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Cyborgs und andere Gestalten: Es ist durchgehend Programm geboten.

Kunst-Festival in Holzkirchen übt Kapitalismuskritik

Besuch beim ArtCycling: Ist das Kunst oder kann das Weg?

Gut 20 Aussteller zeigen über 70 Exponate - sie sind ein deutliches Statement gegen den Kapitalismus. Die Schau ist Herzstück des Festivals ArtCycling an diesem Wochenende in Holzkirchen.

Holzkirchen – Ist das Kunst oder kann das weg? Die Frage ist hier schnell beantwortet: Auf keinen Fall kann das weg, auf jeden Fall ist das Kunst. Etwa 100 geladene Gäste, darunter die Schirmherren Landrat Wolfgang Rzehak und Bürgermeister Olaf von Löwis, wohnten der Vernissage bei. Ausstellung und Festival sind Teil der von Monika Ziegler und dem Verein Kulturvision ins Leben gerufenen Reihe „Anders wachsen“ (wir berichteten). „Gigantisch, was ihr uns da reingestellt habt“, bedankte sich Kulturhauschefin Ingrid Huber. Papier, Pappe, Stein, Metall, Draht, Holz, Stoff, Blumen, Pflanzenreste, Kunststoff: Das sind die Materialien, die Recycling-Künstler verwenden und die bei Otto Normalverbraucher mit Sicherheit auf dem Müll landen würden.

Herzstück des Festivals ist die Ausstellung im Festsaal, die am Donnerstagabend eröffnet wurde. Unter den rund 20 Ausstellern ist auch der renommierte Bildhauer Andreas Kuhnlein, der mit drei Werken teilnimmt.

Objekt-Künstlerin Charlotte Voegele fertigt aus Naturmaterialien Kleidungsstücke. Ihr „Nadelmantel“ besteht aus Tausenden von Lärchennadeln, die in akribischer Kleinarbeit auf einem feinen Gittergewebe zu einem Stück Mode transformiert wurden. Ähnliches gilt für das „Distelkleid“ und die in ihrer grandiosen Ästhetik verblüffenden Schuhe aus Birkenrinde. Abfallholz, das in Schreinerwerkstätten zusammengekehrt und weggeworfen wird, verarbeitet Florian Steiger handwerklich meisterhaft zu hochwertigen Möbeln. Inge Thiemer-Schäffer nimmt ausrangierte Möbel, bemalt sie phantasievoll und haucht ihnen ein völlig neues Leben ein. Die mit der Motorsäge gefertigten Holzskulpturen von Andreas Kuhnlein haben in der Münchner Glyptothek 70 000 Besucher angezogen. Drei der Arbeiten sind nun in Holzkirchen zu sehen. Klaus Gogolin formt ein in die Jahre gekommenes Zinkblech zu einer abstrakten Krone, veredelt es mit Blattgold und nennt es „Der König ist tot, es lebe der König“. Filigran muten die Arbeiten der Buchfaltkünstlerin Tanja Xeller an, die aus Büchern Skulpturen und Objekte geradezu „zaubert“. Figurenkünstler Josef Pretterer sorgt mit seinen lebensgroßen Schaumstoff-Puppen „Geiz“ und „Gier“ für Hingucker.

So kann man die hochinteressante Ausstellung als Appell an unsere Wegwerfgesellschaft sehen: Alle Aussteller zeigen direkt oder indirekt, dass scheinbar Wertloses zu Wertvollem mit Symbolkraft werden kann. Löwis brachte es philosophisch auf den Punkt: „Der Kreislauf alles Irdischen beginnt und endet mit der Kunst. Hier schließt sich der Kreis von Entstehung und Vergänglichkeit.“

Die Ausstellung

ist am Samstag von 10 bis 20 Uhr, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen (Eintritt fünf Euro, Kinder bis 14 Jahre frei). Selbst Mitmachen kann das Publikum bei den Installationen „Kaufhaus der Werte“ und „Unbezahlbar“. Am Samstag tritt das Papier-Theater „Schöner Scheitern mit Ringelnatz“ auf (20 Uhr, Fools-Theater, es gibt noch Karten), am Sonntag das Theater Kunstdünger (11 Uhr, begleitet in Gebärdensprache) und ein Clowntheater (15 Uhr). Infos auf der Homepage des Kultur im Oberbräu.

Reinhold Schmid

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