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Die Pfarrei Osterwarngau gehört mit der Pfarrkirche St. Georg (obers Bild l.) und Frauenkirche zum neuen Pfarrverband.

Errichtung des neuen Pfarrverbands Holzkirchen-Warngau

Pfarrer Doll: „Die Kirche bleibt im Dorf“

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Holzkirchen - Vor zwei Jahren begann die Fusionierung. Jetzt wird der neue Pfarrverband Holzkirchen-Warngau offiziell errichtet. Ein Gespräch mit Pfarrer Gottfried Doll (48).

Herr Pfarrer Doll, als Leiter des neuen Pfarrverbands sind Sie für sechs Pfarreien und knapp 10 500 Gläubige zuständig. Braucht man für so eine große Aufgabe oft göttlichen Beistand?

Doll: Natürlich, ohne den Heiligen Geist geht das nicht. Aber ich bekomme auch viel Unterstützung von meinen Mitarbeitern. Das Seelsorgerteam besteht aus sechs Personen, hinzu kommen drei Priester und ein Diakon, die eigentlich pensioniert sind. Und es gibt einen Diakon, der im Altenheim beschäftigt ist. Dann haben wir eine Reihe an haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitern. Außerdem sind circa 800 Personen ehrenamtlich tätig.

Dann steht ja der offiziellen Errichtung des Pfarrverbands nichts mehr im Weg. In „Betrieb“ ist er aber schon seit Längerem.

Doll:  Ja, seit zwei Jahren. Als ich damals nach Holzkirchen kam, hatte ich die Aufgabe, die Pfarrverbände zusammenzuführen.

Welche Schritte waren dafür nötig?

Doll:  Zunächst haben wir mit allen Pfarrgemeinderäten besprochen, wie man sich im Groben die Zusammenarbeit vorstellt. Dabei haben wir eine gemeinsame Marschrichtung festgelegt.

Diese lautet?

Doll:  Einige Dinge sollten im Pfarrverband geregelt werden. Zum Beispiel die Gottesdienstzeiten. Viele Sachen dürfen aber die Pfarreien selbstständig erledigen, etwa die Firmvorbereitung. Wichtig war, den Leuten die Angst zu nehmen, dass ihre Pfarrei untergeht. Aber das Eigene soll nicht verloren gehen. Die Kirche bleibt im Dorf.

Haben sich kleineren Pfarreien dagegen gesträubt, ihre Unabhängigkeit zu verlieren?

Doll:  Da habe ich nichts gemerkt. Als damals wieder ein Pfarrerwechsel anstand, ahnten sie so eine Veränderung schon, glaube ich. Wall konnte entscheiden, ob es zum Pfarrverband Miesbach oder zu Holzkirchen gehören möchte.

Trotzdem: Gab es nicht doch Reibungspunkte?

Doll:  Der wichtigste Punkt waren die Gottesdienste in den Kirchen. Aber deren Zahl haben wir nicht reduziert und bis auf ein paar kleine Änderungen konnten wir sogar die Zeiten beibehalten. Eine größere Diskussion gab es dazu wegen der Weihnachtsfeiertage. Weil es schwer ist, in dieser Zeit Aushilfen zu finden, wollen wir das mit unseren eigenen Leuten stemmen. Daher kann nicht überall an den Feiertagen eine Eucharistiefeier stattfinden.

Welche Aufgaben stehen jetzt noch aus?

Doll:  Die gemeinsame Homepage wird noch auf den Weg gebracht. Außerdem haben wir ab Januar einen gemeinsamen Haushaltsverbund. Bislang hatte jede Pfarrei ihren eigenen. Um die Immobilien sollen sie sich aber auch in Zukunft selber kümmern.

Bleiben die Pfarrbüros?

Doll:  Neben dem Holzkirchner Büro blieb das in Warngau bestehen, samt Öffnungszeiten. Die Stunden wurden sogar aufgestockt, es wurde kein Personal eingespart. Die Leute sollen eine Anlaufstelle vor Ort haben, etwa wenn sie eine Messe für einen verstorbenen Angehörigen aufgeben. Wo was verbucht wird, spielt für den Gläubigen keine Rolle.

Generell besteht in der Erzdiözese ein Trend zu großen Pfarrverbänden, siehe Irschenberg. Hängt das mit dem Priestermangel zusammen?

Doll:  Das ist der Hauptgrund. Mit der geringen Zahl kann man nicht mehr alle Pfarreien bestücken. Der positive Punkt eines gemeinsamen Pfarrverbands ist die große Vielfalt.

Das heißt konkret?

Doll:  Viele Leute empfinden es als positiv, dass jetzt nicht immer derselbe Pfarrer in ihrer Kirche die Predigt hält. Da sind für sie dann mehr überraschende Gedanken dabei. Außerdem haben die Seelsorger die Möglichkeit, sich auf bestimmte Gebiete zu spezialisieren. Pastoralassistent Harald Petersen kümmert sich beispielsweise um die Caritas, Pastoralreferent Richard Siebler um Familienangelegenheiten.

Den klassischen Dorfpfarrer gibt’s dann aber nicht mehr.

Doll:  In dem Sinne nicht. Trotzdem hat jeder einen örtlichen Zuständigkeitsbereich, auf den er ein besonderes Auge hat.

Hat die Fusionierung was mit der rückläufigen Zahl der Gläubigen zu tun?

Doll:  Sicher auch. Dass es weniger Katholiken werden, belegen Zahlen der Erzdiözese. Vor allem schrumpft die Zahl, die eine sehr enge Bindung zur Kirche hat.

Das Zentrum des neuen Pfarrverbands liegt ja in Holzkirchen. Dafür braucht es ein ordentliches Pfarrzentrum. Wie schaut es mit den Neubau-Plänen aus?

Doll:  Die Vorplanungen sind noch im Gange, sie müssen den Genehmigungslauf im Ordinariat durchlaufen. In jeder Pfarrei gibt es Räume, wo sich die Aktiven treffen können. Im neuen Pfarrzentrum werden sicher Akzente gesetzt. Dort gibt es mehr Platz.

Spielt die neue St. Josefs-Kirche eine wichtige Rolle?

Doll:  Das normale Gottesdienstprogramm soll weiterhin in jeder Kirche stattfinden. Aber für größere Feierlichkeiten bietet sich St. Josef an. Mit knapp 470 Sitzplätzen wird sie die größte Kirche im Pfarrverband sein.

Die Feier zur Errichtung des Pfarrverbands findet ja auch in Holzkirchen, allerdings in St. Laurentius, statt. Wer ist dazu eingeladen?

Doll:  Alle Gläubigen aus dem gesamten Pfarrverband sind eingeladen. Umso mehr kommen, desto besser. Eine volle Kirche ist etwas Schönes.

Das Gespräch führte 

Marlene Kadach

Die Feier

zur offiziellen Errichtung des Pfarrverbands Holzkichen-Warngau findet am Samstag, 29. Oktober, um 19 Uhr in St. Laurentius in Holzkirchen statt. Den Gottesdienst zelebriert Weihbischof Wolfgang Bischof.

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