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Dicker Brocken: Für die Sanierung beziehungsweise den Neubau der Mittelschule sind im mittelfristigen Finanzplan gut 5 Millionen Euro vorgesehen.

Haushalts für 2018

Finanzen der Marktgemeinde: Gut betucht und sexy

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In Holzkirchen stehen Millionen-Investitionen an. Der Haushalt für 2018 liest sich durchweg solide. Doch der Marktgemeinderat blickt bereits auf die künftige Finanzlage.

Holzkichen – Berlin und Holzkirchen haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Pulsierende Weltmetropole dort, Marktgemeinde im Alpenvorland da. Und doch hat Christoph Schmid, CSU-Fraktionsvorsitzender, eine Gemeinsamkeit ausmachen können. Die Hauptstadt ist, wie Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit vor Jahren festgestellt hat, arm, aber sexy. In Sachen Attraktivität steht Holzkirchen der Millionen-Stadt laut Schmid in nichts nach – und hat ihr sogar etwas voraus: „Wir sind einigermaßen gut betucht und sexy.“

Zu dieser Überzeugung brachte Schmid der Haushalt für 2018, den Kämmerer Dominik Wendlinger jüngst im Gemeinderat vorgestellt hat. Ein Zahlenwerk, mit dem das Gremium durchweg zufrieden war. Die Rücklagen wachsen heuer von 5 auf 8,8 Millionen Euro an, entnehmen muss die Gemeinde vom Sparbuch nichts. Das liegt allen voran an den Einnahmen, die auf dem gemeindlichen Konto verbucht werden. In den Vermögenshaushalt fließen 13,4 Millionen aus Grundstücksverkäufen. Nicht mit eingerechnet sind dabei die Erträge aus den Verkäufen in der Maitz. In den Verwaltungshaushalt sprudeln neben den 12,5 Millionen an Gewerbesteuern Einkommenssteuer-Einnahmen von rund 13,1 Millionen.

Wer viel einnimmt, muss allerdings auch einiges abgeben. Die Kreisumlage, die Holzkirchen 2018 ins Haus steht, beläuft sich auf rund 12,3 Millionen Euro. Laut dem Kämmerer trägt der Markt damit 18,9 Prozent der gesamten Umlage. Ein zu hoher Anteil, wie Schmid findet. Pro Tag, so seine Rechnung, überweise die Gemeinde 33 000 Euro nach Miesbach. Er würde die Kreisumlage gerne gesenkt sehen – von 54 auf 52 Prozent.

Robert Wiechmann (Grüne) erinnerte daran, dass das Geld in den vergangenen Jahren nicht nur in eine Richtung geflossen ist. Der Kreis habe „Rekordschulden. Und die liegen in Holzkirchen vergraben“, sagte der Dritte Bürgermeister. Stichwort: Schulen. Hier habe der Landkreis im Markt viel investiert – und sich verschuldet. Die Tilgung, wandte CSU-Kreisrat Johannes Loth ein, liefe aber besser als geplant, weswegen man eine Senkung durchaus fordern dürfe. Befassen wird sich der Kreistag zum nächsten Haushalt 2019 mit den Umlagesätzen, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Dasch.

Die knapp 500 000 Euro, die man durch eine Senkung der Umlage laut Schmid aktuell weniger abgeben müsste, könnten wiederum in anstehende Projekte gesteckt werden. Für den Umzug des Bauhofs sind in diesem Jahr bereits 2,4 Millionen eingestellt, für den Kita-Ausbau an der Frühlingsstraße 1,2 Millionen und für den Um- oder Neubau der Mittelschule an der Baumgartenstraße 422 900 Euro. Der fällt aber erst in den kommenden Jahren wirklich ins Gewicht. Im Investitionsprogramm bis 2021 sind hierfür gut 5 Millionen angesetzt.

Die lange Liste an Vorhaben bringt ein weiteres Problem mit sich: die begrenzten Kapazitäten im Rathaus – sowohl personell als auch räumlich. „Die Verwaltung ist der Flaschenhals, nicht das Geld“, befand Wiechmann. Und auch Birgit Eibl (FWG) sprach sich für eine Aufstockung des Verwaltungspersonals aus, „gerade im Bauamt“. Dafür müsse aber der anvisierte Rathausanbau vorangetrieben werden, gab Wiechmann zu bedenken und forderte: „Da müssen wir in die Pötte kommen.“

Den Haushalt für 2018 verabschiedete der Gemeinderat einstimmig. Der Blick richtet sich sofort auf die Finanzierung der zukünftigen Projekte. Auf die „exzellente Konjunktur“, so Christoph Schmid, sollte man sich nicht langfristig verlassen. Und allein durch weitere Grundstücksverkäufe, sagte Wiechmann, könne man den Haushalt künftig nicht nachhaltig finanzieren.

„Spielraum für Luftschlösser haben wir also nicht“, mahnte der Dritte Bürgermeister und appellierte daran, trotz „soliden Polsters“ sparsam zu planen. Denn dass Bauprojekte in der Regel eher teurer als günstiger werden, davon kann man gerade in der Hauptstadt Berlin ein Lied singen.

fp

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