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Baustelle im Endspurt: Im Vordergrund entsteht als Holzständerbau das Kraftwerksgebäude mit Turbine und Generator. Rechts davon erhebt sich die 15 Meter hohe und auf Metallstreben ruhende Kühlungs-Konstruktion. Links ist das betonierte Schaltanlagen-Gebäude zu sehen, wo auch Büros, eine Werkstatt und die „Kommandobrücke“ der Geothermie Platz finden. Die Wärmezentrale liegt ganz im Norden (auf dem Bild im Hintergrund); das Gebäude ist fast fertig.

Geothermie Holzkirchen

Die Ernte beginnt: Geothermie-Großbaustelle im Endspurt

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Das Geothermie-Projekt, in dem über 40 Millionen Euro stecken, liefert im Herbst seine erste Energie. Die Großbaustelle zieht den Endspurt an – und mausert sich zur weltweit gefragten Sehenswürdigkeit.

Holzkirchen – Es gab sie, die Momente, als alles Spitz auf Knopf stand. Die angebohrte Gasblase, ein teurer Sidetrack, der stete Zweifel, ob in 5000 Metern Tiefe genug heißes Wasser gefunden wird. „Die Geothermie hat mich zwei Jahre meines Lebens gekostet“, sagt Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke und Chef der gemeindeeigenen Geothermie GmbH, „man braucht schon gute Nerven.“

Es scheint, als hätte sich das Risiko gelohnt. Denn ein Risiko war es immer, trotz aller geologischen Verheißungen und trotz langer Voruntersuchungen. Rund 20 Millionen Euro pumpte die Marktgemeinde in das ehrgeizige Energieprojekt; über 21 Millionen Euro besorgte sich die GmbH zusätzlich auf dem Kapitalmarkt.

Jetzt naht der Moment, da der erste Rubel in die Kasse rollt. „Im November, spätestens im Dezember, wollen wir die erste Geothermie-Wärme auskoppeln“, sagt Götz bei einem Baustellen-Rundgang mit Bürgermeister Olaf von Löwis. Die Energie aus der Tiefe wird also im kommenden Winter die Holzkirchner wärmen, sofern sie am Fernwärmenetz der Gemeindewerke hängen.

Das dafür zuständige Gebäude, die mit Holz verkleidete Wärmezentrale, ist fast fertig; dort ist der Wärmetauscher installiert, ein anderer Teil ist reserviert für Gas- und Ölkessel. „Sie dienen als Reserve, sollte die Geothermie mal ausfallen“, sagt Götz. Diese Aufgabe übernehmen zunächst die drei bestehenden Heizzentralen der Gemeindewerke im Ort.

Finanziell entscheidender ist das Kraftwerk. Dank der auf 20 Jahre staatlich garantierten Einspeisevergütung von 25,2 Cent je Kilowattstunde arbeitet hier der Goldesel des Projekts. Da das Holzkirchner Thermalwasser mit 155 Grad deutlich heißer sprudelt als gedacht (wenn auch mit 55 Litersekunden weniger üppig als erhofft), bestellte man ein größeres Kraftwerk: 3,4 Megawatt sind angepeilt, 600 Kilowatt mehr als geplant. Das kostet etwas mehr, verspricht aber auch eine höhere Rendite.

Besuch in der Wärmezentrale: Bürgermeister Olaf von Löwis (l.) und Geothermie-Chef Albert Götz stehen an dem Einleitungsknoten, wo die Thermal-Energie ins Fernwärmenetz eingespeist wird.

Der Turbinenhersteller Turboden, beheimatet im italienischen Brescia, rechnet vor, dass die nach Holzkirchen gelieferte Technik jährlich etwa sechs Millionen Euro erwirtschaften kann. Nutznießer wäre auch die Gemeinde: In den nächsten 20 Jahren könnten nach dieser Rechnung 16 Millionen Euro ins Rathaus zurückfließen. „Die ersten Jahre leiten wir die Energie primär in die Verstromung“, bestätigt Götz, „wir wollen mit der EEG-Vergütung Geld verdienen, um unsere Investition abzuzahlen.“ Im Februar oder März 2019 soll der erste Geothermie-Strom ins Netz eingespeist werden.

Eine sensible Stelle des Systems arbeitet in 800 Metern Tiefe – die eine Million Euro teure Tauchkreiselpumpe. Das heiße Wasser ist im Gestänge bis auf 250 Meter Tiefe aufgestiegen. Die Pumpe taucht 550 Meter ein und befördert die Energie durch 800 Meter Steigrohre an die Oberfläche. Dort wird ein Spezialgas erhitzt, dessen Dampf die Turbine antreibt. „Wir schöpfen aber nicht so viel Energie ab, dass unser Arbeitsmittel wieder kondensiert“, erklärt Götz.

Deswegen muss das Gas in die Kühlung: 18 Ventilatoren mit einem Durchmesser von fünf Metern saugen auf einer 15 Meter hohen Stahlkonstruktion Luft an und kühlen das Spezialgas herunter. „Ein Grundrauschen wird man immer hören“, sagt Götz, „lauter als die Straße wird es aber nicht.“ Generator und Turbine werden, innerhalb des offenen Kraftwerksgebäudes, separat eingehaust.

Die Arbeiten liegen im Zeitplan, doch Götz bleibt vorsichtig. „Noch ist nichts gewonnen.“ Dass die Gemeinde auf die Geothermie gesetzt habe, sei auf jeden Fall eine richtige und zukunftsweisende Entscheidung gewesen. „Es ist nachhaltige Energie und wir hatten die Chance, sie zu fördern.“

Obwohl sich die Holzkirchner Geothermie in der Alten Au noch als wuselige Baustelle präsentiert, klopften bereits viele Besichtigungs-Delegationen an. Sie kamen aus Deutschland, Frankreich, Holland – und aus China. „Die haben mit ihrer Kohle und dem enormen Energieverbrauch ein Riesenproblem und suchen nach Alternativen“, sagt Götz. Der abzusehende Erfolg in der Alten Au beflügle auch Projekte in Deutschland, weiß der Bürgermeister: „Wir haben der Idee der Geothermie sicher einen Gefallen getan.“

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