1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Holzkirchen

„Festival für Menschenrechte“ Holzkirchen: Die Kraft der kritischen Kunst

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Auftakt im Kultur im Oberbräu: (v.v.l.) Johannes Volkmann, Babara Bertram, Monika Ziegler und Thomas Jarzina bei der Vernissage des „Festivals für Menschenrechte“
Auftakt im Kultur im Oberbräu: (v.v.l.) Johannes Volkmann, Babara Bertram, Monika Ziegler und Thomas Jarzina bei der Vernissage des „Festivals für Menschenrechte“. © Christian Scholle

Starker Auftakt für ein wichtiges Thema: Nun sind die Ausstellungen zum „Festival für Menschenrechte“ eröffnet worden. Gehaltvolle Kost für Kopf und Herz, die die Menschenrechte feiert – aber auch den Finger in Wunden legt.

Holzkirchen – Es soll die Menschenrechte feiern, wo sie erfolgreich umgesetzt wurden, aber auch hinschauen, wo sie verletzt oder missachtet werden: Mehrmals war das „Festival für Menschenrechte“ nach einer Idee des Valleyer Künstlers Manfred Lehner verschoben worden. Nun kann es endlich stattfinden. Den Auftakt bildete eine umfangreiche Ausstellung, die am Sonntag im Foyer des Holzkirchner Kultur im Oberbräu eröffnet wurde.

Dem Verein Kulturvision als Hauptveranstalter und seiner Vorsitzenden Monika Ziegler war es vorbehalten, die Vernissage zu bestreiten. Sie dankte Vize-Landrat Jens Zangenfeind für die offiziellen Begrüßungsworte, dem Orga-Team mit Monika und Manfred Lehner, Barbara Bertram und Thomas Jarzina sowie den 23 regionalen und überregionalen bildenden Künstlern, die das wichtige und aktuelle Thema aus verschiedensten Blickwinkeln angehen.

Sie zeigen eine Vielzahl an qualitativ hochwertigen Exponaten aus Malerei, Grafik, Fotografie, Bildhauerei, Installation und Objektkunst. Ehrengast Andreas Kuhnlein, als renommierter Bildhauer mit der eindrucksvollen Skulptur „Mensch“ vertreten, sprach über Einflussmöglichkeiten der Kunst: „Natürlich hat der Künstler eine politische Verantwortung, ist die Kunst systemrelevant. Ersetzen kann sie die Politik nicht, aber sie kann Fragen stellen und Impulse setzen.“

Keine dekorative Wohlfühl-Ausstellung, sondern Kopffutter

Vor dem Haupteingang liegt, in einen Schlafsack und Anorak eingepackt, scheinbar ein Obdachloser am Boden. Die Szenerie der Installation „Architektur der Obdachlosigkeit“ von Manfred Lehner ist so täuschend echt, dass ein Besucher aus Miesbach erzählte, schon den Geldbeutel gezückt zu haben, um ihm eine Münze in den Hut zu werfen. Spätestens hier wird klar, dass hier keine dekorative Wohlfühl-Ausstellung zu erwarten ist, sondern mit etwas härterer, Kopf und Herz ansprechender Kost gerechnet werden muss, was jedoch eine ästhetische Qualität nicht ausschließt.

Im Atrium sind viele weitere Kunstwerke zum Thema zu sehen. 
Im Atrium sind viele weitere Kunstwerke zum Thema zu sehen.  © Christian Scholle

Bildhauerin Veronika HagnRoth nennt ihre Holzfiguren-Installation „Gleiches Recht für alle“. Einem überdimensionalen Samenkorn lässt sie eine Gruppe Holzfiguren verschiedener Herkunft, unterschiedlicher Berufe und Bedeutung entwachsen, die alle mit einem roten Seil verbunden sind und nach Höherem streben oder von einer höheren Macht, dargestellt durch ein sonnenähnliches Gebilde, gesteuert werden. Junko Masuoka bringt in ihrer Origami-Installation „Ab in die Freiheit“ viel Farbe ins Spiel und lässt einige wenige in einen Käfig zusammengepferchte, bunte Papiervögel entkommen, um sich draußen – geordnet und uniformiert – wiederum in die Gesellschaft eingliedern zu müssen. Wenigstens in Freiheit.

Weitere Exponate in St. Josef und Atrium

Eine Fülle weiterer spannender Exponate findet sich in der Kirche St. Josef und am Marktplatz mit dem Projekt „Pictures for the Human Rights“. Rund um den Maibaum platzierte Aktionskünstler Johannes Volkmann Exemplare aus seinem Kinderprojekt „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“. Und schließlich wird das Atrium bereichert mit weiteren Werken der Teilnehmer sowie Plakat-Dokumentationen der Organisationen Amnesty International und Pro Asyl.

Am Marktplatz zeigen Stellwände die einzelnen Artikel der UN-Charta auf.
Am Marktplatz zeigen Stellwände die einzelnen Artikel der UN-Charta auf. © Christian Scholle

Ausstellungen und Teilnehmer

Die Ausstellungen sind bis Donnerstag, 16. Juni 2022, zu sehen. Teilnehmer: Julia Zeckau, Marieluise Wittreich, Tobel, Fritz Schiel, Regina Schmidt, Sebastian Saurle, Christiane Rath, Junko Masuoka, Waltraud Milazzo, Nani Mahlo, Manfred Lehner, Andreas Kuhnlein, Lotte Koch, Thomas Jarzina, Birgit Haas-Heinrich, Horst Hermenau, Veronika HagnRoth, Florian Simon Eiler, Konrad Broxtermann, Florian Bachmeier, Barbara Bertram, Georg Brinkies und Saeid Ahmadi.

Reinhold Schmid

Auch interessant

Kommentare