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„Weideflächen nicht Wolf opfern“: Michael Hinterstoißer ist ein Mann mit klarer Meinung. 

Seine Welt sind die Berge

Almwirtschaft: Leiter Hinterstoißer geht in Rente 

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Michael Hinterstoißer, Leiter des Fachzentrums Almwirtschaft und Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, geht in Rente. Der Nachfolger steht schon fest. 

Holzkirchen– Er ist ein Mann, der die oberbayerischen Almen liebt und der sie fast alle kennt. Seine Welt sind die Berge: Michael Hinterstoißer, der Leiter des Fachzentrums Almwirtschaft und Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern im Grünen Zentrum in Holzkirchen. Sein Zuständigkeitsbereich ist groß und klingt nach traumhaften Bergkulissen: „Vom Watzmann bis zur Zugspitze“, sagt er. Vom Berchtesgadener Land bis nach Garmisch-Partenkirchen.

Heuer zum 31. Oktober geht der 63-Jährige in den Ruhestand. „Das habe ich mir so gewünscht“, sagt der dreifache Vater, der in Bad Aibling lebt. Eine Landwirtschaft betreibt er dort nicht.

Hinterstoißer – ein Mann mit vielen Ämtern – stammt ursprünglich aus einem Bergbauernhof im Berchtesgadener Land. 1984 landete Hinterstoißer in Miesbach, am damaligen Amt für Landwirtschaft. „Ich habe schon immer almwirtschaftliche Themen bearbeitet“, erzählt er. So wurde er Mitglied in der Kommission für Bereinigung von Waldweiderechten im oberbayerischen Hochgebirge. 1989 wurde Hinterstoißer Regierungsbeauftragter für Almwirtschaft, musste dafür oft in die Landeshauptstadt fahren. 1992 übernahm er die Geschäftsführung des Almwirtschaftlichen Vereins und 2002 die Schriftleitung bei der Fachzeitschrift „Der Almbauer“. 1997 bis 2016 war er Geschäftsführer der bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen. 2014 erfolgte der Umzug von Miesbach ins neugebaute Grüne Zentrum nach Holzkirchen. Dort sind seither neben dem Bauernverband das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) mit Landwirtschaftsschule, Waldbesitzervereinigung, Kreishandwerkerschaft sowie der Almwirtschaftliche Verein untergebracht. Nebenan gibt es ein Schülerwohnheim.

In seiner langen Laufbahn haben ihn viele Themen beschäftigt und mehrfach heimgesucht: Die Trennung von Wald und Weide etwa oder der Dauerbrenner Wegebaumaßen. Es sei immer dasselbe. Naturschützer trommeln dagegen. „Aber wir haben sachlich immer klar gemacht, dass Almen auf Wege angewiesen sind, damit sie zeitgemäß bewirtschaftet werden können.“ Ein ganz heißes Eisen war stets der Wolf. Als 2010 im Mangfallgebirge ein Wolf herumstreifte, hat das Hinterstoißer natürlich stark beschäftigt. Und auch jetzt wird das Raubtier wieder durch die Medien gejagt, nachdem aktuell drei junge Wölfe durch den Bayerischen Wald huschen. Hinerstoißer sagt: „Der Wolf ist ein interessantes Tier.“ Aber er ist auch ein Mann, der eine klare Meinung vertritt: „Weidewirtschaft und Wolf vertragen sich nicht.“ So extensive Weideflächen wie in den Bergen gebe es in Deutschland eigentlich nicht mehr. „Diese sollte man nichts aufs Spiel setzen“, findet er. „Und nicht dem Wolf opfern.“ Alles vergittern, hält er für falsch. Und der Einsatz von Hütehunden sei auch mit Vorsicht zu genießen – weil die eben auch Wanderer gefährden könnten.

Hintertoißers Nachfolger steht schon fest: Laut einem Sprecher des Landwirtschaftsministeriums tritt Johann Stöckl vom AELF in Weilheim in seine Fußstapfen und übernimmt beide Positionen.

Hinterstoißer geht derweil auch mit einem weinenden Auge: „Eine gewisse Wehmut ist schon dabei“, gesteht er. Schließlich kenne man nach einer so langen Berufserfahrung die Leute gut – und umgekehrt. Trotzdem freut er sich auf seine Rente: „Ich gehe dann nur noch auf Termine, wo ich hingehen mag“, sagt er und lacht. Langweilig wird ihm bestimmt nicht. Dann hat er endlich Zeit, um seine zwei Bienenvölker aufzustocken. Der Almexperte ist nämlich auch ein Hobbyimker. Und auch im Ruhestand wird er seiner größten Leidenschaft frönen: „In die Berge gehen.“

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