+
Einen Blick in die Historie inszenieren die „Damischen“ am Faschingssonntag 2017. Gefeiert werden 1111 Jahre Holzkirchner Geschichte – und zwar in der Originalversion.

„Wir sind das Original und wir werden die Ersten sein“

Faschingsverein klaut der Gemeinde die 1111-Jahr-Feier

  • schließen

Holzkirchen – Die die Gemeinde will 2017 die 1111-Jahr-Feier des Orts zu feiern - eine Provokation für den Faschingsverein “Die Damischen“. Sie wollen dem Rathaus zuvorkommen.

Traditionell legt der Holzkirchner Faschingsverein, der stabil 140 Mitglieder zählt, zum Saisonauftakt am 11.11. in der Jahreshauptversammlung das Motto für den anstehenden Marktplatzfasching fest. „Da gab es heuer keine langatmigen Diskussionen“, berichtet Zweiter Vorsitzender Andreas Pohl, „dank einer Steilvorlage der Marktgemeinde.“

Während die meisten Orte ihr geschichtliches Erbe an runden Geburtstagen hochleben lassen, hat sich Holzkirchen entschlossen, 2017 an die vermutlich erstmalige urkundliche Erwähnung anno domini 906 zu erinnern. 1111 Jahre, mal was anderes. „Grundsätzlich eine gute Wahl“, findet Pohl; aber die Elf, erst recht die Doppel-Elf, sei nun mal die Zahl der Faschings- und Karnevalsvereine. Das hat sogar historische Wurzeln, wie die „Damischen“ mitteilen: Denn der Elferrat, das närrische Gremium schlechthin, zitiert die Abkürzung „ELF“ und damit nicht weniger als die Anfangsbuchstaben der Parole der Französischen Revolution: Egalité, Liberté, Fraternité (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit). Der Fasching gründet also historisch auf ein Aufbegehren des niederen Volks gegen die Obrigkeit.

Warum die Marktgemeinde nunmehr unter dieser Flagge segelt, darüber kann Pohl nur Vermutungen anstellen. „Entweder man hat elf Jahre das Jubiläumsjahr 1100 verschlafen oder man feiert einfach 89 Jahre die 1200-Jahr-Feiern der Nachbargemeinden Hartpenning und Föching vor.“ Jedenfalls haben die „Damischen“ den Auftrag verstanden. „Wir sind das Original und wir werden die Ersten sein“, sagt Pohl; die offizielle und „einzig wahre“ 1111-Jahr-Feier Holzkirchens steige am Faschingssonntag ab 11.11 Uhr. Das Event der Gemeinde im Sommer sei als Nachfeier zu werten, „zu der wir als Ehrengäste hoffentlich eingeladen werden“, so Pohl.

Geplant ist am 26. Februar ein motorisierter Zug unter dem Motto „Damisch durch die Jahrhunderte“ vom Bahnhof in die Ortsmitte. Dessen Organisation übernimmt wie gehabt der örtliche Burschenverein. Thematisch wird die Geschichte Holzkirchens beleuchtet: Gaukler, Sautreiber, Schafherden, Prediger, Taschendiebe, Tanzbären, Dirnen, Heiler oder Pilger dürfen den Marktplatz in ein Spektakel verwandeln.

„Es soll wieder ein schöner Familienfasching werden“, kündigt Pohl an. Zwei Bühnen werden bespielt, etliche Aktionen sind geplant. „Wir sind im Besitz einiger weniger Exponate, die aus dem Jahr 906 stammen“, verspricht Pohl. Es gebe Hinweise, dass „Holzkirchen als Gewerbegebiet von Hartpenning angefangen hat“. Man überlege sogar, die Stimmung mit einer Hexenverbrennung zu befeuern. Die Holzkirchner Männer seien aufgefordert, sagt Pohl schelmisch, diesbezüglich den Haushalt zu durchkämmen. „Vielleicht hat jemand etwas abzugeben.“

Die freche Gaudi der „Damischen“ ist nicht nur Selbstzweck. Der Erlös der Veranstaltungen wird übers Jahr an gemeinnützige Einrichtungen gespendet. 2016 schüttete der Verein 3355 Euro aus.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mysteriöse Schüsse in der Nacht
Mindestens acht Schüsse fielen in der Nacht auf Samstag (18. Februar) bei Grub auf der Straße nach Großhelfendorf. Offenbar hatten Jugendliche einen Streit auch mit …
Mysteriöse Schüsse in der Nacht
Frischeküche: Zahlen haben sich verbessert
Einst rutschte die Frischeküche in rote Zahlen ab. Jetzt hat sich die Lage nach eigenen Angaben verbessert. 
Frischeküche: Zahlen haben sich verbessert
Fenster in Realschule beschädigt
Eine Fensterscheibe an der Oberland-Realschule in Holzkirchen beschädigt hat ein Unbekannter am vergangenen Wochenende.
Fenster in Realschule beschädigt
17-Jähriger trägt verbotene Waffe
Ein Butterfly-Messer dient dazu, Mitmenschen bei Bedarf einschüchtern oder gar bedrohen zu können. Ein 17-jähriger Otterfinger war mit so einer verbotenen Waffe im Dorf …
17-Jähriger trägt verbotene Waffe

Kommentare