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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Vorstand Karl Eßl (v.l.), Richard Obermayer, Kommandant Ludwig Würmseer und Herrmann Kieber vor dem Drehleiter-Modell, das bislang für das Fest warb. Dieses findet ein Jahr später statt.

Das Programm wird für 2021 kopiert 

Feuerwehr verschiebt Feierlichkeiten zu 150-Jährigen

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Die Feuerwehr Holzkirchen verschiebt die Feierlichkeiten zum 150-Jährigen. Der Nachholtermin liegt im Juli 2021. Das Programm soll eins zu eins kopiert werden.

Holzkirchen – Zur Halbzeit gab es Weißwürste. Saftige und große Weißwürste. „Die Feuerwehrler waren glücklich, dass sie diese im Gasthof Oberland essen konnten“, sagt Karl Eßl. Denn die Zeiten waren hart. So steht es in der Chronik, in der der erste Vorsitzende geblättert hat. 1945, als die Holzkirchner Feuerwehr ihr 75-jähriges Bestehen feiern wollte, war gerade der Zweite Weltkrieg beendet worden. Keine gute Zeit, um ein Fest auszurichten. Deshalb verschoben die Kameraden ihr Jubiläum um ein Jahr. „Das 75-Jährige wurde also im 76. Jahr gefeiert“, erklärt Eßl.

Gut 75 Jahre später befindet sich die Welt wieder in einer Ausnahmesituation, bedingt durch die Corona-Pandemie. Ähnlich wie damals muss die Holzkirchner Feuerwehr ein Jubiläum verschieben. Die Feierlichkeiten zum 150-Jährigen, die heuer von 9. bis 12. Juli über die Bühne gehen sollten, sind um ein Jahr verschoben. Jetzt finden sie von 8. bis 11. Juli 2021 statt. „Wir feiern das 150-Jährige also im 151. Jahr“, meint Eßl.

„Eigentlich hat Frau Merkel die Entscheidung getroffen“, sagt Andreas Pohl, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr kümmert. Genauer gesagt haben Bund und Länder beschlossen, dass bis zum 31. August 2020 keine Großveranstaltungen stattfinden. „Das macht es leichter.“

Als die Feuerwehr darüber entscheiden musste, dass das für 21. März geplante Derblecken ausfallen sollte (wir berichteten), tat man sich schwerer. Damals war die Situation noch nicht so eindeutig. Jetzt hat die undankbare Aufgabe quasi die Bundeskanzlerin übernommen.

Die Mannschaft war sich schnell einig. Sie stimmte in einer WhatsApp-Gruppe ab. Es hieß: Daumen hoch oder Daumen runter. „Wie früher im Kolosseum“, scherzt Eßl. Am Ende drückten alle den Daumen hoch – und plädierten dafür, das Fest zu verschieben. „Die Enttäuschung war groß“, berichtet Pohl. Schließlich bastelten die Kameraden seit Mai 2016 an dem Jubiläum. „Aber das Verständnis war auch groß.“  

Das Programm wird im Prinzip eins zu eins ins neue Jahr kopiert. „Der Plan bleibt gleich“, erklärt Eßl. Grob gesagt heißt das: Den Startschuss macht ein Einzug am Donnerstag vom Bahnhof zum Festplatz, dem Herdergarten. Dort folgen ein Bieranstich und ein Spiel namens „Kommandanten-Versenken“, das sich die Kameraden für alle Feuerwehr- Kommandanten aus dem Landkreis ausgedacht haben. „Das wird eine Überraschung“, sagt Pohl. Nur so viel verrät er: Es geht um eine Kübelspritze und nasse Kommandanten. Der zweite Tag wird der Jugend gewidmet, mit Konzerten im Festzelt. Der Samstag beginnt mit einem Frühschoppen sowie einem Oldtimertreffen am Marktplatz. Gezeigt werden alte Feuerwehrautos und historische Übungen. Abends gibt es einen Tanz- und Stimmungsabend. Der große Festtag, der Sonntag, startet mit einem Gottesdienst am Marktplatz, gefolgt von einem Zug durch den Ort. Abends wartet ein Festausklang mit Musik.

In Sachen Nachholtermin ist vieles bereits in trockenen Tüchern: „Wir haben erste Verträge unterschrieben“, sagt Eßl. Größere finanziellen Verluste seien daher nicht zu erwarten. Den größten Posten machen die beiden Leimbinder aus, die die Feuerwehrler für ihre nachgebaute Drehleiter brauchten, die im Fasching im Einsatz war. Wer will, kann die Leimbinder zum Selbstkostenpreis von circa 500 Euro abholen. Bis zum nächsten Jahr einlagern können die Feuerwehrler sie nicht. „Das Feuerwehrhaus platzt aus allen Nähten“, sagt Eßl.

Das Drehleiter-Modell steht aktuell am östlichen Ortseingang in Holzkirchen und warb bis dato für die Feierlichkeiten zum 150-Jährigen. Jetzt hat Eßl einen Aufkleber drauf gepappt. „Verschoben“, heißt es nun.

Die Feuerwehr Holzkirchen ist unter die Filmschaffenden gegangen. In einem Internetvideo tritt der Kommandant als Feuerwehr-Fee auf. 

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