Teufelsgraben bei Holzham
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Wird hier südlich von Holzham 2021 endlich gebaut? Westlich des Bahndamms würde ein neuer Radweg den Teufelsgraben überbrücken. Gleich hinter dem Waldrand beginnt der Taleinschnitt. Foto: Thomas Plettenberg

Nach jahrelanger Verzögerung

„Express“-Radweg durch den Teufelsgraben: Nächstes Jahr soll endlich gebaut werden

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Ein „Express“- Radweg von Otterfing bis zum Tegernsee, dafür wird derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt. Doch auf diesen großen Wurf wollen Holzkirchen und Otterfing nicht warten und gehen in Vorleistung: Der Teufelsgraben-Radweg, seit Jahren in Planung, soll 2021 endlich gebaut werden. Jedoch: Die Hoffnung hat hier schon öfters getrogen.

Holzkirchen/Otterfing – Erst musste dem Naturschutz aufwendig Rechnung getragen werden, dann sorgte sich die Bahn um ihre Kabel. Es scheint wie verhext mit dem Teufelsgraben-Radweg. Seit Jahren wird an der 1,5 Kilometer langen Passage, die neben dem Bahndamm die beiden Bahnhöfe als Direttissima verbinden würde, geplant und besprochen, doch immer tun sich Hürden auf. Der Frust war so groß, dass die zwei Gemeinden ihr Gemeinschaftsprojekt in die Schublade schieben wollten – zumal inzwischen auf Landkreisebene Planungen anliefen für einen schnellen Radweg Otterfing-Gmund. Vielleicht hätte das größere Projekt mehr Fortüne im Teufelsgraben?

Zwei Entwicklungen sorgen jetzt aber dafür, dass Holzkirchen und Otterfing wieder konkrete Absichten hegen, auf eigene Faust loszulegen. Einmal sagte die Bahn zu, nicht mehr auf teure Kabelverlegungen zu bestehen, wenn notfalls der Asphalt des Radwegs aufgerissen werden darf, um an Kabel zu gelangen. Heißt: Das Projekt wird um 500 000 Euro günstiger, die Kosten würden wohl unter einer Million Euro liegen.

Der große Wurf dauert den Gemeinden zu lange

Zweitens verließen Holzkirchens Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) und sein Otterfinger Amtskollege Michael Falkenhahn (SPD) den Workshop der Machbarkeitsstudie zur „Rad-Direktverbindung“ Otterfing-Gmund einigermaßen ernüchtert. „Das Ganze befindet sich in einem sehr frühen Stadium“, glaubt Schmid. „Das wird sich ziehen“, fürchtet Falkenhahn; er habe Zweifel, ob in den nächsten fünf oder sechs Jahren daraus etwas umgesetzt werde. Für Schmid ist deswegen klar: „Wenn wir bauen können, sollten wir nicht auf den SMG-Radweg warten.“

Die Pläne sind so weit fertig, die Finanzierung steht. Die Otterfinger regeln den naturschutzfachlichen Ausgleich, dafür übernimmt Holzkirchen die planerische Federführung und Zuschuss-Akquise. Fehlt noch das schriftliche Einverständnis der Bahn. „Da gibt’s positive Signale“, sagt Schmid; er hält es für möglich, 2021 den Bau zu beginnen. „Es ist ein Funken Hoffnung“, sagt Falkenhahn. Da die zuständigen Entscheider bei der Bahn häufig wechseln, stehe jede Hoffnung unter Vorbehalt.

Wir dürfen Alltagsradler nicht im Zickzack durch den Landkreis schicken.

Holzkirchens Bürgermeister Christoph Schmid

Vom Charakter her entspricht der Teufelsgraben-Weg den Anforderungen der Rad-Direktverbindung, die einmal den Landkreis-Norden mit dem Tegernsee verbinden soll. „Unsere Schüler sind auf dem neuen Weg schneller und sicherer in Holzkirchen“, sagt Falkenhahn. Pendler könnten Zeit sparen, wenn sie am Bahnhof S-Bahn oder BOB erwischen wollen. „Es geht darum, auf dem Rad schnell von A nach B zu kommen“, sagt Schmid. Wenn man wolle, dass Bürger im Alltag aufs Radl umsteigen, „dürfen wir sie nicht im Zickzack durch den Landkreis schicken“. Er hoffe, dass die Trasse des künftigen „Expresswegs“ nach Gmund keine großen Schleifen mache.

Der Landkreis München orientiert sich bei seiner „Radhauptverbindung“ nach Süden an der Bahnlinie bis Arget. An der Otterfinger Nordgrenze soll nahtlos der Tegernsee-„Expressweg“ andocken. Große Trassenalternativen sieht Otterfings Bürgermeister dort nicht: „Der Argeter Weg bietet sich an.“ Weiter am Bahnhof vorbei, über die Holzhamer Bahnbrücke auf die Westseite des Bahndamms – wo der Teufelsgraben-Radweg ansetzen würde. Otterfing und Holzkirchen würden also den ersten 1,5 Kilometer langen Baustein für die Direttissima an den Tegernsee liefern – und bezahlen. „Wäre schön, wenn sich der Landkreis auch beteiligen würde“, sagt Falkenhahn.

Route für den „Express“-Radweg nach Gmund wird noch gesucht

Der Landkreis München macht’s vor. Entlang der Pendler-Bahnlinien entstehen „Radhauptverbindungen“, unter anderem in Richtung Süden bis Arget (Gemeinde Sauerlach). Auch der Landkreis Miesbach tritt jetzt in diese Pedale: Die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) organisiert derzeit eine Machbarkeitsstudie für eine „Rad-Direktverbindung“ von Otterfing nach Gmund an den Tegernsee – andockend an die besagte Münchner Trasse.

Die Initiative kam von den Anlieger-Gemeinden im Landkreis-Norden, die Kosten für die Studie teilen sie sich mit dem Landkreis. Im Juni fand in Warngau ein Workshop des mit der Studie beauftragten Planungsbüros Bernard statt, an dem Gemeinden, Behörden und Interessengruppen über mögliche Trassen-Varianten sprachen. Bis Ende des Jahres, so teilte SMG-Regionalmanager Florian Brunner auf Anfrage mit, sollen die Experten eine Trasse präsentieren, die den geforderten Bedürfnissen am besten entspricht – und Chancen hat, realisiert zu werden. „In die Abwägung fließt auch ein, ob der Naturschutz beachtet ist und ob die nötigen Flächen erworben werden könnten“, betont Brunner. Dazu sind Befahrungen und Vorgespräche geplant.

Denkbar wäre etwa, den kürzesten Weg entlang der Bahnlinie oder neben der B 318 zu wählen. Oder man nimmt doch Schnörkel in Kauf, um bestehende Wege nutzen zu können und mehr landschaftliche Reize entlang der Route zu setzen. Auf jeden Fall soll die Trasse asphaltiert sein und möglichst Begegnungsverkehr problemlos ermöglichen. „Ziel ist, die Verkehrsbelastung zu reduzieren“, sagt Brunner, „Pendler und Tagesausflügler sollen eine attraktive Alternative bekommen, aufs Rad zu steigen.“ Ein wichtiges Kriterium für die Machbarkeitsstudie ist deswegen die Anbindung von Bahnhöfen, Schulen und Wohnvierteln.

Neuer Radweg kann auch abschnittsweise realisiert werden

Die Umsetzung der favorisierten Trasse muss laut Brunner nicht in einem Guss erfolgen, sondern könnte auch abschnittsweise umgesetzt werden. Die Teufelsgraben-Passage, die Holzkirchen und Otterfing jetzt anpacken wollen, könnte als Pilotetappe fungieren. „Wir haben den Anspruch, nicht für die Schublade zu arbeiten“, sagt Brunner. Dennoch: Sollten Grundstückskäufe nötig werden, könnte das Projekt an Tempo einbüßen.

Ob der Landkreis, wie der Landkreis München, den Bau der „Rad-Direktverbindung“ selber zahlt oder ob sich die Gemeinden beteiligen, ist noch unklar. Es winken auch staatliche Fördertöpfe.

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