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Strom tanken : Für den Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur haben sich die Gemeindewerke bei einem Förderprogramm beworben. 

E-Ladestationen geplant 

Energiewende: „Wir sind am Ende des fossilen Zeitalters“

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Der Energiebeauftragte Wolfgang Kieslich möchte auch in Holzkichen die Energiewende vorantreiben. Unter anderem mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Car-Sharing-Projekten. 

Wolfgang Kieslich ist Energieberater. 

Holzkirchen – Noch dümpeln die Zahlen im kleinen Bereich herum. Im Landkreis sind laut Landratsamt 104 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Bei einem Bestand von fast 90 000 Fahrzeugen liegt der Anteil damit bei nur 0,12 Prozent. Immerhin geht der Trend nach oben: 2015 waren es 51 Exemplare, was eine Steigerung von 104 Prozent ausmacht. Die Zahl der Hybride wuchs in diesem Zeitraum von 135 auf 237. Für Wolfgang Kieslich steht ohnehin fest: „Wir sind am Ende des fossilen Zeitalters.“ Auch Abgasskandale und ein drohendes Dieselfahrverbot in München hätten gezeigt: „Die E-Mobilität wird kommen.“ Gar keine Frage. „Spätestens 2020 geht der Hype los.“

Kieslich ist seit gut einem Jahr der Energiebeauftragte der Marktgemeinde, er fungiert als Schnittstelle zwischen Institutionen, Rathaus und Bürgern. Mit verschiedenen Aktionen, die an einem Runden Tisch besprochen werden, wollen Kieslich und die Gemeinde heuer ein paar Projekte in Sachen Energiewende vorantreiben.

Weil der Verkehr Energie frisst, rückt das Thema Mobilität in den Fokus. In der Bürgerversammlung (wir berichteten) hatte Frank Schmidt eine Anfrage zur E-Mobilität gestellt. Er wollte wissen, ob eine kommunale Ladeinfrastruktur geplant ist und ob Elektrofahrzeuge für den gemeindlichen Fuhrpark sowie im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vorgesehen sind.

Bürgermeister Olaf von Löwis erklärte, dass es Planungen zu Ladestationen gebe. „Die Federführung liegt bei den Gemeindewerken.“ Im Gespräch stünden Stationen am Rathaus, Herdergarten, an der Münchner Straße, an der Tiefgarage in der Baumgartenstraße, bei den Gemeindewerken an der Industriestraße, am Hallenbad sowie am Kindergarten in der Industriestraße. Danach seien Standorte am Bahnhof, an Kirchen und sämtlichen Kindergärten angedacht. Zum 1. März startete ein Förderprogramm des Bundes für öffentliche Ladeinfrastruktur, bei dem sich die Gemeindewerke beworben haben, wie Geschäftsführer Albert Götz berichtet. Eventuell könne man heuer damit beginnen, Säulen und Anschlüsse zu installieren.

„Der Anteil an sogenannten Schnellladestationen soll circa 80 Prozent betragen“, erklärte Löwis. Für Kieslich ein Vorteil. Während man an Schnellladegeräten in etwa zehn Minuten für 100 Kilometer Strom tanken kann, schaffe es eine normale Anlage nur, die Batterie in der Stunde für 30 bis 50 Kilometer aufzuladen.

Was die kommunalen Elektrofahrzeuge betrifft: Ein Exemplar stehe heuer im Wirtschaftsplan der Gemeindewerke, erklärt Götz. Die Frischeküche – ein Kommunalunternehmen von Markt und Landkreis – nutzt laut Löwis zwei für die Essensauslieferungen. Im Bereich des Bauhofs sei der Einsatz von Elektrofahrzeugen problematisch, so der Bürgermeister, der selbst einen Hybrid fährt.

Im ÖPNV ist laut Löwis im Moment kein Einsatz vorgesehen. Die Busse müssten auch für weitere Linien außerhalb Holzkirchens genutzt werden. Im Bereich Schienenverkehr sei seit Langem die Elektrifizierung des Schienennetzes ab Holzkirchen Richtung Süden im Gespräch. „Die Gemeinde setzt sich dafür ein, die Entscheidung liegt aber an anderer Stelle.“

Um den Energieverbrauch im Verkehr weiter zu senken, kreisen laut Kieslich Ideen wie Car-Sharing durch den Runden Tisch. Oder gemeinschaftliche Lastenfahrräder, mit denen Bürger einen Kasten Bier per Rad transportieren. Solche Projekte könne man zum Beispiel an der Baumgartenstraße einrichten, wo die Kommune die fünf gemeindeeigenen Geschosswohnungsbauten ohnehin in Angriff nehmen will (wir berichteten). Ein großes Thema sei ferner die Nutzung der Geothermie. Ziel sei es, sofern die zweite Bohrung erfolgreich ist, dass viele Bürger an das entsprechende Wärmenetz anschließen.

„Ich hoffe, dass wir Ende des Jahres einen Plan haben“, sagt Kieslich. „Wir fahren das Ganze langsam hoch.“

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