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„So was Greisliges“: Gemeinderat Robert Wiechmann (Grüne) gefiel der Zaun an einem Anwesen in Erlkam gar nicht. Die Mehrheit im Bauausschuss sah das ähnlich.

Gemeinderäte befehlen Abriss - außerdem moniert: „Bepflanzung nicht einheimisch“

Bauausschuss: Dieser „greisliche“ Zaun muss weg

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Holzkirchen - Ein Zaun an einem Anwesen in Erlkam verstößt gegen die Einfriedungssatzung. Design und Bepflanzung erregte die Gemeinderäte aufs Hächste. Sie befehlen den Abriss.

Ein Anwohner hat im vergangenen Jahr sein Grundstück im Holzkirchner Ortsteil Erlkam eingefriedet. Im Norden und Osten mit einem 1,40 Meter hohen Metallgitterzaun in Grün und im Westen mit einem 1,20 Meter hohen Zaun aus grauen Metallstäben. Das verstößt jedoch gegen die örtliche Einfriedungssatzung. Der Bauausschuss wollte da kein Auge zudrücken. „Die Sensibilität zum Ortsteil Erlkam hat bei dieser Einfriedung gefehlt“, sagte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) jetzt in der Sitzung.

Ein Mitarbeiter aus dem Bauamt schilderte kurz den Sachverhalt. Der Zaun missachte die örtliche Bauvorschrift über die Gestaltung und die Höhe von Einfriedungen. Diese schreibt in der Regel nämlich vor, dass entlang von öffentlichen Straßen und Wegen sowie zur freien Landschaft hin Einfriedungen nur in Form von Holzzäunen zulässig sind. Nach einem entsprechenden Hinweis aus der Bauverwaltung habe der Bauwerber nun eine Befreiung von der Satzung beantragt, erklärte der Mitarbeiter.

Sein Ansinnen begründete der Bauwerber so: Der grüne Zaun auf der Nord-Ost-Seite sei wegen seiner Farbe unauffällig, zumal der Bereich dahinter komplett bepflanzt sei. Der Metallzaun im Westen sei im Übrigen sehr teuer gewesen. Außerdem führte der Bauherr an, „dass ihm die Satzung nicht bekannt war“, erklärte der Mitarbeiter. Zudem habe er die Einfriedung aus Sicherheitsgründen so gebaut, behauptete der Bürger. Davon abgesehen besitzt der Ortsteil Erlkam in den Augen des Antragstellers – angesichts städtisch geprägter Neubauten – mittlerweile keinen ländlichen oder dörflichen Charakter mehr. 

Daher würde das Ortsbild durch seinen Zaun nicht beeinträchtigt, glaubt er. Zu guter Letzt führte er vermeintliche Vergleichsfälle in der Nähe ins Feld, die ebenfalls der Satzung widersprechen würden. Die Verwaltung jedoch hielt die Befreiung für nicht gut begründet und empfahl dem Ausschuss, den Antrag abzulehnen. Aber: „Über den grünen Zaun könnte man diskutieren“, meinte der Mitarbeiter. Das wäre ein Kompromiss.

Martin Taubenberger (FWG) hielt das Sicherheitsargument in Erlkam für übertrieben. „Für mich ist der Zaun untragbar da draußen“, sagte er, „Ein No-Go“. Er übersetzte frei: „Das muss nicht sein.“ Und: „Die Einfriedungssatzung ist für mich oberstes Gebot.“ Birgit Eibl (FWG) meinte: „Das Ländliche wird dadurch kaputt gehen.“ Martina Neldel (Grüne) fand das mit der Sicherheit „lächerlich“, auch ein weiteres Argument wollte sie nicht gelten lassen. „Unwissenheit schützt nicht davor, dass man sich Wissen aneignen kann“, sagte sie. „Man hätte vorher im Bauamt nachfragen können.“ 

Dann hätte er sich auch die hohen Kosten gespart. Zu guter Letzt sei die Bepflanzung „nicht einheimisch“. Robert Wiechmann (Grüne) hielt die Begründungen des Bauwerbers „für fadenscheinig“. Er findet, dass der Zaun nicht nach Erlkam passt. „So was Greisliges“, schimpfte er. Hans Putzer (SPD) meinte, dass Erlkam jetzt schon durch so manche Baumaßnahem zerstört sei. Man müsse also hart bleiben. „Mit der Beseitigung des Zauns schaffen wir die Wende für Erlkam“, sagte er halb im Scherz.

Weichere Töne schlug hingegen Christoph Schmid (CSU) an. Einen Rückbau zu fordern hielt er für unangebracht. „Wir sollten die Einfriedungssatzung überarbeiten“, forderte er und kündigte an, gegen den Vorschlag der Verwaltung zu stimmen. Auch Herbert Gegenfurtner (CSU) war für eine Überarbeitung. „Es ist ein modernes Bauwerk und da passt es dazu“, sagte er. Auch anderswo gebe es solche Fälle. Wiechmann wunderte sich über so viel Liberalität: „Bei der Solaranlagen wart ihr auch päpstlicher als der Papst“, sagte er und spielte darauf an, dass der Gemeinderat heuer im Frühjahr den Antrag der Grünen-Fraktion auf Aussetzung der Solaranalgensatzung ablehnte (wir berichteten). Albert Kraml (CSU) meinte trotzdem: „Mir gefällt der Zaun ganz gut.“

Am Ende stimmte der Ausschuss dennoch mehrheitlich für den Vorschlag der Verwaltung, den Antrag abzulehnen. Der Zaun muss also weg.

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