im Lockdown

Eltern kritisieren Ferien-Absage - digitaler Unterricht läuft „recht gut“

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Distanzunterricht bis Ende Januar und abgesagte Ferien: Es gibt Neuerungen für die Schulen im Landkreis. Betroffen sind davon nicht nur Lehrer und Schüler, sondern auch Eltern.

Holzkirchen – Um die Betreuung muss sich Wolfgang Mulzer keine Sorgen machen – seine Kinder sind bereits 21 und 18 Jahre alt. Dennoch sieht der Elternbeiratsvorsitzende der FOS Holzkirchen die Absage der Ferien Mitte Februar als problematisch an. „Familien haben bereits ihre gemeinsame Zeit geplant, Lehrer wie Schüler arbeiten am Limit“, sagt Mulzer. Er hält es für skandalös, zwischen Weihnachten und Ostern ohne Pause durchpauken zu müssen – „zumal der Distanzunterricht nicht weniger fordernd ist“. Auch hält es Mulzer für fraglich, ob Ministerpräsident Markus Söder tatsächlich für einen solchen Eingriff legitimiert ist. „Weil die Politik momentan nicht genug leistet, um reibungslosen Digitalunterricht zu sichern, müssen Schüler jetzt ihre Freizeit abtreten – das ist nicht fair.“

Elternbeirat fordert Planungssicherheit

Generell hält Mulzer den digitalen Unterricht für einen gangbaren Weg. Probleme gebe es dabei aber noch viele. „Dass die vom Freistaat erworbene Lizenz für die Plattform Microsoft Teams jetzt von Ende 2020 auf April dieses Jahres verlängert wurde, halte ich für zu kurz“, sagt der Vorsitzende. Dateien auf den Servern gingen bei einem Ablauf der Lizenz verloren – „und nicht alle Gemeinden können die Lizenz ihren Schulen aus eigener Tasche weiterfinanzieren“. Hier brauche es Planungssicherheit, um sich auf längeren Digitalunterricht einstellen zu können. Auch die Hygienemaßnahmen in den Schulhäusern sind aus Mulzers Sicht ausbaufähig. „Man könnte über UV-Strahlen gegen die Viren nachdenken.“ Das Lüftungssystem in der FOS sei sehr gut und könnte früheren Präsenzunterricht ermöglichen – wenn es denn Einzelfallentscheidungen gäbe. Und Wechselunterricht mit Live-Übertragung könnte dann funktionieren, wenn die Schule mit ausreichendem Internetzugang ausgestattet wäre. „Und das ist an der FOS nicht der Fall, obwohl es eine der modernsten Schulen im ganzen Landkreis ist. Hier braucht es politischen Druck auf die Netzbetreiber.“ Der FOS steht Mulzer dennoch positiv gegenüber, die Schüler würden auch im Distanzunterricht gut vorbereitet.

Ferienentfall reicht aus Eltern-Sicht nicht um Stoff nachzuholen

Martina Koll, Elternbeiratsmitglied der Oberland Realschule in Holzkirchen, steht den Regelungen für die Schulen gespalten gegenüber. „Meine Tochter Änny besucht eine I-Pad-Klasse der privaten Wirtschaftsschule – da läuft das Digitale recht gut.“ Der Sohn, der die Realschule besuche, sei im ersten Lockdown weniger gut versorgt worden. „Die Schule hat aber deutlich nachgearbeitet, inzwischen gibt es mit Microsoft Teams guten Unterricht.“ Den Ausfall der Faschingsferien bedauert Koll vor allem für die Lehrer: „Die haben zur Zeit ohnehin mehr Arbeit als sonst.“ Dass die Woche für das Aufholen des Stoffs ausreicht, glaubt die Beirätin aber nicht. „Da müssen andere Lösungen her.“ Da Fasching aber aufgrund der Corona-Regeln de facto ausfalle, sei die Ferien-Absage für die Schüler nicht allzu tragisch. „Und insgesamt läuft es mit Distanzunterricht-Stundenplan, der auf Kernfächer konzentriert ist, recht gut.“

Notbetreuung diesmal ohne Bedarfsprüfung

Schulamtsleiter Jürgen Heiß zufolge gibt es Notbetreuung für die erste bis sechste Jahrgangsstufe – diesmal „ohne dezidierte Bedarfsprüfung“. „Sobald Präsenzunterricht wieder möglich wird, soll dieser zunächst an den Grundschulen starten“, so Heiß. nap

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