+
Gemeinsam gegen Umgehungsstraßen: Kämpferisch zeigten sich (v.l.) Lars Hülsmann, Oskar Handow und Fred Langer gestern bei der Pressekonferenz im Hartpenninger Neuwirt. 

„Umgehungsstraßen sind eine Antwort der Vergangenheit“

Endlich weg von der Straße: Oberland-Initiative für Ökologie und Verkehr fordert Masterplan Mobilität

  • schließen

Statt neuer Straßen fordert die Oberland-Initiative für Ökologie und Verkehr einen Masterplan Mobilität für das Oberland. Die Region soll bayernweit zu einer Art Modellprojekt werden.

Großhartpenning Rund 440 000 Menschen, mindestens genauso viele Autos. Dazu eine boomende Großstadt vor der Tür, die nicht nur am Wochenende gerne mal in Legionsstärke vorbeischaut: Das bayerische Oberland ertrinkt im Verkehr. Was tun? Für die Vertreter der Ende 2018 gegründeten Oberland-Initiative für Ökologie und Verkehr wäre schon viel gewonnen, wenn die Politik einen alten Reflex besiegt. „Umgehungsstraßen sind eine Antwort der Vergangenheit“, sagte Oskar Handow, Sprecher der Weilheimer Initiative Heimat 2030, gestern bei der ersten Pressekonferenz des Bündnisses in Großhartpenning.

Statt neuer Straßen fordert die Allianz, in der mittlerweile acht Initiativen vor allem aus dem Landkreis Miesbach an einem Strang ziehen, einen Masterplan Mobilität für das Oberland. Die Region soll bayernweit zu einer Art Modellprojekt werden, in der Züge, Busse und Elektromobilität ihre Potenziale entfalten können. „Ökologie und Verkehr sind neu zu denken“, fordert Lars Hülsmann, Sprecher der Waakirchner Bürgerbewegung Entlastung B 472, auf dessen Betreiben die Allianz geschmiedet worden war.

Bund, Freistaat, Landkreise und Gemeinden müssten endlich ein gemeinsames Konzept entwerfen, sagt Hülsmann. Bisher gebe es eine verwirrende Kakophonie von sich widersprechenden Konzepten mit meist nur vagen Aussagen. „Es braucht ein Konzept und dann klare Priorisierungen von Maßnahmen“, fordert Hülsmann.

Natürlich werde das Geld kosten. Wenn man aber bedenke, dass der Bundesverkehrswegeplan allein für den Landkreis Miesbach 390 Millionen Euro für den Straßenbau vorsehe, für die Schiene indes null Euro, könne man durchaus an Umverteilungen denken, betonte Hülsmann. Und er nannte ein Beispiel: Um den Halbstundentakt bei der Oberlandbahn baulich zu ermöglichen, seien die nötigen Zusatzgleise für 15 bis 20 Millionen Euro zu haben. „Es ist ein Trauerspiel, dass die Elektrifizierung und der 30-Minuten-Takt noch nicht eingetütet sind.“ Nötig wäre viel mehr: ein Viertelstunden-Takt und jede Stunde eine Express-Verbindung. „Spötter sagen, wir sind deswegen das Einzugsgebiet von München, weil stündlich nur ein Zug fährt.“ Und warum nicht über kostenlose Busse nachdenken?

Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) und Umweltminister Thorsten Glauber (FW) ließen die Allianz bisher abtropfen; sie verweigerten ein Gespräch mit dem Hinweis, für Bundesstraßen nicht zuständig zu sein; denn die in Weilheim, Holzkirchen, Waakirchen, Gmund und Bad Tölz geplanten Umgehungsstraßen, gegen die die Allianz zu Felde zieht, sind Trassen von Bundesstraßen. „Einer schiebt’s auf den anderen. Das lassen wir ihnen nicht mehr durchgehen“, sagte Hülsmann kämpferisch. Er hofft, zumal vor den Kommunalwahlen 2020, auf Unterstützung von Lokalpolitikern. „Wir wollen politische Mehrheiten organisieren“, sagt Hülsmann. „Und wir wissen: Wir sind viele.“ Er weiß aber auch, dass der Allianz nicht mehr viel Zeit bleibt: In Weilheim und Holzkirchen stehen heuer Entscheidungen zur Trassierung der Umgehungsstraßen an.

Lesen Sie auch: Neue Taktik: So will die Oberland-Initiative die Südspange verhindern

Wie Fred Langer von der Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße Holzkirchen erklärte, suche man „zeitnah“ das Gespräch mit den Landräten und hoffe auf weitere Unterstützer. „Eventuell reichen wir eine gemeinsame Petition an den Landtag ein.“

Der Weilheimer Oskar Handow ist optimistisch, die Politik davon abhalten zu können, Lösungen weiterhin nur im Straßenbau zu suchen. Das erfolgreiche Bienen-Volksbegehren und die anhaltenden Klimaschutz-Demos der Schüler würden eine deutliche Sprache sprechen. „Da rückt eine Generation nach, die weniger Interesse am Autoverkehr hat.“

Lesen Sie auch: Verkehrsminister lässt Oberland-Initiative abblitzen

Südspange im Fokus

Der Kern der neugegründeten „Oberland-Initiative für Ökologie und Verkehr“ bilden Gruppen, die den Bau einer Holzkirchner Südspange zwischen B 13 und B 318 verhindern wollen. Dazu kommen die beiden Initiativen aus Waakirchen und Weilheim. Zuletzt sind der Bund Naturschutz sowie die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal beigetreten. In Sachen Südspange will das Straßenbauamt Rosenheim heuer vorstellen, auf welcher Trasse weitergeplant wird. Wie Fred Langer von der Bürgervereinigung erklärte, sind dazu im Juni und Juli öffentliche Aktionen der neuen Allianz geplant. „Wir werden uns gegenseitig unterstützen.“ Auch in Weilheim soll die Trasse der Umgehungsstraße heuer endgültig festgezurrt werden. Dort ist bereits am 24. März eine Demonstration geplant.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neues Hotel in Thalham: Hier sind nachtaktive Gäste willkommen
Direkt an der Mangfall gibt es ein neues Hotel. Gedacht ist es für nachtaktive Gäste. Eine alte Netztrafo-Station der Münchner Stadtwerke in Thalham wurde zu einem …
Neues Hotel in Thalham: Hier sind nachtaktive Gäste willkommen
Offenbar eingeschlafen: 84-Jähriger fährt 100 Meter auf Gegenfahrbahn - bis zum Crash
Der Holzkirchner (84) war offenbar eingenickt: Er steuerte sein Auto auf die Gegenfahrbahn, fuhr dort weiter, krachte in einen Holzkirchner und steuerte dann auf einen …
Offenbar eingeschlafen: 84-Jähriger fährt 100 Meter auf Gegenfahrbahn - bis zum Crash
Frau rast mit Rennrad in fahrenden Zug - sie hat großes Glück
An einem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Weyarn und Miesbach übersah eine Rennradfahrerin eine fahrende BOB - und kollidierte mit ihr.
Frau rast mit Rennrad in fahrenden Zug - sie hat großes Glück
Gemeinderat will Bauland für Gewerbe und Wohnen ausweisen
Wo derzeit ein Sägewerk brach liegt, soll bald Platz für Gewerbe und Wohnen entstehen
Gemeinderat will Bauland für Gewerbe und Wohnen ausweisen

Kommentare