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Ehrensache: Eine Urkunde sowie ein solarbetriebenes Spielzeugauto überreichten Josef Kellner (l.) und Peter Haberzettl (r.) von der Energiewende Oberland an Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis.

Mit Mutter Natur zum Erfolg

EWO verleiht Solarpreis an Holzkirchen

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Die Bürgerstiftung Energiewende Oberland verleiht jedes Jahr Preise für den stärksten Zubau an Photovoltaik. Holzkirchen ergatterte nun den zweiten Platz. 

Holzkirchen– So viel Spaß macht Energiewende: Josef Kellner tritt vor das Rathausgebäude, die Sonne strahlt auf das kleine Spielzeugauto in seiner Hand. Sofort fangen die Räder an, sich zu drehen. „Das ist ein solarbetriebenes Auto“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Energiewende Oberland (EWO), seine Augen leuchten. Jeder Preisträger bekomme ein solches Fahrzeug, das drei Meter pro Sekunde auf den Tacho bringt. Und so drückt er das Gefährt Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis in die Hand, ein vorbeigehender Schulbub macht ein neidisches Gesicht. Doch der Rathauschef will das Stück auf seinem Schreibtisch postieren. Männerfreuden.

Das Spielzeugauto nebst Urkunde hat die Marktgemeinde nun bei einer kleinen Feierstunde im Rathaus bekommen, weil sie von der EWO mit dem Solarpreis 2016 ausgezeichnet wurde. Jedes Jahr verleiht die Bürgerstiftung einen Preis für den stärksten Zuwachs an installierter Photovoltaikleistung. Holzkirchen landete dieses Mal auf dem zweiten Platz. Die Kommune hat für 2016 einen Zuwachs von 311,28 kWp zu verzeichnen. Auf Platz eins schaffte es die Stadt Geretsried mit einem Zuwachs von rund 1204 kWp, auf den dritten Platz die Marktgemeinde Peiting (306 kWp). „Wir sind stolz, den Preis entgegen zu nehmen“, sagte Löwis. Allerdings konzentriere sich Holzkirchen nicht nur mit Volldampf auf Photovoltaik; schließlich gibt es ja noch die Geothermie.

In Holzkirchen machten den größten Brocken der hinzugewonnen Solarleistung private PV-Anlagen aus. Ausschlaggebend waren zudem die neue PV-Anlage am Grünen Zentrum (40 kWp) sowie eine bei der Firma Klinge Pharma GmbH (83 kWp). Die Solaranlage am Grünen Zentrum errichtete die EWO 2016, sie mietete dafür das Dach vom Eigentümer, dem Bauernverband, und betreibt die Anlage auch. Eine richtige Bürgersolaranlage mit Beteiligung der Bürger scheiterte laut Vorstandsmitglied Peter Haberzettl an verschiedenen bürokratischen Hürden.

Bei einem jährlichen Stromverbrauch von gut 76 GWh im gesamten Gemeindegebiet wird laut EWO mit knapp über 500 PV-Anlagen Solarstrom erzeugt. Die so vor Ort produzierte Strommenge von gut sechs GWh entspreche einem solaren Deckungsanteil von acht Prozent. „Das ist eine schöne Geschichte, auch wenn noch Luft nach oben da ist“, erklärte Kellner.

Insgesamt ist laut der EWO der Zubau von PV-Anlagen bundesweit rückläufig. Schuld daran sei die gesunkene Einspeisevergütung, die heute bei rund zwölf Cent pro Kilowattstunde liege. Zum Vergleich: 2004 waren es noch 54 Cent, vor fünf Jahren etwa 28 Cent. Der Reiz heute aber sei, dass die Leute den eigens produzierten Strom vermehrt selbst nutzen und sich so Geld sparen, erklärte Haberzettl. „Ich kann jedem, der ein Dach hat, eine PV-Anlage empfehlen.“ Diese seien wartungsfrei und recycelbar, mit einer Lebensdauer von mindestens 25 Jahren. Zugleich würden durch neue Technologien die Preise für die Anlagen schrumpfen.

Ein wichtiger Punkt sei der Stromspeicher, mit dem etwa überschüssiger Strom im Sommer gespeichert werden kann, und zu dem es aktuell Zuschüsse durch ein Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gebe, betonte Kellner. In der Regel koste ein solcher so viel wie eine Solaranlage. So entstünden bei einem normalen Einfamilienhaus Gesamtkosten von circa 20 000 Euro. Nach zwölf Jahren habe sich der Invest refinanziert, meinte Haberzettl. Es lohne sich also, in Mutter Natur zu investieren. „Nur durch Speicher kann die volle Akzeptanz von Solaranlagen entstehen“, sagte Löwis. Er hat Bedenken bei der E-Mobilität, die eng mit Solarenergie verknüpft ist. Wenn nachts alle ihr Auto laden, könnten die örtlichen Netze überlastet werden. Da müsse man nachrüsten.

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